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ERLEN: Quartett leistet ganze Arbeit

Seit drei Jahren gibt es in der Gemeinde das Geschäftsleitungsmodell. Der Entscheid, einen neuen Weg zu beschreiten, hat sich gelohnt. Gemeindepräsident Roman Brülisauer zieht eine positive Zwischenbilanz.
Georg Stelzner
Die Geschäftsleitung der Gemeinde Erlen im Sitzungszimmer: Ursula Weibel, Leiterin Kanzlei und Sekretariat; Jörg Bürgisser, Leiter Bauen und technische Betriebe; Gemeindepräsident Roman Brülisauer; Patrick Sempach, Leiter Finanzen und Case Management. (Bild: Andrea Stalder)

Die Geschäftsleitung der Gemeinde Erlen im Sitzungszimmer: Ursula Weibel, Leiterin Kanzlei und Sekretariat; Jörg Bürgisser, Leiter Bauen und technische Betriebe; Gemeindepräsident Roman Brülisauer; Patrick Sempach, Leiter Finanzen und Case Management. (Bild: Andrea Stalder)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Ist es sinnvoll, dass sich der Gemeinderat in seinen Sitzungen über Baugesuche und Arbeits- vergaben den Kopf zerbricht? Oder Zeit investieren muss, um über den Beitrag an einen Verein zu entscheiden? Die Erler Gemeindebehörde ist zu einem klaren Schluss gekommen. Die Antwort lautet: Nein! Doch erledigt werden müssen auch solche Geschäfte. Die Lösung: Dafür und für alle operativen Belange ist seit 1. Januar 2015 eine vierköpfige Geschäftsleitung zuständig. Erlen ist mit der Einführung dem Beispiel Sirnachs gefolgt, das im Thurgau die Vorreiterrolle für sich reklamieren darf.

«Obwohl es für alle Beteiligten eine Umstellung war und das eine oder andere Problem gelöst werden musste, ist die Anfangsphase durchaus zufriedenstellend verlaufen», erklärt Gemeindepräsident Roman Brülisauer. Zusammen mit Jörg Bürgisser (Leiter Bauen), Patrick Sempach (Leiter Finanzen) und Ursula Weibel (Leiterin Kanzlei, Sekretariat) bildet er die Geschäftsleitung, welche sich alle 14 Tage zu einer Sitzung trifft. Eine solche kann bei Bedarf aber auch ganz spontan durchgeführt werden.

Aufgabenbereich ist neu definiert worden

Da die Sitzungen protokolliert werden, ist der Gemeinderat über die Tätigkeit der Geschäftsleitung immer auf dem Laufenden. Zudem gehört der Gemeindepräsident beiden Gremien an und hat somit quasi eine Scharnierfunktion. Für ein reibungs- loses Funktionieren des Modells ist es nach den Worten Brülisauers von zentraler Bedeutung, dass die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zwischen dem Gemeinderat und der Geschäftsleitung klar zugeteilt sind.

«Seit in Erlen das Geschäfts- leitungsmodell zur Anwendung kommt, kann sich der Gemeinderat auf die strategischen Aufgaben konzentrieren», führt Brü- lisauer aus. In der Praxis bedeute dies, «dass der Fokus seitens der Behörde auf die Entwicklung der Gemeinde sowie das Entwerfen von Visionen gelegt wird». Brü- lisauer macht aus seiner Meinung kein Hehl: «Operativ tätige Gemeinderäte sind im Grunde verkappte Verwaltungsangestellte, was nicht sinnvoll ist.»

Die Entlastung der Gemeinderatsmitglieder vom operativen Tagesgeschäft und von Verwaltungsarbeiten hat zur Folge, dass weitaus weniger Sitzungen als vorher nötig sind. «Waren es früher 17 bis 18 Sitzungen pro Jahr, so sind es jetzt nur noch deren zehn», erklärt Brülisauer. Dadurch sei das Amt für einen wesentlich grösseren Kreis von Personen attraktiv geworden, zum Beispiel für Gewerbetreibende und Unternehmer. «Als Gemeindepräsident habe ich jetzt auch mehr Zeit für persönliche Kontakte mit der Bevölkerung», nennt Brülisauer einen weiteren Pluspunkt. Als Machtverlust des Gemeinderates empfindet er die neue Aufgabenverteilung nicht. Die Einführung des Geschäfts- leitungsmodells geschah aufgrund einer umfassenden Ana- lyse, die mit Hilfe einer externen Firma erstellt wurde. Die Um- stellung auf das neue System war in Erlen unbestritten. Weder in der Bevölkerung noch in der Verwaltung regte sich Widerstand, und die Gemeindeversammlung hiess den entsprechenden Antrag ohne Gegenstimmen gut.

Brülisauer räumt ein, dass die Arbeit mit dem Geschäfts- leitungsmodell eine Aufstockung der Stellenprozente in der Gemeindeverwaltung erforderlich gemacht habe. Sein Fazit nach den ersten drei Jahren fällt trotzdem durchwegs positiv aus. Die Prozesssicherheit habe sich markant erhöht, was in einer Zeit der zunehmend komplexer werdenden Probleme ein wichtiger Faktor sei. «Ich bin überzeugt», sagt Brülisauer, «dass weitere Gemeinden zum Geschäftsleitungsmodell übergehen werden.» Es gebe auch immer wieder Anfragen von Amtskollegen.

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