ERLEN: Grosse Zustimmung überrascht Behörden

Das Echo ist riesig, der Bedarf nach einer Tagesstruktur für Schüler somit ausgewiesen. So lautet das Fazit des Projektteams, welches die Umfrageergebnisse in der Gemeinde vorstellte.

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Schulpräsident Heinz Leuenberger und Gemeindepräsident Roman Brülisauer informieren über die Umfrageresultate. (Bild: Christof Lampart)

Schulpräsident Heinz Leuenberger und Gemeindepräsident Roman Brülisauer informieren über die Umfrageresultate. (Bild: Christof Lampart)

Rund 40 Personen kamen in die Schule Erlen, wo Gemeindepräsident Roman Brülisauer und Schulpräsident Heinz Leuenberger über den aktuellen Projektstand informierten. Brülisauer verwies darauf, dass sich der Gemeinderat schon lange für familienergänzende Betreuungsangebote einsetze, da dies ein Gebot der Zeit sei. Schliesslich wollten heute Männer und Frauen beide aktiv im Beruf tätig sein, zumal auch die Wirtschaft Arbeitskräfte benötige. Eine Gemeinde könne ihre Attraktivität markant dadurch steigern, indem sie gerade eine solche Tagesstruktur anbiete, gab Brülisauer zu bedenken. Nicht zuletzt deshalb hätten das politische und schulische Erlen vor einiger Zeit an einem gemeinsamen Workshop die Prüfung von Tagesstrukturen und vorschulischen Angeboten als «prioritär beschlossen», so Brülisauer.

Grosser Rücklauf der Fragebögen

Das Ergebnis der Umfrage «Wie gross ist der Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten in Erlen» scheint das Vorgehen der Behörden zu stützen. Befragt wurden, durch ein unabhängiges Institut, alle Bewohnerinnen und Bewohner Erlens, denn «wir wollten das Meinungsbild der Gesamtbevölkerung einholen», erklärte Brü­lis­auer. Von den 1685 angeschriebenen Haushaltungen kamen 718 Rückmeldungen, was einen sehr guten Rücklaufwert von 43 Prozent bedeutet. 68 Prozent bejahten, dass die Standortattraktivität einer Gemeinde durch eine Tagesstruktur zunimmt. 64 Prozent erklärten, dass auch eine kleine Gemeinde ein Tagesstruktur-Angebot anbieten solle.

Allerdings sprachen sich auch 53 Prozent dafür aus, dass eine Gemeinde auf ein solches Angebot verzichten solle, wenn sie sich ein solches finanziell nicht leisten könne. Zugleich meinten aber auch 40 Prozent, dass nicht alleine die finanziellen Möglichkeiten einer Gemeinde den Ausschlag für oder gegen Betreuungsangebote geben sollten. Und schliesslich kamen 68 Prozent der Befragten zum Schluss, dass, wer Kinder habe, selbst schauen müsse, wie man mit der Doppelbelastung Kinder/Beruf über die Runden komme. «Hier müssen wir noch mit vielen Menschen das Gespräch suchen und Überzeugungsarbeit leisten», warb Brü­lisauer dafür, kritische Stimmen mit ins Boot zu holen.

Mindestbedarf deutlich übertroffen

Diese Antworten führten zu zwei Fragen: Wie viele Eltern würden ihren Nachwuchs eine solche Tagesstruktur besuchen lassen? Und inwieweit wären sie dazu bereit, sich finanziell daran zu beteiligen? Wie es sich zeigte, wäre im Vorschulalter an allen fünf Wochentagen eine Betreuung der Kinder inklusive Mittagessen am attraktivsten (21 bis 31 Nennungen je Wochentag). Im Schulalter ist vor allem «Mittag mit Essen» (56 bis 78 Nennungen) gefragt. Aber auch die Zeitabschnitte «Morgen» (23 bis 35), «früher Nachmittag» (31 bis 37) und «später Nachmittag mit Zvieri» (31 bis 49) würden rege genutzt werden.

«Das Resultat hat uns sehr überrascht, so dass wir eigens noch einmal wirklich zurückgefragt haben, ob das Interesse wirklich so hoch ist», erklärte Brülisauer. Tatsächlich sei man ursprünglich davon ausgegangen, dass man mit 20 Besuchen pro Tag eine solche Tagesstruktur attraktiv gestalten könne – was aufgrund der Umfrageergebnisse problemlos machbar sein sollte.

Dies nicht auch zuletzt, weil, so Heinz Leuenberger, «die Zahlungsbereitschaft der Nutzer vorhanden ist». Immerhin 26 Prozent würden 50 Franken je Tag und Kind zahlen, weitere 16 Prozent bis 65 Franken und nochmals 16 Prozent bis 80 Franken. Diese Erkenntnis stütze sich auch mit der Idee der Arbeitsgruppe. «Für uns war von Anfang an klar, dass sich die Nutzer an den Kosten beteiligen müssen», erklärte Leuenberger.

Wie geht es nun weiter? Die Arbeitsgruppe wird sich über ein mögliches Angebot in den nächsten Schritten detailliert mit der Detailorganisation, dem Raumbedarf und mit der Frage nach der Finanzierbarkeit einer Tagesstruktur befassen. «Die Finanzierung hängt von der Gestaltung der Angebote im Vorschulalter und Schulalter ab und muss sehr genau angeschaut werden». Auch über einen Zeithorizont bezüglich einer Abstimmung an einer Gemeindeversammlung gab es Informationen: «Eine solche wird frühestens im Mai 2018 realistisch sein», erklärte Leuenberger.

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch