ERLEN: Der Wasserpreis sinkt

Die Gemeindeversammlung hat das neue Reglement für die Wasserversorgung mit Gebührenordnung genehmigt. Dies im Gegensatz zur Tarifordnung. Sie geht zur Überarbeitung zurück an den Gemeinderat.

Hannelore Bruderer
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Die Erler Gemeindeverwaltung und Post befinden sich derzeit noch im gleichen Gebäudekomplex. (Bild: Georg Stelzner)

Die Erler Gemeindeverwaltung und Post befinden sich derzeit noch im gleichen Gebäudekomplex. (Bild: Georg Stelzner)

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

An der Versammlung der Politischen Gemeinde Erlen am Donnerstagabend nahm das Traktandum 4 über die Genehmigung des neuen Wasserversorgungs- reglements inklusive Gebühren- und Tarifordnung viel Zeit in Anspruch. Das Reglement ist vierstufig aufgebaut, entspricht den heutigen gesetzlichen Grundlagen und folgt den Empfehlungen des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches. Unbestritten waren die ersten drei Teile, die das Reglement und die zweigeteilte Gebührenordnung umfassen. Ihnen stimmten die Stimmbürger oppositionslos zu.

Vom Stimmvolk nicht goutiert wurde hingegen die vorgeschlagene Tarifordnung. Sie sieht einen Systemwechsel vor. Bezahlten die Einwohner über die Mengengebühr bisher 85 Prozent des Wassers und über die Grundgebühr 15 Prozent, so lautet die neue Aufteilung 30 Prozent Mengengebühr, 55 Prozent Grund- gebühr und 15 Prozent Gebäudetaxe. «Die Gemeinde muss das Leitungsnetz und die Anlagen warten und erneuern; dazu benötigen wir finanzielle Mittel, die in Form von Grundgebühren eingehen und unabhängig vom eigentlichen Wasserverbrauch sind», rechtfertigte Gemeindepräsident Roman Brülisauer das neue Modell. «Der hohe Wasserpreis von 3 Franken pro Kubikmeter wird auf 1.28 Franken gesenkt. Mit der Mengengebühr werden die Wasserförderung, der Einkauf und die Verteilung abgegolten.»

Nicht alle Wasserbezüger können profitieren

Gleich mehrere Votanten meldeten sich zu Wort. Die meisten störten sich daran, dass Kleinhaushalte mit einem geringen Wasserverbrauch und einem Eigenheim künftig für ihr Wasser wesentlich tiefer in die Tasche greifen müssten. Einige vermissten beim neuen Modell auch den ökologischen Ansatz. Gemäss Berechnungsmodell steigt die jährliche Wasserrechnung bei einem Haushalt von zwei Personen im Einfamilienhaus von rund 364 Franken auf 792 Franken an.

Als ungerecht empfunden wurde auch, dass Bewohner einer Mietwohnung praktisch keinen Wasserkostenanstieg erfahren oder sogar noch günstiger fahren würden als bisher. So zeigen die Berechnungen, dass ein Einpersonen-Haushalt in einer Mietwohnung neu 296 Franken gegenüber früheren 260 Franken bezahlen würde, ein Dreipersonen-Haushalt in einer Mietwohnung, der jetzt rund 705 Franken bezahlt, würde für sein Wasser künftig pro Jahr nur noch 486 Franken berappen.

Wenige Wortmeldungen gab es zu den Berechnungsmodellen für die Landwirtschaft, die grundsätzlich günstiger fährt, sowie zu den Modellen für das Gewerbe, die Industrie und öffentliche Institutionen, bei denen es je nach Gebäudevolumen und Wasserverbrauch Veränderungen geben wird. Mit 56 Ja- zu 29 Nein-Stimmen folgten die anwesenden Stimmbürger dem Antrag eines Votanten, das Geschäft an die Gemeindebehörde zur Überarbeitung zurückzuweisen. Völlig unbestritten war hingegen der Einbürgerungsantrag von Or- nella und Concetto Tomasello. Auf den 97 abgegebenen gültigen Stimmen stand ebenso oft ein Ja.

Post übersiedelt in den Volg-Laden

Gemeindepräsident Brülisauer erklärte am Ende der Versammlung, dass der Gemeinderat wegen der anstehenden Schliessung der Poststelle Erlen keine Beschwerde bei der Post eingereicht habe. Stattdessen werde man die Lösung mit einer Agentur im Volg Aachbrüggli unterstützen.

Positiv aufgenommen wurde die Information, dass mit dem letzten Einsprecher zum Projekt «Hochwasserschutz Tobelbach» eine Lösung gefunden worden ist. Mit Applaus bedacht wurde die Zusicherung der «Mobiliar»-Versicherung, das Vorhaben mit einem Betrag von 130000 Franken zu unterstützen.