ERLEN: Der Spielraum wird immer kleiner

Die Ortsplanungsrevision ist eine Herkulesaufgabe. Der Zonenplan und das Baureglement müssen komplett ersetzt werden. Der Gemeinderat strebt mit den Betroffenen einvernehmliche Lösungen an.

Georg Stelzner
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Im Sitzungszimmer des Gemeinderates diskutieren Ortsplaner Andreas Niklaus und Gemeindepräsident Roman Brülisauer über den neuen Zonenplan der Gemeinde Erlen. (Bild: Georg Stelzner)

Im Sitzungszimmer des Gemeinderates diskutieren Ortsplaner Andreas Niklaus und Gemeindepräsident Roman Brülisauer über den neuen Zonenplan der Gemeinde Erlen. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

«Die Bevölkerung muss wissen, dass der Gemeinderat mit der ­Revision der Ortsplanung einen gesetzlichen Auftrag erfüllt», erklärt Gemeindepräsident Roman Brülisauer. Die Anpassung geschehe auf Basis des eidgenös­sischen Raumplanungsgesetzes sowie des kantonalen Planungs- und Baugesetzes.

Der Gemeindepräsident verweist darauf, dass der Aufwand für eine Überarbeitung der Ortsplanung heute immens sei. Die Vorgaben von Bund und Kanton würden die Gemeinde in ihrem Handlungsspielraum erheblich einengen. Die Grundeigentümer sollen laut Brülisauer nicht das Gefühl haben, sie müssten sich einem Diktat fügen. «Nach Möglichkeit berücksichtigen wir bei der Revision individuelle Anliegen», versichert Brülisauer.

Neue Zone soll Zentrum attraktiver machen

Für die Öffentlichkeit am interessantesten dürfte der neue Zonenplan sein, sind davon doch viele Einwohner mehr oder weniger direkt betroffen. «Hier sind einige grundsätzliche Änderungen vorgesehen», erklärt Ortsplaner Andreas Niklaus. So soll in Zukunft zwischen einer Wohnzone W2a und W2b unterschieden werden. Erstere bezeichne die klassische zweigeschossige Zone für Einfamilienhäuser, Letztere sei eine Zone, in der auch Mehrfamilienhäuser möglich sind.

Neu im Zonenplan der Gemeinde Erlen sind auch die Zentrumszone Z4 und eine Zone für öffentliche Anlagen an der Aachstrasse unmittelbar neben dem Gemeindehaus. «Die Zentrumszone soll durch die Möglichkeit, viergeschossige Gebäude mittels Innenverdichtung zu errichten, zu einer Aufwertung des Ortskerns führen», erläutert Niklaus. Speziell dabei sei, dass mindestens 25 Prozent des Erdgeschosses für Dienstleistungsbetriebe reserviert sein müssen.

Die neue Zone für öffentliche Anlagen in Nachbarschaft des Gemeindehauses würde die heutige Landwirtschaftszone ersetzen. Das wäre vor allem im Hinblick auf die Errichtung eines Alters- und Pflegeheims von grosser Bedeutung, zumal derartige Einrichtungen heute bevorzugt in Zentrumsnähe erstellt werden. «Ein solches Projekt ist vorderhand aber erst eine Vision», erklärt der Gemeindepräsident. Die zweite Zone für öffentliche Anlagen auf Gemeindegebiet betrifft das Areal der Schule Erlen. Flächenmässig verkleinert werden die Dorfzonen. Es ist eine Reduktion auf die wirklich his- torischen Siedlungsgebiete vor- gesehen. Grosse Dorfzonen stellen die Ortschaften Engishofen, Kümmertshausen und Buchackern, aber auch Teile von Riedt und Ennetaach sowie der Erler Ortsteil Eppishausen dar. «Hier geht es primär um den Schutz des Erscheinungsbildes», erklärt der Gemeindepräsident. So seien in dieser Zone zum Beispiel Flachdächer nicht erlaubt. Die Orts­planungsrevision wird laut Brü- lisauer auch dazu genutzt, um Zonengrenzen an die aktuellen Verhältnisse anzupassen. So könne etwa nicht bebaubares Bauland aus- und andernorts wieder eingezont werden. Am Ende müsse aber die Summe der Flächen wieder die gleiche sein.

Die Baulandreserven neigen sich auch in der Gemeinde Erlen langsam dem Ende zu. Dramatisch ist die Situation aber bei weitem noch nicht. So sind etwa im Bereich von Riedt gerade 48 neue Parzellen für Einfamilienhäuser geplant. Bei einem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum von 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr werde das Bauland bis ins Jahr 2030 reichen, sagt der Gemeindepräsident. «Wir wollen auch gar nicht überdimensional wachsen.» Angestrebt werde vielmehr ein qualitatives Wachstum.