ERLEN: Austauschjahr führte zum Hilfsprojekt

In Honduras wachsen viele Kinder ohne Zukunftsperspektive auf. Der Verein Casa Girasol setzt sich für diese Kinder ein und vermittelt ihnen christliche Werte.

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Die grosse Armut in Honduras, die ihr Sohn Alexander während seines Austauschjahrs an der Kantonsschule im Jahr 2000 in diesem Land angetroffen habe, sei der ­Auslöser zur Gründung des Vereins Casa ­Girasol im Jahr 2006 gewesen, sagt Monika Blum. «Er wollte vor Ort etwas bewirken, und wir haben ihn dabei unterstützt.»

Während Alexander Blum meist in Honduras weilt, erledigen Monika Blum und ihr Gatte Bruno in ihrer Freizeit von Erlen aus Arbeiten für die Organisation. Casa Girasol hat sich zum Ziel gesetzt, Strassenkindern auf christlicher Basis Hoffnung, Liebe und ein neues Zuhause zu schenken und ihr Leben dank Ausbildung nachhaltig zu verbessern.

Lernen und spielen

Zusammen mit einer Partnerorganisation wird das Kinderheim «Diamante» betrieben. Dort sind 35 Kinder untergebracht. Rund 100 weitere Kinder, die bei ihren Familien wohnen, werden im Rahmen eines Familienprogramms unterstützt. Das Heim verfügt über Unterrichtsräume, eine Bäckerei, eine Schreinerei und Schlosserei, über Landwirtschaft und Fischzucht, wo sich die Kinder nach Schulschluss betätigen können. Ausserhalb der Stadt befindet sich das Casa Girasol (Haus Sonnenblume). Dort werden Camp-Wochen mit Kindern anderer Heime durchgeführt. Die Kinder übernachten in ausgedienten Bussen, die entsprechend umgebaut wurden, beim Haus befinden sich neue sanitäre Anlagen. In diesem Jahr kamen bisher drei Gruppen in den Genuss einer Camp-Woche. Das Casa Girasol wird aber auch an andere Organisationen weitervermietet.

Anfang Jahr musste das Heim «Diamante» einen herben Verlust verkraften. «Trotz Bewachung haben Unbekannte das Heim überfallen und etliche Maschinen aus den Werkstätten entwendet», sagt Monika Blum. Die Polizei habe sich den Schaden zwar angeschaut, es sei aber unwahrscheinlich, dass die Täter ermittelt und die gestohlenen Gegenstände wieder auftauchen würden. «Wir werden die Maschinen wieder neu anschaffen müssen, was mit unseren beschränkten Mitteln nicht so leicht ist», sagt die Präsidentin und Mitgründerin des Casa Girasol. Denn die Spendeneingänge waren in den letzten Jahren rückläufig. «Wir hatten Mühe und mussten im letzten Jahr Mitarbeiter entlassen. Nun sind wir auf der Suche nach neuen Geldgebern», bekennt Monika Blum. Rund 160 000 Franken beträgt das Jahresbudget des Casa Girasol. Unterstützt wird der Verein von Privaten, Firmen und Kirchgemeinden. Die neuste Idee, um Spenden zu generieren, sind Postkarten mit Liebesbotschaften. Diese können gratis bezogen werden, der Verein bittet dafür jedoch um eine Spende. «Da wir ehrenamtlich arbeiten, fliessen die gesamten Spendeneinnahmen direkt in unser Projekt», versichert Monika Blum.

Ehrenamtliche Arbeit hilft dem Verein

Im April war sie selbst einen Monat in Honduras. Dabei hat sie bei einem wei­teren Standbein des Hilfswerks, dem Kinderprogramm, teilgenommen. Mit diesem Programm unterstützt Casa Girasol andere Kinderheime in Honduras bei ihrer Arbeit aktiv. Zusammen mit den Volontären, die einen Basis-Einsatz bei Casa Girasol leisten, ist Monika Blum zu Heimen aufgebrochen, um dort mit den Kindern zu spielen und zu basteln. «Ich kann zwar kein Spanisch, aber an den leuchtenden Augen der Kinder konnte ich sehen, wie viel Freude ihnen unser Besuch bereitet hatte.»

Der freiwillige Einsatz vor Ort ist eine weitere Option, die Tätigkeit der Organisation zu unterstützen. Ein Basis-Einsatz dauert ein bis drei Monate. Nebst Mithilfe bei den Kinderprogrammen ­haben die Teilnehmenden Gelegenheit, einen Spanischkurs zu besuchen. Die Workcamps sind ein Mix aus Baueinsatz und Abenteuerferien, bei dem die Teilnehmenden mithelfen, die Gebäude zu renovieren und in Schuss zu halten. Wer bei einem Camp mitmachen möchte, hilft bei den Vorbereitungen und der Durchführung einer Campwoche und kann im Anschluss das Land bereisen.

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch