Erich Büsser, ein Leben für die Musik

Aus dem Weinfelder Dorfbild ist eine liebenswürdige Persönlichkeit verschwunden. Wie seine Familie in einer Todesanzeige in der heutigen Thurgauer Zeitung mitteilt, ist Erich Büsser an Heiligabend verstorben – kurz nach Vollendung seines 87. Altersjahres.

Esther Simon
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Im Frühling 2012: Erich Büsser im Lieblingssessel in seiner Wohnung an der Bankstrasse in Weinfelden. (Archivbild: Esther Simon)

Im Frühling 2012: Erich Büsser im Lieblingssessel in seiner Wohnung an der Bankstrasse in Weinfelden. (Archivbild: Esther Simon)

Die Weinfelder haben dem Verstorbenen unendlich viel zu verdanken. Für Generationen von Sekundarschülerinnen und -schülern war er der Musikdirektor schlechthin.

Der Abendmusikzyklus

Nicht wenige von ihnen erinnern sich heute noch, wie sie das Lied «Freut Euch des Lebens» – das Schülerinnen und Schüler jeweils an der Bochselnacht auf dem Rathausplatz singen – trainieren mussten, trotz Stimmbruchs. Ebenfalls während Jahrzehnten besorgte Erich Büsser treu und zuverlässig den Orgeldienst an der evangelischen Kirche in Weinfelden. Vor über 30 Jahren hatte er – zusammen mit seinem Weggefährten, dem Musiker Franz Feldmann – den Weinfelder Abendmusikzyklus ins Leben gerufen. Seither haben die abendlichen Musikstunden in den beiden Weinfelder Kirchen Tausende von Menschen erfreut und der klassischen Musik nähergebracht.

Die «Johannes-Passion»

Erich Büsser war in vielen Sparten zu Hause. Neben seinem jahrzehntelangen Engagement für die klassische Musik hat er dann später auch noch den Takt in seinem eigenen Jazz-Trio angegeben. Erich Büsser war aber vor allem auch ein Komponist. 1978 und 1994 führten die Weinfelder mit grossem Erfolg seine «Johannes-Passion» auf – dann nochmals am Karfreitag vor drei Jahren, womit Erich Büsser nicht mehr gerechnet hatte. Büsser hatte das Werk 1977/78 komponiert, als er 50 Jahre alt war.

Kulturpreis des Kantons

Wie er das geschafft hatte – neben dem Familienleben mit seiner Frau Sylvia und den Kindern, seinem Beruf als Musikdirektor, als Dirigent zahlreicher Chöre, meist erst noch gleichzeitig, und als Organist – war ihm zeit seines Lebens selber ein Rätsel geblieben. 1997 ehrte der Kanton Thurgau den vielseitigen Musiker mit dem Kulturpreis. Dabei war Erich Büsser immer bescheiden geblieben. Selten war er zufrieden mit einem Werk; selbst die «Johannes-Passion» hätte er später anders geschrieben. «Bei einem solch grossen Thema kann ein Werk ja nie gut genug sein», war seine Begründung. Aber den Schluss der Passion, den hätte er so belassen. Das «Weinfelder Lied» – komponiert auf einen Text von Ulrich Bornhauser – hätte Erich Büsser am liebsten nie zur Aufführung gebracht, weil ihn sein Werk nicht befriedigte. Heute singen die Weinfelder die liebliche Melodie an jeder Bundesfeier.

Das Weinfelder Orgelbüchlein

Das «Weinfelder Lied» erklingt als erste Komposition auf der CD, die Erich Büsser vor elf Jahren herausgegeben hatte – neben dem legendären Weinfelder Orgelbüchlein und einer CD mit Jazz-Aufnahmen. Die Weinfelder Kulturkommission unterstützte damals die Herausgabe der CDs. Es war die Würdigung des Lebenswerkes eines grossen Weinfelders.

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