Erholungswald braucht Pflege

HORN. Der Holzschlag im Horner Wald gibt zu reden. Bürgergemeinde und Förster pflegen den Wald naturnah. Ohne Holznutzung, sagen sie, geht es aber nicht.

Fritz Bichsel
Drucken
Teilen

HORN. Ein Waldteil ist erntereif. Das fällt zusammen mit dem Kahlschlag beim Scheibenstand der Schiessanlage, weil mit Blei belastetes Erdreich entfernt werden muss. In weiteren Teilen sind Bäume zum Fällen gekennzeichnet.

Erholung und Natur verbinden

Der nur sieben Hektaren umfassende Horner Wald an der Goldach ist eines der seltenen Waldstücke nahe dem See in der Region. Er ist so etwas wie der Stadtpark der Agglomeration Rorschach. Bis zu hundert Leute mit Hunden und viele Reiter treffe man hier täglich an, berichtet der Präsident der Bürgergemeinde, Roman Langenberger. Es ist der von Menschen am intensivsten genutzte Wald im Kanton, weiss Kreisforstingenieur Erich Tiefenbacher. Er gehört aber nicht einer Gemeinde, die Steuergeld einsetzen könnte, sondern der Bürgergemeinde, die für Waldpflege Geld erwirtschaften muss. Ihr Kassier erklärt, sie gebe mehr aus, als sie mit Holzverkauf einnehme. Denn sie stelle die Erholung in den Mittelpunkt. Diesen Wald sich selber zu überlassen, ist finanziell nicht möglich und für den Kreisförster auch sonst nicht ratsam: «Ein Urwald wäre kaum begehbar und in unseren Breiten ein artenarmer, von Buchen dominierter Lebensraum.»

Licht für kräftige Bäume

Besucher beurteilen an einem Wald den Boden und die Stämme. Revierförster Daniel Hungerbühler lenkt den Blick aber zu den Kronen. Dort und nicht an schrägem Wuchs oder Efeu zeige sich, welche Bäume gefällt werden müssen. Ziel naturnaher Bewirtschaftung sei es, kräftigen Bäumen genügend Licht zu verschaffen für langes Leben. Entsprechend würden andere in ihrer Umgebung entfernt – und dies, solange das Holz verwertbar sei. Wo nach etwa 15 Jahren intensiver geerntet werde, überlasse man Nachwuchs möglichst der Natur. Für vielseitigen Wald sei es aber nötig, Arten wie Eiche oder Nussbaum selber zu pflanzen und einige Zeit vor dem Überwuchern zu bewahren. Das führt zu vermeintlich fast kahlen Stellen.

Die vom jüngsten Holzschlag noch im Wald liegenden Haufen werden als Brennholz genutzt. Das dauert länger als erwartet, weil bei der Fernwärmeanlage in Horn wegen des milden Winters der Schnitzelsilo noch besetzt ist.

Jungpflanzen nicht zerstören

Naturverjüngung wird hier erschwert durch die vielen Menschen, aber auch, weil Jungpflanzen zum Spielen oder Grillieren benützt werden und Reiter vorschriftswidrig die Waldstrasse verlassen. Bürgerpräsident Roman Langenberger ruft Waldgänger zu Mut auf, Fehlbare auf die Schädlichkeit ihres Tuns hinzuweisen.

Aktuelle Nachrichten