Erfolg der fünf

Seit über zwanzig Jahren versucht Kreuzlingen ein Stadthaus zu bauen. 2016 gelang nun endlich der Durchbruch – nach zähem Ringen und auch mit Glück.

Urs Brüschweiler
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Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler

@thurgauerzeitung.ch

Der Gemeinderat brauchte zwei Anläufe, und bei der Volksabstimmung zählte man am Ende gar dreimal nach. Kreuzlingen verbrachte grosse Teile des ablaufenden Jahres mit der Meinungsfindung zum Stadthausprojekt. Doch zuletzt steht ein Ja. Kein klares oder überzeugendes Ja, aber immerhin ein Ja. Das neue Verwaltungsgebäude auf dem Bärenplatz wird gebaut.

Stichentscheid des Präsidenten

Das zähe Ringen begann am 17. März. Mit Stichentscheid von Gemeinderatspräsident Thomas Leuch nach einem 20:20-Patt entschied sich das Stadtparlament für eine Rückweisung der ersten Botschaft. Ausschlaggebend waren die SP und die FDP, welche weitere Forderungen an das Projekt stellten. Auf viel Frust bei den Stadthausbefürwortern über die Verzögerung folgten geheime Verhandlungen zwischen Stadtrat und den Fraktionen im Gemeinderat, bevor eine leicht überarbeitete Botschaft bereit stand. Sie verspricht vor dem Bau ein Verkehrskonzept zu erstellen und dass die Stadt für eine spätere Nutzung der heutigen Verwaltungsliegenschaften im Sinne des Gemeinwohls schaut.

Damit konnte nun eine Mehrheit des Gemeinderates überzeugt werden. 30 von 36 anwesenden Mitgliedern sagten am 8. September Ja zum Projekt, der Weg zur Urnenabstimmung war damit frei. Den Abstimmungskampf dominierten dann lange die Befürworter. Es dauerte seine Zeit, bis sich auch die Gegner ­öffentlich und vehement zu Wort meldeten. Vor allem David ­Betschart, Inhaber des Modegeschäfts in direkter Nachbarschaft zum neuen Stadthaus, prägte dann die letzten Wochen vor dem Urnengang.

Ein denkwürdiger Abstimmungssonntag

Sein Argument mit der zu kleinen Tiefgarage gesellte sich zu vielen anderen schon länger herumgereichten Gründen, weshalb die Stimmbürger gegen das Projekt sein sollten. Vom Standort, über den Verkehr und zu grossen Raumreserven, bis zur Architektur und der grundsätzlichen Frage, ob es überhaupt ein einziges neues Stadthaus braucht, wurde vieles bemängelt. Am Abstimmungssonntag, dem denkwür­digen 27. November 2016, fand dann aber doch eine Mehrheit der Stimmberechtigten, dass in Kreuzlingen nun endlich etwas realisiert werden müsse. Doch die Mehrheit ist extrem dünn. 2068 Ja zu 2063 Nein. Gerade mal fünf Stimmen machen den Unterschied. So viele Stimmen, wie zum Beispiel die Kreuzlinger Stadträte haben. Für die Exekutive ist es ein Erfolg, aber keiner, auf dem sie sich ausruhen können. Wenige Tage nach der Abstimmung wird das Misstrauen bereits offiziell. Der lauteste Gegner legt Rekurs ein, man habe falsch gezählt. Doch der Kanton bestätigt das Ergebnis.