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Er wollte nur seinem Freund helfen

Der IV-Rentner von Kümmertshausen musste sterben, weil er den falschen Leuten mit der Polizei gedroht hat. Vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen wird der erste Beschuldigte wegen Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Tötung verurteilt. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Ida Sandl
Tatort Kümmertshausen: Das Haus des IV-Rentners war nach seinem gewaltsamen Tod von der Polizei abgesperrt. (Archivbild: Reto Martin)

Tatort Kümmertshausen: Das Haus des IV-Rentners war nach seinem gewaltsamen Tod von der Polizei abgesperrt. (Archivbild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Diese Geschichte handelt von einer kriminellen Bande, die sich mit Drogenhandel, Erpressung und als Menschenschleuser ihr Geld verdient. Der IV-Rentner von Kümmertshausen hat sich mit ihr angelegt. Deshalb musste er sterben.

Die erste Verhandlung zu diesem Tötungsdelikt fand gestern vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen statt. Angeklagt war ein 36jähriger Türke. Der Mann war an der Tat selber nicht beteiligt. Aber er war anwesend und hat nicht versucht, das Opfer zu retten. Er wurde wegen Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Tötung verurteilt. Die Strafe: fünf Jahre Haft.

Neben dem Verurteilten gibt es sechs weitere Verdächtige. Vier sitzen in der Schweiz und in Deutschland in Haft und warten auf ihren Prozess. Verhandelt wird ebenfalls in Kreuzlingen. Termine stehen noch nicht fest. Ein Mann ist in der Türkei im Gefängnis, ein Kurde befindet sich noch auf freiem Fuss.

Gefährliche Geschäfte

Der Tod des IV-Rentners am 20. November 2010 galt lange als rätselhaft. Ein Mann, bei dem es nichts zu holen gibt, wird geknebelt und erstickt aufgefunden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen ergeben nun folgendes Bild: Es beginnt mit der Freundschaft zwischen dem 53jährigen IV-Rentner und einem Türken aus Amriswil. Der Türke ist für die Bande als Menschenschleuser tätig. Er fährt Autos nach Griechenland, übergibt sie dort anderen Schleusern oder fährt sie mit Menschen beladen zurück in die Schweiz. Ende Mai 2010 wird er in Griechenland verhaftet.

Der IV-Rentner will seinem Freund helfen. Es kommt zum Deal: Er lagert bei sich in Kümmertshausen 2,5 Kilo Heroin, im Gegenzug verspricht der Kopf der Bande – er ist ebenfalls angeklagt –, dem Freund einen Anwalt zu besorgen und die Familie zu unterstützen. Doch nichts passiert. Der IV-Rentner droht, die Polizei einzuschalten. Er will das Heroin nicht herausgeben, wenn nicht 30 000 Franken an die Familie des inhaftierten Freundes fliessen.

17. November 2010: Drei Tage vor dem Tod. Der Kopf der Bande und drei Begleiter kreuzen beim IV-Rentner auf. Sie wollen ihn vom Gang zur Polizei abbringen. Er hört nicht auf sie. Der Kopf der Bande soll daraufhin den Befehl gegeben haben: «Bringt ihn zum Schweigen.»

19. November 2010: Der Tag vor dem Tod. Drei Männer fahren nach Kümmertshausen. Sie klingeln beim IV-Rentner, winken mit Geldnoten, tun so, als wollten sie Marihuana kaufen. Er habe keins, sagt der Mann. Sie sollen morgen wiederkommen. Zwei der Männer wollen mit Gewalt ins Haus, der gestern verurteilte Türke geht dazwischen. Das Trio zieht unverrichteter Dinge ab.

40 000 Franken und weg

20. November 2010: «Kommt nicht zurück, bevor ihr es nicht erledigt habt.» Mit diesem Auftrag fahren vier Männer abermals nach Kümmertshausen. Der Kopf der Bande folgt ihnen mit zwei Begleitern in einem anderen Auto. Diesmal will er sichergehen, dass sein Befehl ausgeführt wird.

Die Männer geben sich erneut als Marihuana-Käufer aus. Als der IV-Rentner den Stoff bringt, gehen zwei auf ihn los. Der eine wirft ihm eine Jacke über den Kopf, der andere stösst ihn zu Boden. Sie stopfen ihm eine Kapuze in den Mund, er verliert das Bewusstsein. Die Männer fesseln den Bewusstlosen an Händen und Füssen. In der Anklageschrift heisst es: «So stellten die Beschuldigten sicher, dass er ganz sicher verstirbt.» Mit dem Heroin und einer Geldkassette verschwinden sie.

Hinter dem Silberturm in St. Gallen bekommt einer der Täter, ein Kurde, 40 000 Franken als Lohn dafür, «dass er die ganze Schuld auf sich nimmt und sich ins Ausland absetzt», steht in der Anklageschrift. Der Mann ist noch immer flüchtig.

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