Er will Platzhirsch werden

ROMANSHORN. Die Besitzer des «Inseli» wollen dem Hotel neues Leben einhauchen. Verwaltungsratspräsident Roland Hugentobler redet über die Realisierbarkeit der Visionen, die Reaktionen der Bevölkerung und die Expo 2027.

Michèle Vaterlaus
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Roland Hugentobler, Verwaltungsratspräsident des Hotels Inseli. (Bild: pd)

Roland Hugentobler, Verwaltungsratspräsident des Hotels Inseli. (Bild: pd)

Sie haben an einem Informationsanlass zwei Visionen für die Erweiterung des Hotels Inseli vorgestellt. Zum einen eine Erweiterung gegen Westen, zum anderen einen Neubau mit zehn Geschossen. Die erste Version sei bereits mit dem Kanton besprochen. Bei einer Konsultativabstimmung favorisierte die Bevölkerung aber den Neubau. Fassen Sie nun diesen etwas konkreter ins Auge?

Roland Hugentobler: Ich möchte zuerst darauf hinweisen, dass es sich bei beiden Varianten um Projektstudien handelt. Aufgrund der Reaktion der Bevölkerung wie auch der Meinung der Stadtbehörde werden wir die Hochbaute weiterverfolgen. In einem nächsten Schritt müssen wir abklären, ob diese Variante rechtlich möglich ist.

Wie meinen Sie das?

Hugentobler: Wir müssen schauen, was alles möglich ist bezüglich Zone, Höhe und Volumen des Baus. Wir müssen auch die Problematik der Raumplanung angehen und abklären, was für Ausnahmebewilligungen dieser Bau braucht.

In welchem Zeitrahmen wäre denn ein solches Projekt realisierbar?

Hugentobler: Sie meinen politisch? Das kann ich nicht sagen. Wir sind aber mit Leidenschaft dabei. Und ich bin überzeugt, dass es unter dieser Voraussetzung schneller gehen kann.

In welchem Zeitrahmen muss denn das neue Projekt entstehen, damit es sich rentiert?

Hugentobler: Wir sind überzeugt, dass trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds die Chancen für ein überzeugendes Projekt auch wirtschaftlich gesehen gut sind. Doch je schneller der Entscheid, desto besser. Die Region wartet auf ein neues Hotel und braucht gute Angebote. Natürlich brauchen auch wir einen schnellen Entscheid. Je länger dieser auf sich warten lässt, desto schwieriger wird die Überbrückung bis zum Zeitpunkt des Baubeginns. Das Hotel Inseli ist nicht mehr das jüngste. Es stehen einige Erneuerungsinvestitionen an. Bis 2017 haben wir noch einen Vertrag mit dem heutigen Pächter. Es stehen auch Fragen bezüglich der Klassifizierung des Hotels im Raum.

Den vierten Stern haben Sie vor zwei Jahren mit diversen Sanierungen gerettet.

Hugentobler: Ja. Aber das sind jedesmal grössere Investitionen und man muss abwägen, welche Investitionen sich lohnen. Denn, will man einen Neubau machen, dann ist jede Investition in eine Renovation des Altbaus langfristig verloren. Es muss im Interesse von allen sein, dass das Hotel bis zum Entscheid offen bleiben kann. Je länger dies dauert, desto schwieriger wird das.

Die Ausgangslage scheint gut. An der Informationsveranstaltung waren die Reaktionen positiv. Haben Sie noch weitere Feedbacks bekommen?

Hugentobler: Wir haben die Feedbacks, die wir über den Talk bekommen haben und die Gespräche mit den Leuten, die mich ansprechen. Diese zeigen uns, dass die Bevölkerung grundsätzlich positiv eingestellt ist. Das freut uns. Wir wissen aber auch, dass wir in einer heiklen Zone direkt am See agieren. Wir müssen die Stadtbehörde, den Kanton und die Bevölkerung mit unserer Leidenschaft von diesem Leuchtturmprojekt überzeugen können. Wichtig erscheint mir, dass man die architektonischen Fragen als Teil eines Ganzen sieht.

Was meinen Sie dann?

Hugentobler: Natürlich hat die Architektur als sichtbares Zeichen einer Idee immer einen eminent hohen Stellenwert. Die Architektur ist die Verpackung unserer Visionen, sie ist Teil eines Businessprojekts. Die architektonische Hülle ist die sichtbare Botschaft der Positionierung des Hotels. Wie gesagt, wir sind uns bewusst, dass wir mit dem Standort sorgfältig umgehen müssen. Die bis anhin gezeigten Projektstudien stellen eine grobe Visualisierung dar und haben noch keinen Anspruch auf definitive Gestaltung.

Eine Votantin hat an der Informationsveranstaltung vorgeschlagen, dass die Hotel Schloss AG mit dem Investor Hermann Hess zusammenarbeiten könnte, der ebenfalls ein Hotel in Romanshorn bauen will. Wäre das eine Option?

Hugentobler: Wir verschliessen uns nicht für eine Zusammenarbeit. Wir kennen das Projekt von Hermann Hess. Ob eine Zusammenarbeit möglich wäre, kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht beurteilen, weil keine Gespräche diesbezüglich erfolgt sind. Aus der Sicht von Romanshorn ist es doch einfach wichtig, dass ein Hotel in der Stadt entsteht.

Warum?

Hugentobler: 2027 ist die Expo Bodensee-Ostschweiz in Planung. Eine Riesenchance für die Region die man nicht verpassen sollte. Wir können unsere Region von der schönsten Seite präsentieren. Für diesen Event braucht es sicherlich gute Übernachtungsmöglichkeiten. Die Zeit drängt jedoch. So wie ich weiss, muss die Machbarkeitsstudie bis 2017 vorliegen. Natürlich baut man ein Hotel nicht nur für einen solchen Event, aber er ist ein gutes Schaufenster, um ein Angebot einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Wir sind der Meinung, dass es im Moment keinen Platzhirsch im Oberthurgau gibt.

Das wollen Sie werden, der Platzhirsch?

Hugentobler: Ja.

Welche Variante bevorzugen eigentlich Sie: Erweiterung oder Hochhaus?

Hugentobler: (lacht) Das ist eine schwierige Frage. Es braucht die beste Lösung und da entscheidet die Bevölkerung mit. Wenn sie ein Hochhaus will, dann begeistere ich mich dafür. Die andere Variante hätte gemäss Experten städtebaulich sehr gut gepasst, die höhere nimmt weniger Land und weniger Sicht weg. Hauptsache ist, dass man eine der Varianten realisieren kann.