Er will auf den Pop-Olymp

Der Kreuzlinger Gitarrist Andreas Knoblich hat einen Olympia-Song komponiert. Auf Einladung des deutschen Generalkonsuls darf der Musiker sein Lied vor Ort mehrfach präsentieren. Er hofft, damit in den Charts zu landen.

Martina Eggenberger Lenz
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Andreas Knoblich spielt im Saal der Jugendmusik Kreuzlingen Gitarre. (Bild: Andrea Stalder)

Andreas Knoblich spielt im Saal der Jugendmusik Kreuzlingen Gitarre. (Bild: Andrea Stalder)

KREUZLINGEN. Andreas Knoblich hat in seinem Leben schon viele Melodien geschrieben. Vor allem Gitarrenmusik, unter anderem für Lehrbücher. Jetzt hat er sich erstmals an einen Popsong gewagt – und dieser ist gleich zu Höherem bestimmt: «Song for Rio: The fire is burning again» ist eine Olympia-Hymne, die gross rauskommen soll, so hofft der Erfinder. Und die Chancen stehen gut.

Andreas Knoblich darf sein Stück während der Olympischen Spiele in Brasilien mehrfach vor viel Publikum performen. Ausserdem ist die ARD interessiert am Lied, zur Untermalung der Bilder des Tages. Im März vor einem Jahr, als ihm die Melodie einfiel, war das nicht absehbar.

Bossa Nova ist sein Ding

«Ich habe immer davon geträumt, einmal einen Olympia-Song zu komponieren», sagt der Musiklehrer, der an der Kanti Frauenfeld und bei der Jugendmusikschule Kreuzlingen unterrichtet. Er findet es schön, dass diese Art Lieder nachwirken, zeitlos gute Melodien sind. Als Beispiel nennt er «One moment in time» von Whitney Houston. Als Andreas Knoblich erfahren hatte, dass Rio Austragungsort der Sommerspiele sein wird, war ihm klar, dass das seine Chance ist.

Der Gitarrist ist mit der Stadt, welche die Wiege des Bossa Nova ist, sehr verbunden. Er hat Rio mehrfach besucht und sich hier auf seinem Spezialgebiet weitergebildet. Der gebürtige Deutsche kennt die musikalische Mentalität der Brasilianer, die tiefgründigere, stillere jenseits des knalligen Samba.

Ein Mädchen ist die Sängerin

«Ich wollte einen Song machen, der den Brasilianern gefällt, aber auf der ganzen Welt seine Gültigkeit hat», sagt der Berufsmusiker. Der «Song for Rio» enthält Bossa-Nova-Elemente, ist aber absolut Mainstream-tauglich. Gesungen wird das Lied von der Zwölfjährigen Zoe, einer Schülerin aus Uster. Sie war letztes Jahr Finalistin in der Fernsehshow «The Voice Kids». «Eine meiner Schülerinnen hat mir diesen Kontakt vermittelt», erzählt der Komponist. Er sei zugegebenermassen skeptisch gewesen, aber beim ersten Treffen habe Zoe ihn «umgehauen». Sängerin und Song hätten sofort eine Einheit gebildet. «Das war echt ein Glück.» Über mehrere Wochen haben die beiden zusammen geprobt. Letzten Winter ging es dann ins Tonstudio nach München. Die ursprüngliche Textversion wurde verworfen und ein professioneller Songschreiber engagiert. Auch für die Aufnahmen hat sich Knoblich versierte Unterstützung mit ins Boot geholt. Im Studio mit dabei waren Musiker von der berühmten Jazzband Passport.

Projekt kostet Nerven

Doch mit der gelungenen Aufnahme war der Komponist nicht zufrieden. Ein Video musste her. Gedreht wurde in einem Palmenhaus, damit es möglichst brasilianisch aussieht – und natürlich wieder mit Profis. Andreas Knoblich hat schon einiges in sein Herzensprojekt investiert; Geld, Zeit und Nerven. Letztere hat er vor allem während der vergangenen Wochen gebraucht, als es darum ging, den Song bei den Plattenlabels und Fernsehstationen beliebt zu machen. «Das Popgeschäft ist wirklich kein einfaches», betont der Kreuzlinger. «Man muss unendlich viele Klinken putzen.»

Besser lief es im Kontakt mit dem deutschen Generalkonsul in Rio, dem das Lied sofort gefiel und der es für diverse offizielle Festivitäten buchte. Am 3. August reist Knoblich deshalb mit allen Musikern nach Brasilien.

Viele Auftritte vor viel Publikum – das lässt Andreas Knoblich hoffen. Der Komponist sagt zum Schluss: «Wir sind schon sehr weit gekommen. Ja, jetzt träume ich natürlich davon, dass Millionen unser Lied hören und der Song in den Charts landet.»

Der Song «The Fire's Burning Again» ist auf YouTube zu sehen und online erhältlich im iTunes Store.