Er suchte ein sinnvolles Hobby

Die Stadt Kreuzlingen will in diesem Jahr Freiwilligenarbeit wie jene von Walter Grüning speziell fördern: Mit einer Internetplattform, mehr Medienpräsenz und einem grossen Festanlass im Sommer.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen

kreuzlingen. Walter Grüning parkiert seinen Bus vor dem Eingang des Altersheims Abendfrieden. Er steigt aus und macht das Fahrzeug des Vereins für Behinderten-Busse für den Transport parat. Grünings Job heute: Er fährt Corina Fischer, die an den Rollstuhl gebunden ist, nach Hause. Seit zwei Jahren ist der Rentner ehrenamtlich für den Verein unterwegs. «Eigentlich war ich einfach auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung», sagt Grüning. Auf die Behindertenbusse sei er gekommen, weil er sie des öfteren in der Stadt wahrgenommen habe.

«Ich werde auch älter, und bin vielleicht selbst einmal froh um dieses Angebot.»

Online Helfer finden

Der pensionierte Sozialpädagoge, der zuletzt in der Arbeitserziehungsanstalt Kalchrain tätig war, übernimmt im Schnitt einmal wöchentlich eine Tour. «Der Einsatz bereitet mir Freude. Die meisten Fahrgäste sind Stammkunden, das gibt einen persönlichen Kontakt.»

Menschen, die einen Teil ihrer Zeit für andere opfern, gibt es – und doch weiss man wenig über sie. Die Ehrenamtlichen hängen ihr Engagement nicht an die grosse Glocke. Stadträtin Dorena Raggenbass will im europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit in der Stadt einiges bewegen. Konkret geplant ist eine Internetplattform mit einer Art Freiwilligen-Stellenbörse allein für die Region Kreuzlingen.

Auf dieser sollen Freiwillige, die ein Angebot zur Verfügung stellen wollen, und Suchende, die Hilfe brauchen, zusammengebracht werden. Ein Pendant zur Online-Variante soll in den Printmedien erscheinen. Raggenbass schwebt vor, eine Vermittlungsstelle ins Leben zu rufen, die ebenfalls von Freiwilligen besetzt werden soll. «Ziel ist, dass wir im Sommer starten können.»

Koordination fehlt

Weiter will die Stadträtin mit mehr Medienpräsenz auf das Thema Freiwilligenarbeit aufmerksam machen und Menschen in den Vordergrund rücken, die sich für die Allgemeinheit engagieren. Als besonderes Dankeschön an die Freiwilligen soll diesen Sommer ausserdem ein «Anerkennungsanlass» stattfinden. 200 bis 300 Personen dürfen daran teilnehmen, initiative Einzelpersonen oder auch Delegationen von Vereinen. Das genaue Datum ist noch nicht bekannt.

Die Internetplattform und die Vermittlungsstelle sind vorerst als dreijähriger Versuch gedacht. Dann werde Bilanz gezogen, so Dorena Raggenbass. Bei der Erarbeitung des Alterskonzeptes wurde das Thema Freiwilligenarbeit besonders hervorgehoben «Es ist notwendig, dass wir einmal aufzeigen, was es an Freiwilligenarbeit überhaupt gibt.» Es passiere manchmal sogar, dass Personen, die sich einsetzen wollten, bei der Stadtverwaltung anrufen, erzählt die Stadträtin.

Eine Erhebung darüber, wie viel ehrenamtliche Arbeit – insbesondere von den Vereinen – in Kreuzlingen geleistet wird, ist von der Universität Konstanz in Erarbeitung.

Schwierige Nachwuchssuche

Dass es nicht einfach ist, freiwillige Helfer zu finden, weiss Irene Eberle. Die Präsidentin des gemeinnützigen Frauenvereins Kreuzlingen hat die Erfahrung gemacht, dass viele vor unentgeltlicher Arbeit zurückschrecken. Daher begrüsst sie ein stärkeres Engagement der Stadt.

«Viele unserer Frauen sind über 80 Jahre alt, wir finden kaum Nachwuchs», so Irene Eberle. Alle vierzehn Tage treffen sich ein Dutzend Mitglieder im Kirchgemeindehaus zum Stricken, Nähen und Basteln. Die so hergestellten Produkte werden an Märkten verkauft. Das Geld wird gespendet. Zum Beispiel verteilen die Frauen für gut 3000 Franken Weihnachtsgeschenke.