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Er sanierte die Finanzen von Kesswil

Zum Gedenken

Zwischen Weihnachten und Neujahr nahm eine grosse Trauergemeinde Abschied vom ehemaligen Gemeindeammann Walter Thurnheer, der im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Sein langes Leben war geprägt von Arbeit und unermüdlichem Einsatz für das Wohl seiner Familie und seiner Mitmenschen.

Als jüngstes von fünf Kindern einer Wegmacherfamilie im Appenzeller Vorderland erlebte er die Krisenzeit der Dreissigerjahre und den Zweiten Weltkrieg. Obwohl schulisch begabt, war kein Geld vorhanden für ein Studium. Er machte eine Lehre als Drechsler in Berneck und gründete im Erdgeschoss des Elternhauses eine Firma für Holzwarenproduktion. Fast Tag und Nacht waren er und seine Frau Bethli mit der Produktion von Holzwaren beschäftigt. Jeder hart verdiente Franken wurde in die Erweiterung des Geschäftes gesteckt. Den harten Alltag vergassen die beiden passionierten Tänzer im alten Kursaal von Heiden.

Die beiden Söhne Rico und Andreas sahen den Vater eher selten, sechseinhalb Tage in der Woche war er in der Firma tätig. Das Geschäft boomte, in den Sechzigerjahren wurden sechs Angestellte beschäftigt. Später mussten auch die Söhne in der Firma mithelfen: «Von nichts kommt nichts», war sein Motto. Für die Ausbildung seiner Söhne war ihm aber dann gar nichts zu schade. Halbe Sachen oder nicht bestandene Prüfungen gab es in seinem Vokabular nicht. Für das seelische Wohl war die Mutter zuständig. In den Siebzigerjahren erkannte er, dass die Massenproduktion von Holz in der Schweiz keine Zukunft mehr hatte. Bewusst verkleinerte er seinen Betrieb, wich auf teure Nischenprodukte aus und baute ein Wohnhaus und eine Firma auf in Kesswil.

Im Alter von 56 Jahren wurde er 1983 zum Gemeindeammann von Kesswil gewählt. Während zwei Amtsperioden gelang es ihm, dank grosser Erfahrung und dank seines Geschäftssinnes, Kesswils Finanzen zu sanieren. Der Steuerfuss lag damals bei 90 Prozent (heute 50 Prozent). Bewusst nahm der Gemeinderat unter seiner Führung den Finanzausgleich in Anspruch. Mit gutem Beispiel ging Thurnheer voran und betreute die beiden Ressorts Finanzen und Bauwesen zu einem minimalen Lohn. Um Kosten sparen zu können, wurde ein neuer Vertrag mit den ARA-Vertragsgemeinden ausgehandelt. Das Angebot für alle Turner und das Defizit an Zivilschutzplätzen konnte mit dem Bau der Mehrzweckhalle markant verbessert werden. Und um günstiges Bauland anbieten zu können, kaufte die Gemeinde das Gebiet des «Schlossgartens». Trotz hoher Widerstände wurden die letzten Ferienhäuser am See an die Kanalisation angeschlossen und gleichzeitig die ganze Ortsplanung überarbeitet. Wenn er das Recht der Allgemeinheit auf seiner Seite wusste, nahm er nur wenig Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. Dank einer Schenkung erhielt die Gemeinde am Ende seiner zweiten Amtsperiode sogar noch eine Liegenschaft im Oberdorf, die renoviert und teilweise zu einem Kesswiler «Bauamt» ausgebaut wurde.

Nach seiner Pensionierung zog sich Walter Thurnheer wieder in seine Firma zurück und produzierte zusammen mit seiner Frau Lisbeth weiterhin Pfeffermühlen und Möbelteile für Schreiner aus der Umgebung. Vor zehn Jahren zog er sich immer mehr aus dem aktiven Leben zurück, machte aber täglich Spaziergänge mit seiner Frau oder freute sich an einem Jass. Leider wurde er immer mehr von einer diffusen Krankheit erfasst. Seine lange Reise in die Nacht der Alzheimerkrankheit hatte begonnen. Seine Frau pflegte ihn aufopfernd und beispielhaft. Nach einer schweren Infektion im Spital Münsterlingen wurde er ins Pflegeheim Amriswil eingewiesen und fand dort eine Art seelischen Frieden, bevor er am 18. Dezember im Beisein seiner Frau für immer einschlief.

Kesswil hat Gemeindeammann Walter Thurnheer viel zu verdanken. Hannes Stricker

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