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Er muss kühlen Kopf bewahren

Vor sechs Jahren packte Jonas Langenegger das Flugfieber. Heute gehört der 21jährige Segelflieger aus Schweizersholz zu den grössten Talenten in der nationalen Kunstflugszene. An den diesjährigen Weltmeisterschaften gewann er in der Kategorie «Advanced» gleich vier Medaillen.
Christof Lampart

SCHWEIZERSHOLZ. Wer nicht gern tüftelt, ist beim Segelfliegen fehl am Platz. Doch Jonas Langenegger wollte schon immer nicht nur wissen, warum etwas funktioniert, sondern auch, wie man etwas besser machen könnte. «Besser geht immer!» – das könnte das unausgesprochene Motto des 21jährigen gelernten Konstrukteurs sein, der im dritten Semester in Winterthur Maschinenbau studiert.

Das nächste Ziel vor Augen

Der Drang, etwas herausfinden zu wollen, der unzweifelhaft an den Wunsch nach Perfektion gekoppelt ist, treibt den sympathischen jungen Mann aus Schweizersholz an, wenn es darum geht, im Segelfliegen weiter zu kommen. Denn so gut sich die Bilanz von einer Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen, die er Mitte August im tschechischen Zbraslavice gewann, auch liest – die absolute Weltspitze hat er noch nicht erreicht. Denn seine Kategorie ist noch jene der «Fortgeschrittenen».

In zwei Jahren will Langenegger dann so weit sein, dass er in der höchsten Kategorie, der «Unlimited», starten kann. Dort, wo sich die Besten der Besten messen, wenn es darum geht, möglichst lange Strecken zu fliegen oder waghalsige Kunststücke in einem Luftwürfel von einem Kilometer zu vollführen.

Mit Modellbau begonnen

Das Fliegen faszinierte Jonas Langenegger schon immer. Als Teenager baute er begeistert Segelflugmodelle, und als er an der Wega die in Amlikon-Bissegg beheimatete Segelfluggruppe Cumulus kennenlernte, war er im Nu Feuer und Flamme. Im August 2009 stand für ihn fest, dass er die Kunst des Segelfliegens unbedingt erlernen wollte. Allerdings war das Ganze auch eine Kostenfrage, denn als Lernender verfügt man nicht über ein üppiges Budget. Dennoch entschied sich der Teenager für die Ausbildung – und hat seinen Entscheid nie bereut. Die Segelflugsaison dauert in der Regel von Ende März bis Mitte Oktober, und Jonas Langenegger nutzt diese Zeit weidlich: «Ich bin dann praktisch jedes Wochenende am Start.» Selbst ein tragisches Unglück wie der tödliche Absturz seines Wuppenauer Freundes Philipp Herren an der diesjährigen Junioren-Schweizer-Meisterschaft im Segelfliegen hinderte ihn nicht daran, am Tag darauf wieder abzuheben. «Als das passierte, ist danach gut ein Drittel aller Starter am Boden geblieben. Ich hingegen startete, da ich in Gesprächen mit Kollegen schnell einmal gemerkt hatte, dass das Unglück wohl leider die Folge eines fatalen Pilotenfehlers gewesen sein musste.»

Jonas Langenegger setzt sich vor jedem Wettkampf immer eine Grenze, eine rote Linie, die «ich auf keinen Fall überschreite, selbst, wenn ich dadurch einen schlechten Wettkampf abliefere». Gerade in der scheinbaren Grenzenlosigkeit des Himmels und dem fortwährenden Gelingen der Manöver sei es oft schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren, denn im Flugrausch bestehe durchaus die Gefahr, «dass man die Grenzen ein bisschen nach oben verschiebt, um einen noch perfekteren Flug hinzulegen», weiss Langenegger.

Wechsel zum Kunstflug

Dies gilt für ihn umso mehr, als er im Jahr 2012 damit begonnen hat, seine Aktivitäten vom Streckenfliegen zum Kunstfliegen zu verlagern. Für beides braucht es komplett andere Anforderungen: «Beim Streckenfliegen, das vier Stunden dauern kann, geht es viel mehr ums Taktische während des Fluges, während beim Kunstfliegen schon das Mentale auf dem Boden entscheidend ist», erzählt der Schweizersholzer. Denn er müsse sich vor seinem geistigen Auge genau vorstellen können, wie er in vier Minuten die Figuren fliegt, zumal der «Raum» sehr knapp bemessen sei.

Dies ist umso schwieriger, wenn er eine von der Jury vorgegebene Figur selbst noch gar nie geflogen ist. Immerhin liegen zwischen der Programmbekanntgabe in der Kategorie «Unknowns» (Unbekannte) und dem Start zwölf Stunden, so dass man im besten Fall das Element noch in einer Art Schnellbleiche üben beziehungsweise sich anhand vorliegender Skizzen zumindest einprägen kann.

Was fasziniert Langenegger so am Kunstflug? «Es kommt vieles zusammen. Denn es gilt, in drei bis vier Minuten mental total fit zu sein und ein Optimum an Präzision aus dem Flieger herauszuholen.» Auch Laien können dies nachvollziehen. «Meine Passagiere finden das Fliegen zwar an sich toll, aber am meisten fasziniert sind sie vom Looping.»

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