Er ist stolz auf seinen Urahn

BÜRGLEN. Kaum eine Familie hat die wirtschaftliche Entwicklung von Bürglen so geprägt wie die Böhis. Der 90jährige Hans Ulrich Böhi gibt jetzt ein Buch über den Begründer der Dynastie heraus.

Esther Simon
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Der 90jährige Hans Ulrich Böhi mit der Buchhaltung seines Vorfahren Hans Ulrich Häberlin in seinem Büro im alten Elektrizitätswerk an der Industriestrasse in Bürglen. (Bild: Nana do Carmo)

Der 90jährige Hans Ulrich Böhi mit der Buchhaltung seines Vorfahren Hans Ulrich Häberlin in seinem Büro im alten Elektrizitätswerk an der Industriestrasse in Bürglen. (Bild: Nana do Carmo)

Der Bauer Johann Ulrich Häberlin war ein schlauer Geschäftsmann. 1751 in Opfershofen geboren, war er offenbar schon in jungen Jahren ein geschickter Geldausleiher. Zuweilen gleichzeitig über hundert Kunden soll er Geld gegeben haben, jeweils zu fünf Prozent. 1806 jedenfalls war Häberlin schon so reich, dass er den St. Gallern die Bürgler Mühle abkaufen konnte. Damit legte Häberlin den Grundstein für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes.

Nicht ohne die Schwestern

Doch war das Geldausleihen der einzige Grund für den Reichtum? Wie dieser Häberlin ein erfolgreicher Geschäftsmann wurde, das hat den heute 90jährigen Hans Ulrich Böhi schon immer interessiert. Böhi ist Verwaltungsratspräsident der Elektrizitätswerk Bürglen AG und ein direkter Nachkomme Häberlins. Weil Häberlin vor 250 Jahren mit der Aufzeichnung seiner Tätigkeit begonnen hatte und die Bücher weitgehend noch immer erhalten sind, kniete sich Hans Ulrich Böhi in die Arbeit. Wie lange er recherchiert hat, weiss er nicht mehr. Viele Jahre jedenfalls. Vielleicht zwanzig? «Ohne die Hilfe meiner Schwester Annemarie wäre es jedenfalls nicht gegangen. Sie schrieb von Häberlins Büchern alles ab und rechnete die Batzen, Kreuzer und Heller in das Dezimalsystem um. Manchmal hat auch meine Schwester Verena geholfen. Das war ja eine riesige Arbeit.»

Als die Unterlagen beisammen waren, dachte Böhi, «dass zu den Zahlen und Ziffern jetzt auch die Buchstaben kommen müssen». Die Idee eines Buches war geboren. Es trägt den Titel «Disses Rechenbuch gehörth mir H(an)s Ulrich Häberling zu Opfershoffen». Häberlin nannte sich zeitweise Häberling.

Häberlin schrieb zunächst nur seine Einnahmen und Ausgaben auf, später kamen dann Kolonnen mit Soll und Haben. Böhi: «Er hat sich selber dauernd verbessert.»

Wuhrpflicht an der Thur

Der Autor schmunzelt. Häberlin hat tatsächlich das Buch «Die Kunst, in drei Stunden ein Buchhalter zu werden» gelesen. Die Schrift ist 1805 in Berlin erschienen. «Offenbar nach dieser Lektüre machte Häberlin einen monatlichen Abschluss. Damit war er seiner Zeit weit voraus.»

In seinen ersten Büchern schreibt Häberlin ein wenig über das Leben in Opfershofen, über die Gemeindeversammlungen, die ein paar Bauern besuchten, weil sie Brot und Wein bekamen, was sie sich sonst nicht hätten leisten können. Hans Ulrich Böhi vermutet, dass Häberlin ein bescheidenes Leben führte. Er war mit der Weinfelderin Susanna Haffter verheiratet und Vater von fünf Kindern, von denen eines früh verstarb. Offensichtlich war er ein vorsichtiger und sparsamer Mann. Mit dem Kauf der Mühle in Bürglen hatte er sich allerdings auch die Wuhrpflicht an der Thur aufgehalst. «Die Weinfelder erhoben Einsprache. Die fürchteten, ihr Dorf werde überschwemmt, wenn der Häberlin in Bürglen wirke.» Doch Häberlins Schuld war es sicher nicht, als die Thur kam. Böhi ist stolz auf seinen Vorfahren. «Er hat in den schwierigen Zeiten des politischen Umbruchs etwas gemacht und vieles bewirkt.» Das reich bebilderte, 85seitige Buch hat die Wolfau-Druckerei in Weinfelden gedruckt. In einer internen Vernissage stellt es die Familie Böhi am 7. Mai vor – im Mühlen-Foyer in Bürglen.

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