Er fängt die Augenblicke ein

Die Löwenarena in Sommeri zeigt derzeit 18 Ölbilder von Willi Oertig. Für den Kradolfer Kunstmaler schliesst sich damit ein Kreis. Vor 23 Jahren stellte er hier zum ersten Mal im Kanton Thurgau aus.

Georg Stelzner
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Willi Oertig stellt in der Löwenarena in Sommeri aus; hier sitzt der Kunstmaler vor einem Gemälde, das den Hafen von Staad zeigt. (Bild: Reto Martin)

Willi Oertig stellt in der Löwenarena in Sommeri aus; hier sitzt der Kunstmaler vor einem Gemälde, das den Hafen von Staad zeigt. (Bild: Reto Martin)

SOMMERI. Mit seinen Bildern hat Willi Oertig landesweiten Ruhm erlangt. Der 68-Jährige ist es gewohnt, in renommierten Galerien auszustellen und im Feuilleton nationaler Gazetten Erwähnung zu finden. Nichtsdestotrotz geniesst es Oertig, seine Werke immer wieder auch in der Provinz zu zeigen. So wie gerade jetzt in Sommeri. «Man darf sich dazu nicht zu schade sein», sagt Oertig. «Ich stelle am liebsten dort aus, wo viele Leute verkehren, und das ist in dieser Genossenschaftsbeiz der Fall.»

Die Fotografie als Vorlage

Die bis 17. Januar dauernde Ausstellung trägt den Titel «Unterwegs». Völlig zu Recht, wie auf den ersten Blick zu erkennen ist. Oertig ist selber oft auf Achse und hat dabei seinen analogen Fotoapparat stets zur Hand. Findet er etwas interessant, drückt er spontan auf den Auslöser und haucht dem fotografisch Eingefangenen zu Hause auf der Leinwand neues Leben ein. Für die Ausstellung in Sommeri hat Oertig Bilder ausgewählt, die typisch für sein aktuelles Schaffen sind.

So ist das Thema Eisenbahn in Gestalt von Lokomotiven und Bahnhöfen ein häufiges Sujet, aber auch der nahe Bodensee. «Es sind Gemälde, die meinem Gefühl nach gut hierher passen», erklärt der Autodidakt Oertig, der seinen Lebensunterhalt seit 44 Jahren mit der Malerei verdient. Als Künstler mag sich Oertig, der auch gerne Fussballer oder Rockgitarrist geworden wäre, jedoch bis heute nicht bezeichnen. Als Vorbild dient ihm vielmehr der wagemutige, tapfere Kämpfer indianischen Zuschnitts. «Wenn ich an einem Bild arbeite, dann muss ich alles geben», sagt Oertig im Brustton der Überzeugung. Sich nicht mit ganzen Kräften einzusetzen und mit Herzblut bei der Sache zu sein, ist für ihn schlichtweg nicht vorstellbar. «Ich habe doch nur dieses eine Leben, und diese Chance möchte ich nutzen.»

Absenz von Lebewesen

Oertig erachtet den Instinkt als eigentliche Triebfeder seines künstlerischen Wirkens. Das zu erklären sei freilich schwierig, räumt er ein. Und so zieht Oertig den Vergleich mit einem begnadeten Kicker heran, der stets am richtigen Ort auftauche, um ein Tor zu erzielen. Weshalb das so ist, wisse auch niemand.

Die Faszination von Oertigs Bildern erschliesst sich dem Betrachter nicht auf Anhieb. Die Werke sind – im übertragenen Sinn – tiefgründig. Es bedarf der Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen und in den auffällig unaufgeregten Augenblick einzutauchen, den der Maler mit stupender Präzision eingefangen hat. Menschen und Tiere fehlen auf Oertigs Bildern. «Lebewesen würden nur vom Wesentlichen ablenken», argumentiert er.

Bilderausstellung im «Löwen», Hauptstrasse 23, Sommeri; Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, jeweils ab 11.30 Uhr.

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