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Er beschwört alte Zeiten herauf

Die Stadt Amriswil verleiht Robert Sallmann den Anerkennungspreis. In privater Initiative hat der ehemalige Textilunternehmer die grösste Kutschensammlung der Schweiz aufgebaut. Er freut sich über die späte Anerkennung.
Rita Kohn

AMRISWIL. Es ist eine Reise in frühere Jahrhunderte, zu der Robert Sallmann einlädt. Der Amriswiler pflegt eine ungewöhnliche Leidenschaft: Er sammelt Kutschen. Und das seit über 60 Jahren. Mit einem Postwagen habe er begonnen, sagt Sallmann. Es war ein bewusster Entscheid, fortan Kutschen zu sammeln, den der Textilunternehmer Anfang der 50er-Jahre getroffen hatte.

Heute stehen in der Kutschensammlung am Kutschenweg über 80 Exponate, dazu mehr als 1000 Bücher und viele andere Gegenstände, die mit den Kutschen zu tun haben. Es ist die grösste Sammlung in der Schweiz. Viel Herzblut hat der 91jährige Robert Sallmann hineingesteckt. Und damit etwas Ausserordentliches geschaffen.

Zu jedem Wagen eine Geschichte

Es sind nicht einfach Ausstellungsstücke, die die Besucher der Kutschensammlung zu sehen bekommen. Es sind Wagen und Schlitten mit Geschichte. Robert Sallmann sagt, dass er zu jedem einzelnen Stück eine Geschichte zu erzählen hat. Dabei leuchten seine Augen. Mit ausholender Geste weist er auf den ersten Saal: «Hier stehen alles Kutschen und Schlitten, die einst meiner Familie gehörten.» Dragoner seien seine Vorfahren gewesen, verrät der Sammler. Und bei einem besonders schönen Gefährt angekommen, meint er mit einem Lächeln: «Ich wünschte mir, mit einer meiner hübschen Enkelinnen an der Seite damit nochmals ausfahren zu können.»

Beim Gang durch die Ausstellung wir klar: Hier steht geballt ein Kapitel der Fortbewegung in der Schweiz. Robert Sallmann weist auf einige Besonderheiten hin, die dem ungeübten Auge verborgen geblieben wären. Dank seiner lebendigen Art, die Details zu erklären und die Zeit heraufzubeschwören, in denen die Kutschen zum Alltag gehörten, scheint Leben in die Ausstellung zu kommen. Es ist kaum möglich, sich dem Reiz von filigranen Konstruktionen, geschwungenen Holzfronten und liebevoll gefertigten Sattlerarbeiten zu entziehen.

Besondere Beziehung

Zu seinen Kutschen hat der Sammler eine besondere Beziehung. Dennoch hat er kürzlich einige Postwagen an andere Sammler weitergegeben. «Ich weiss, dass man das normalerweise nicht tut», sagt Robert Sallmann. Für ihn war es aber ein richtiger Entscheid. «Die Kutschen sind in guten Händen», sagt er. Er habe die neuen Eigentümer selber ausgesucht. «Die grosse Postkutsche wird jetzt wieder gefahren», sagt er erfreut. Dafür nehme er auch in Kauf, dass der Wert seiner eigenen Sammlung geschrumpft sei.

Zurück ins Napoleonmuseum auf dem Arenenberg ging auch der Kriegstross von Napoleon III, den der Sammler einst von da übernommen hatte. Er hofft, dass er im Museum würdig präsentiert und gut gepflegt wird.

Hilfe aus St. Gallen

Durch die Weitergabe der grossen Wagen gibt es für die anderen Kutschen nun etwas mehr Raum. «So kann man jede Kutsche von allen Seiten genau betrachten», sagt der Sammler und weist um sich. «Sehen sie nicht wunderschön gepflegt aus?» Er habe seit einiger Zeit Hilfe durch einen Fachmann aus St. Gallen, der regelmässig vorbeikomme, um das Lederwerk zu pflegen, und gegen Motten und Holzwürmer kämpfe.

Was später mal mit seiner Sammlung geschehen wird, weiss der 91-Jährige nicht. Er hofft, dass sie zusammen bleibt und die Kutschen nicht zu Spekulationsobjekten werden. Doch seinen drei Kindern wolle er nicht vorschreiben, was sie mit der Kutschensammlung zu tun hätten. Er ist jedoch zuversichtlich, dass sie dereinst mit der Sammlung sorgsam umgehen werden.

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