ENGISHOFEN: Gott ist in die Schule eingezogen

Im kleinen Dorf der Gemeinde Erlen wird es auch in Zukunft eine Privatschule geben. Auf Googolplex folgt die christlich geprägte Creaschule. Ein Dutzend Kinder füllen das Schulhaus seit dieser Woche mit Leben.

Manuel Nagel
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Lehrer Christian Stricker und die Kinder der Creaschule sprechen über die Kick-off-Tage im Toggenburg. (Bild: Manuel Nagel)

Lehrer Christian Stricker und die Kinder der Creaschule sprechen über die Kick-off-Tage im Toggenburg. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Der steht nicht einfach so im Garten», sagt Christian Stricker und zeigt auf den Schülerpult, welches unter einem Baum steht. Der Lehrer der Creaschule schaut aus dem Fenster des Engishofer Schulhauses und bewundert die unverbaubare Lage gegen Süden.

Dabei war erst in der ersten Sommerferienwoche klar, dass die Creaschule von Amriswil nach Engishofen ziehen wird. Er sei am Anfang skeptisch gewesen, so Stricker, denn der Standort Amriswil ist verkehrstechnisch gut erschlossen.

Doch die Skepsis ist mittlerweile gewichen. Zum einen wird Engishofen von der Buslinie Amriswil-Erlen bedient, zum andern ist das Dorf, das zur Gemeinde Erlen gehört, für die Schüler gut mit dem Velo erreichbar. «Crea-Schüler sind bewegte, sportliche Kinder», sagt Stricker und lacht.

Die Vorteile überwiegen

Die Vorteile überwiegen für Christian Stricker und dessen Kollegin Susanne Etter. Sie gründete vor drei Jahren die christlich geprägte Creaschule und fand in den Räumlichkeiten der Chrischona Amriswil Unterschlupf. Deren Mitglied Stricker stieg vor eineinhalb Jahren als Lehrer mit ein, «weil ich die Schule hautnah erleben konnte und von ihr überzeugt bin», wie er sagt.

Glücklich ist auch Anita Gsell vom Förderverein für selbstständiges Lernen, dass nun in Engishofen weiterhin eine Schule besteht. Vor genau zehn Jahren gründete der Verein die Privatschule Googolplex, nachdem der Schulstandort Engishofen aufgehoben worden war. Im letzten Jahr übergab der Verein die Betriebsführung an die Vitalis Lernen GmbH, deren Inhaber jedoch nun aus persönlichen Gründen sich gegen eine Weiterführung der Schule entschieden haben.

«Pädagogisch sind die beiden Schulen ähnlich», findet Gsell, auch wenn Googolplex eine laizistische Schule gewesen ist – also Religion und Schule strikt voneinander getrennt wurden.

Freude am Lernen und Entdecken ist wichtig

«Unser Hauptfokus liegt auf einer vertrauenspädagogischen Schule. Wir wollen aber auch christliche Werte leben», erklärt Christian Stricker. Dies jedoch nicht manipulativ. Dem pflichtet auch Susanne Etter bei. «Die Freude am Lernen und am Entdecken ist uns wichtiger.» Man sei keine ideologisch christliche Schule. «Aber wenn mal ein Kind krank ist, dann kann es auch sein, dass wir für dieses zusammen beten», sagt sie. «Wir stehen dazu, dass diese Werte für uns entscheidend und prägend sind», meint auch Christian Stricker.

Aber die Schule geht offen damit um, die Eltern wissen, was ihre Kinder erwartet. Überhaupt ist die Zusammenarbeit mit den Eltern für die beiden Lehrpersonen zentral – ja sogar erwünscht. Eine Mutter komme aus den USA. Sie werde deshalb in den Englischunterricht eingebunden. Ein Vater wiederum habe Informatikwissen, das er weitergeben könne. Das gebe eine Weite, sagt Stricker. Und es hilft, die Kosten für das Schulgeld niedrig zu halten. Die Preise für eine Privatschule seien sehr moderat.

Zudem haben die zwölf Kinder vom ersten Kindergarten bis zur 5. Klasse und die beiden Lehrpersonen nun ein Schulzimmer ganz für sich allein. Vorher habe man die Räumlichkeiten jeweils am Wochenende leerräumen müssen. Schulbänke waren auf Rollen, das Schulzimmer konnte nicht wie sonst jeweils üblich geschmückt werden. Auch deswegen waren Etter und Stricker auf der Suche nach einem leer stehenden Schulhaus – und sind nun endlich fündig geworden.

Weitere Informationen

www.creaschule.ch