Eltern sind Skipper auf hoher See

Grosses Interesse zeigten 100 Mütter und Väter von Schulkindern der Region Affeltrangen am Vortrag von Peter Welti Cavegn. Der Gesundheitsförderer und Experte für Suchtprävention sprach über Streitkultur und Grenzen setzen.

Werner Lenzin
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Suchtexperte Peter Welti Cavegn erklärt den Eltern bei seinem Vortrag, wie sie die Entwicklung ihrer Kinder begleiten und unterstützen können. (Bild: Werner Lenzin)

Suchtexperte Peter Welti Cavegn erklärt den Eltern bei seinem Vortrag, wie sie die Entwicklung ihrer Kinder begleiten und unterstützen können. (Bild: Werner Lenzin)

AFFELTRANGEN. «Hey Mama, mach die Augen auf, treib mir meine Flausen aus, ich will so gern erwachsen werden und nicht mit 18 sterben.» Mit diesem Song von Sido, einem deutschen Rapper und selbsternannten «super-intelligenten Drogenopfer», leitet Peter Welti Cavegn seine Ausführungen ein. Welti ist Fachexperte Gesundheitsförderung und Suchtprävention bei der Perspektive Thurgau und weist in seinem Referat mit Blick auf das Setzen von Grenzen darauf hin, dass nicht nur das Verhalten, sondern auch die soziale Komponente ein wichtiges Thema sei.

Laut Peter Welti hat die Häufigkeit und Intensität des Alkoholkonsums von Jugendlichen zugenommen, das Rauchen pendelte sich auf einem hohen Niveau ein und rund die Hälfte der Schüler und knapp 40 Prozent der Schülerinnen haben Erfahrungen im Konsum von Cannabis. «Trotz allen Schwierigkeiten gilt es in der Erziehung und beim Setzen von Grenzen Zuneigung und Liebe zu zeigen.»

Immer auf Katastrophenmodus

Gemäss des Referenten sind die neuen Medien eine weitere Belastung für die Jugendlichen. Generell gelte: «Je früher die Erfahrung, desto wahrscheinlicher ist ein starker Konsum.» Die Menschen würden sich immer mehr im Katastrophenmodus befinden und der heutige Stress der Kinder und Jugendlichen sei der Stress der Erwachsenen.

Als häufigste Stresssymptome bei Jugendlichen nennt Welti Müdigkeit, Schlafprobleme, gehässige Laune, Gereiztheit und Gleichgültigkeit. «Mehr als ein Drittel der Thurgauer Jugendlichen wenden mindestens eine ungesunde Gewichtsreduktion an», sagt er. Welti empfiehlt, Zeit aufzuwenden, um hinzuschauen. Und er betont: «Ein ausgeglichenes Leben ist wichtig, wobei sich Gedanken, Stimmungen und Handlungen gegenseitig beeinflussen». Sucht und Prävention beginne im Alltag.

Wertschätzung und Lenkung

Beim Erwachsenwerden stehe der Jugendliche mittendrin zwischen den Faktoren Aufbau einer Beziehung, Erwachsenwerden, sexueller Identität, Arbeitswelt und Ablösung vom Elternhaus. «Plötzlich spürt er, dass man von ihm erwartet, dass er erwachsen wird.» In dieser Situation gilt es laut Welti, das Kind hinsichtlich seines Risikoverhaltens bei Drogen und Alkohol, neuen Medien, Freizeit, Essverhalten und Lärm zu begleiten. «Sprechen Sie als Erwachsener den Jugendlichen an, vermeiden Sie Überreaktionen und legen Sie die eigene Haltung klar dar», empfiehlt Welti.

Präventiv wirke, dass man die Jugendlichen nicht zu früh sich selbst überlässt, sich Zeit nimmt für Auseinandersetzungen, Grenzen setzt und Lebensfreude vermittelt. «Schaffen Sie einen Kreislauf der Beziehung, suchen Sie einen gemeinsamen Weg und denken Sie daran, dass Wertschätzung und Lenkung zu einem hohen Lernerfolg führen», sagt Peter Welti, «Eltern sind Skipper auf hoher See. Auf dieser weiten See gilt es für die ganze Crew, Erfahrungen zu machen.»

Ein zweiter Vortrag zum selben Thema findet am kommenden Montag, um 19.30 Uhr, in der Aula der Sekundarschule Tobel statt.

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