«Einkaufstourismus ist eine Seuche»

Das letzte Jahr war für das regionale Gewerbe sowohl wirtschaftlich als auch politisch eine Herausforderung. «Und es wird nicht einfacher werden», prophezeite der Romanshorner Vereinspräsident Roland Schneeberger an der Generalversammlung.

Markus Schoch
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ROMANSHORN. Die Wirtschaft macht schwierige Zeiten durch. Doch zumindest der Zusammenhalt ist beim Gewerbe in der Region Romanshorn gross. «Unser Verein hat sich sehr erfreulich entwickelt», sagte Präsident Roland Schneeberger an der Generalversammlung des Gewerbevereins Romanshorn und Umgebung am Dienstagabend. Die Anlässe waren im letzten Jahr immer gut besucht, und die Zahl der Mitglieder ist dank 17 Eintritten auf 138 gestiegen.

Schlag ins Gesicht

Ein einschneidendes Erlebnis sei die Aufhebung des Euromindestkurses gewesen, blickte Schneeberger zurück. «Es war vor allem für die Exportindustrie ein Schlag ins Gesicht», nachdem sie in den Jahren zuvor bereits «diverse Anpassungen und Restrukturierungen durchgemacht» habe. Bei den Margen sei der Spielraum jetzt ausgereizt. Entsprechend gross sei der Druck auf die Arbeitsplätze. «Dort sehe ich im Moment die Hauptschwierigkeiten», sagte Schneeberger.

«Die Probleme und Nöte unseres einheimischen Gewerbes und der Industrie haben aber bereits früher eingesetzt.» Der Einkaufstourismus sei zu einer «eigentlichen Seuche» geworden. Zu schaffen macht dem Gewerbe aber auch das Online-Shopping. Es sei bequem, und wenn einem die bestellte Ware nicht gefalle, könne man sie gratis zurück- schicken, sagte Schneeberger. Solange sich daran nichts ändere, werde es schwierig sein, den Trend zu brechen.

Positive Zeichen

Es gebe aber auch positive Entwicklungen. «So sind Importgüter wie Fahrzeuge, Maschinen, Elektronikartikel und teilweise Alltagsprodukte bis zu 20 Prozent günstiger geworden.» Und ein Ende des Trends sei nicht abzusehen. «Der Schweizer wehrt sich zunehmend gegen überteuerte Produkte, mit denen wir unsere umliegenden Nachbarländer beziehungsweise die Importeure subventionieren.» Der Konsument hier sei nicht länger bereit, jeden Preis zu bezahlen.

Erfreulich sei auch das politische Umfeld. «Die Stimmbürger haben sich in den zahlreichen Abstimmungen der letzten Jahre oft auf die Seite der Unternehmer und Arbeitgeber gestellt», sagte Schneeberger. Und weiter: «Was wir sicher nicht brauchen, sind höhere Steuern.» Eine grosse Herausforderung bleibe es, die Stimmbürger an die Urne zu bewegen, wie zuletzt die Kantonsratswahlen gezeigt hätten.

Vorstand im Amt bestätigt

Schneeberger wird sich auch in den nächsten drei Jahren als Präsident für die Anliegen des Gewerbevereins einsetzen. Er würde für eine weitere Amtszeit gewählt, ebenso wie die übrigen Vorstandsmitglieder Hansruedi Vonmoos, Christian Von Moos, Markus Mayer, Moritz Staub, Reto Segmüller und Reto Grava. Lob für seine Arbeit erhielt das Team um Schneeberger von Brigitte Kaufmann vom kantonalen Gewerbeverband. Es brauche den beherzten Einsatz aller. «Wir befinden uns in einem permanenten Abwehrkampf gegen gewerbefeindliche Vorlagen. Es hört nie auf.»

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