Einen halben Schritt zurück

MUOLEN. Der Muoler Gemeinderat zieht die Notbremse: Das «Bühnenspiel»-Projekt für ein neues Gemeindezentrum wird nicht weiterverfolgt. Die Kosten sind zu hoch, das Vertrauen ist weg.

Marion Loher
Drucken
Teilen
Der «Adler»-Saal ist alt, wird aber wohl noch etwas länger als gedacht zur Verfügung stehen müssen. (Archivbild: Hanspeter Schiess)

Der «Adler»-Saal ist alt, wird aber wohl noch etwas länger als gedacht zur Verfügung stehen müssen. (Archivbild: Hanspeter Schiess)

Die Bombe liess Bernhard Keller, Gemeindepräsident von Muolen, in der allgemeinen Umfrage der Bürgerversammlung vom Montagabend platzen. Der Gemeinderat werde die Pläne für ein neues Gemeindezentrum in der Form, wie sie derzeit vorliegen, nicht weiterverfolgen. Auf die Bürgerversammlung 2014 hin soll laut Keller zusammen mit der Baukommission eine neue Projektausschreibung erarbeitet werden. Das «Bühnenspiel»-Projekt ist demnach definitiv vom Tisch. Was war geschehen?

Zu teuer für Muolen

Im Herbst 2011 ist das Projekt für ein neues Gemeindezentrum, das den alten «Adler»-Saal ersetzen soll, sistiert worden. Dies, nachdem die Kosten im Rahmen der Vorprojektierung geradezu explodiert waren. Der Gemeinderat hatte mit 3,8 Millionen Franken gerechnet. Vorgelegt wurde das «Bühnenspiel», das rund 5,4 Millionen Franken kosten soll. Ein zu grosser Brocken für das kleine Muolen.

In der Zwischenzeit habe ein Fachanwalt für Bau- und Submissionsrecht das Projekt geprüft und ein Gutachten erstellt, sagte Keller. Darin werde festgehalten, dass die vom Gemeinderat vorgegebene Kostenobergrenze im Vorprojekt «nicht eingehalten» werde. Die Baukommission habe alles Mögliche getan, um die Kosten tiefer zu halten. Auch im Rahmen des den Bedürfnissen entsprechenden Raumprogramms.

Doch die Schmerzgrenze blieb erreicht, und so entschied sich der Gemeinderat, nicht mehr auf Basis des «Bühnenspiel»-Projekts weiterzumachen. Zumal auch das Vertrauen in die beteiligten Planer «zu stark ramponiert» worden sei, sagte der Gemeindepräsident. Der finanzielle Schaden, der durch die Vorprojektierung entstanden sei, betrage etwa 150 000 Franken. Wer dafür aufkommen wird, ist noch unklar. «Wir setzen alles daran und sind in Verhandlungen mit den involvierten Planern, um im Sinn einer freiwilligen Kostenübernahme eine Schadensbegrenzung zu erreichen», so Keller. Auch ein Gerichtsprozess stehe im Raum, sei aber noch nicht definitiv geklärt.

Schmerzhafter Entscheid

Der Gemeinderat und die Baukommission werden nun ein neues Projekt ausarbeiten, wobei letztere in erster Linie das Raumprogramm und mögliche Nebennutzungen «frisch beurteilen» müsse. Dem Gemeinderat sei bewusst, so Keller, dass er damit einen «halben Schritt» zurückgehe statt einen grossen nach vorne. Der Entscheid sei ihm auch nicht leichtgefallen, aufgrund der Ausgangslage sei er aber der richtige, «obwohl er sehr weh tut».

Die Muolerinnen und Muoler schienen von der Nachricht des Gemeindepräsidenten überrascht. Sie reagierten denn auch verhalten. Fragen gab es nur ein paar wenige, Vorwürfe an den Gemeinderat hingegen keine.

Aktuelle Nachrichten