Eine Wirtin mit Leib und Seele

Seit 20 Jahren wirtet Helene Roth im Restaurant zum Schiff in Romanshorn. Ende Jahr hört sie altershalber auf. Zuvor feiert die 66-Jährige zusammen mit ihren Gästen das Jubiläum. Ans nahe Ende als Gastgeberin mag sie noch gar nicht denken.

Markus Schoch
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Viele ihrer Gäste sind zu Freunden geworden: Helene Roth vor dem Restaurant zum Schiff. (Bild: Nana do Carmo)

Viele ihrer Gäste sind zu Freunden geworden: Helene Roth vor dem Restaurant zum Schiff. (Bild: Nana do Carmo)

ROMANSHORN. Helene Roth hat alle Hände voll zu tun an diesem schönen Spätsommertag. Viele der Stühle in der Gartenwirtschaft mit Blick auf den Hafen sind besetzt. Trotzdem nimmt sich die Wirtin Zeit, jeden einzelnen Gast zu begrüssen und ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Als eine Frau auf Französisch die Rechnung verlangt, antwortet ihr Helene Roth auf Französisch, sie werde gleich bei ihr sein.

Die 66-Jährige ist in ihrem Element, wenn viel läuft. Ihr Leben lang hat sie in der Gastronomie gearbeitet, obwohl ihr Vater einst sagte, in seiner Familie werde es keine «Servierdüse» geben.

«Macht mir Angst»

Seit mittlerweile 20 Jahren führt Helene Roth das Speiserestaurant zum Schiff in Romanshorn mit 50 Plätzen drinnen und 60 draussen, die ersten elf Jahre zusammen mit ihrer Schwägerin Elsbeth Roth-Schubiger. Ende Jahr ist Schluss. Helene Roth geht altershalber in den Ruhestand und übergibt den Betrieb in neue Hände.

Gross darüber nachdenken mag sie noch nicht. «Das macht mir ein bisschen Angst», sagt sie. Viel lieber blickt Helene Roth zurück. «Es war eine schöne Zeit mit einer wunderbaren Kundschaft und treuen Mitarbeitern, die teilweise schon so lange dabei sind wie ich.» Sie sei dankbar für alle die vielen interessanten Begegnungen im Restaurant zum Schiff.

Manche Gäste könnten es kaum glauben, dass sie in ein paar Monaten nicht mehr von ihr bedient werden, sagt Helene Roth. «Kürzlich waren zwei Bootsbesitzer bei mir, die ich seit langem kenne. Sie haben sich vor mir verbeugt und mir für die Gastfreundschaft gedankt, die ich ihnen all die Jahre erwiesen hätte.» Ihr seien fast die Tränen gekommen, sagt Helene Roth.

Vieles hat sich geändert

Im Vergleich zu den Anfängen 1993 sei heute vieles anders. «Das Konsumverhalten hat sich stark geändert», sagt Helene Roth. Leidmahle beispielsweise gebe es kaum mehr. Und ältere Frauen habe sie abends nur noch selten im Restaurant, weil sie sich in der Dunkelheit nicht mehr ausser Haus getrauen würden.

Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind nicht mehr die gleichen. Und die Neuerungen seien nicht nur zu ihrem Vorteil. Das Rauchverbot und die neue Promillegrenze beim Alkohol spüre sie bis heute negativ beim Umsatz, sagt Helene Roth. «Auch der starke Euro tut weh. Ich hatte früher viel mehr deutsche Gäste.»

Geblieben ist die extreme Wetterabhängigkeit des Betriebes. Regnet es, fehlen die Velotouristen und Wassersportler, und auch der Schnellzug aus Brig bringt nur Gäste ins «Schiff», wenn die Sonne am Bodensee scheint. «Ohne Kühlanlagen wäre es heute nicht mehr machbar», sagt Helene Roth.

Von der Neugestaltung des Güterschuppenareals auf der anderen Strassenseite profitiere sie nicht. «Der Platz ist jetzt einfach schöner.» Positiv sei aber die Verkehrsberuhigung im Hafenquartier, auch wenn es nach wie vor Unbelehrbare gebe, sagt Helene Roth.

«Ich weiss von nichts»

Froh ist sie, dass es politisch ruhiger geworden ist in Romanshorn, auch wenn sie dem Frieden nicht ganz traut. Unstimmigkeiten habe sie zuweilen direkt zu spüren gekommen. «Die Bodan-Abstimmung hat einen Graben geöffnet. Es gab Personen, die nicht mehr miteinander an einen Tisch sassen», sagt Helene Roth.

Sie selber hat sich nie in die lokalpolitischen Diskussionen eingemischt. Ihre Devise war immer: «Ich höre viel und weiss von nichts.» Aber eines weiss Helene Roth ganz genau. Die Gäste werden ihr fehlen, wenn sie im nächsten Jahr nicht mehr hinter dem Tresen im «Schiff» am Romanshorner Hafen steht. So manche sind ihr über die Jahre zu Freunden geworden.