Eine Tagesstruktur ist wichtig

Seit 20 Jahren gibt es in Kreuzlingen das Sozialprojekt 4you, das im Kanton Thurgau einzigartig ist. Sozialhilfebezüger erhalten dabei nicht nur eine Beschäftigung, sondern auch Hilfe bei der Stellensuche.

Nicole D'orazio
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Stadtpräsident Andreas Netzle, Sozialprojekte-Leiter Thomas Niederhauser, Stadträtin Barbara Kern und Mirco Bassetto, Leiter Soziale Dienste, diskutieren auf einem Rundgang durch die «4you»-Arbeitsräume der Frauen. (Bild: Reto Martin)

Stadtpräsident Andreas Netzle, Sozialprojekte-Leiter Thomas Niederhauser, Stadträtin Barbara Kern und Mirco Bassetto, Leiter Soziale Dienste, diskutieren auf einem Rundgang durch die «4you»-Arbeitsräume der Frauen. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Die Frauen bügeln, stricken oder flicken. Sie gehören zum Sozialprojekt 4you der Stadt Kreuzlingen. Dieses bietet Dienstleistungen für die Stadt und die Öffentlichkeit an. «Vor 20 Jahren wurde das 4you als unterstützendes Arbeitsprojekt für alleinerziehende Mütter ins Leben gerufen», sagte Barbara Kern, Stadträtin Departement Soziales, an der gestrigen Medieninformation. Die damaligen Verantwortlichen, Amtsleiter Andy Trachsel sowie Departementschef Roger Cotting, boten Alleinerziehenden mit dem Verkauf ihrer Handarbeiten an die Bevölkerung eine Perspektive sowie die Hoffnung auf eine Zukunft ausserhalb der Sozialhilfe. «Das aktive Mitarbeiten, selbst etwas zu produzieren und auch noch zu verkaufen, stärkte nicht nur damals das Selbstbewusstsein von Sozialhilfeabhängigen. Auch 20 Jahre später ist es für sie wichtig, sich in einem Arbeitsprozess zu befinden und eine Tagesstruktur zu haben.»

Auch Sozialberatung wichtig

Unter der jahrelangen Leitung von Margrit Nyffenegger sei aus dem damaligen «Sacchetto» das Dienstleistungszentrum 4you geworden, sagt Kern weiter. «Nyffenegger erkannte früh, dass es neben der Arbeitsintegration auch die Sozialberatung braucht.» Heute werden die Sozialhilfeempfänger von ausgebildeten Arbeitsagogen begleitet. Sie werden beispielsweise bei Bewerbungen unterstützt oder bei den Finanzen beraten. «Der damalige politische Entscheid war visionär in der Arbeitsintegration. Auch weil sich vieles in der Gesellschaft und der Arbeitswelt verändert hat», sagt die Stadträtin. Kreuzlingen sei bis heute die einzige Stadt im Kanton, die ein solches Arbeitsintegrationsprojekt führe. «Da es bei uns gut läuft, haben wir mittlerweile Anfragen zu unseren Konzepten von Gemeinden, die etwas Ähnliches verfolgen.»

Stolz auf das Projekt

Auch Stadtpräsident Andreas Netzle betont die Wichtigkeit der Sozialprojekte. «Das 4you geniesst einen guten Ruf, worauf wir stolz sein dürfen», sagt er. Es sei wichtig, dass dieses weiterhin Bestand habe, um die Sozialhilfeempfänger zu beschäftigen und ihnen zu helfen. «Auch wegen der sozialen Kontakte ist die Tagesstruktur für sie wichtig.»