Eine stille, aber eigenwillige Künstlerin

AMRISWIL. Armin Fehr erzählte im Ortsmuseum über den Werdegang seiner Mutter Lina Fehr-Spühler. Die ehemalige Niederaacher Künstlerin war bekannt durch ihre geknüpften Bildteppiche. Im August folgt eine grosse Ausstellung im Kulturforum.

Hugo Berger
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Armin Fehr präsentiert am Museumssonntag Werke seiner Mutter. (Bild: Hugo Berger)

Armin Fehr präsentiert am Museumssonntag Werke seiner Mutter. (Bild: Hugo Berger)

Rund 100mal hat das Ortsmuseum Amriswil schon zur sonntäglichen Erzählstunde eingeladen. Über mangelnde Besucherzahlen haben sich die Organisatoren nie beklagen können. Am Sonntag aber war das Interesse besonders gross. Über 80 Besucherinnen und Besucher interessierten sich für das Leben der ehemaligen Niederaacher Künstlerin Lina Fehr-Spühler.

Wer hätte besser darüber berichten können als ihr Sohn Armin Fehr? Der ehemalige Lehrer ist nicht nur ein brillanter Erzähler, sondern er ist auch bekannt durch seine Musik. Zum erstenmal wurde daher die Erzählstunde musikalisch umrahmt. Begleitet wurde Armin Fehr von seiner ehemaligen Schülerin Caroline Fahrni, die heute als Musikerin und Primarlehrerin in Basel lebt.

Geprägt durch Krankheit

Schon in der Schule habe seine Mutter gerne gemalt und gezeichnet, erzählte Armin Fehr. Der Phantasie waren allerdings Grenzen gesetzt, mussten doch die Schüler damals strickt nach Vorlage zeichnen. Ein Brief ihrer Schwester aus Amerika weckte in ihr als junge Erwachsene den Wunsch, in dieses Land der unbegrenzten Möglichkeiten auszuwandern. Sie habe sich auch bereits einen Koffer gekauft, aber das Vorhaben sei an den strengen Visumsbestimmungen gescheitert, erfahren die Zuhörer. Lina Fehr war lungenkrank. Ihr erstes Bild malte die 1897 in Zürich geborene Künstlerin im Sanatorium in Wald. Später verbrachte sie ein halbes Jahr beim Kuren in Davos.

Die Ärzte rieten der Patientin, kinderlos zu bleiben. «Doch meine Mutter beschloss, nicht auf den Rat der Ärzte zu hören – zum Glück, sonst wäre ich nicht hier», meinte Fehr schmunzelnd. Einen anderen Rat aber beherzigte die Patientin: aufs Land zu ziehen. Der Zufall wollte es, dass sie nach Amriswil zog, damals eine Hochburg der Textilindustrie.

An Ausstellung motiviert

Für ihre Arbeit motiviert wurde Lina Fehr an einer Ausstellung im Gutenberg-Museum. Sie war fasziniert von den Wandbehängen, die der Ausstellung lediglich zur Dekoration dienten. Bald waren die Wandbehänge der Amriswiler Künstlerin mit den Märchen- und Landschaftssujets in der ganzen Schweiz bekannt. Regelmässig reisten Leute mit Bussen nach Niederaach, um die Bildteppiche der naiven Künstlerin zu bestaunen.

Von Schicksalsschlägen blieb Lina Fehr nicht verschont. Im Alter von 45 Jahren erlitt sie einen Hirnschlag, von dem sie sich nur langsam erholte. Ihre Kraft liess langsam nach. Eines ihrer letzten Wandbehänge zeigt die Kirche von Sommeri.

Die Werke der Künstlerin werden vom 7. bis am 16. August unter dem Patronat des Ortsmuseums im Kulturforum Amriswil ausgestellt.

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