Eine Region in Bewegung

Die Wahl von Thomas Weingart zum Stadtpräsidenten bedeutet für Bischofszell eine Zäsur. Sulgen und Kradolf-Schönenberg gehen aufeinander zu und intensivieren die Zusammenarbeit.

Georg Stelzner
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Der 8. März 2015 wird in den Annalen der Stadt Bischofszell einen herausragenden Platz einnehmen. Es ist jener Tag, an dem Thomas Weingart zum Stadtpräsidenten gewählt wurde, und dies mit einem Stimmenanteil, der in Demokratien westlichen Zuschnitts Seltenheitswert hat. Selbst der Wahlsieger war ob des grossen Vertrauensvorschusses erstaunt, obwohl er keine Mitbewerber hatte. «Ich habe mir ein klares Resultat erhofft, doch jetzt sind meine Erwartungen sogar noch übertroffen worden», gab Weingart nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu Protokoll.

Die Spaltung überwinden

Von der Amtsübernahme Weingarts erhofft sich die Bevölkerung den ersehnten Neustart. Vor vier Jahren war ein solcher von einer breiten Parteienallianz schon einmal angedacht worden, dann aber kläglich gescheitert. Bischofszell war in zwei Lager gespalten und verharrte während vier Jahren in einer Art Schockstarre, hervorgerufen vom Zerwürfnis zwischen Stadtammann Josef Mattle und den grossen Ortsparteien. Anders als bei zwei vorherigen Wahlen verzichteten diese 2015 darauf, eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken. Stattdessen unterstützten sie den parteiunabhängigen Quereinsteiger Weingart.

Neuer Stil im Rathaus

Das während der Wahlkampagne propagierte Miteinander, der Wille, die Stadt mit den Bewohnern zusammen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, ist Weingart nach der Wahl noch genauso wichtig. Seine Handschrift wird bereits im ersten halben Jahr sichtbar. Weingart möchte zum Beispiel, dass die Mitglieder des Stadtrates in der Öffentlichkeit vermehrt wahrgenommen werden. Und so vertraut der Stadtpräsident die Leitung einer Informationsveranstaltung über ein Strassenprojekt dem verantwortlichen Stadtrat an und überlässt es der zuständigen Stadträtin, an einer Medienkonferenz über eine neue Veranstaltungsreihe in der Adventszeit zu informieren. Von unserer Zeitung im Herbst befragt, welche Schlagzeile er am Ende dieses Jahres gerne lesen würde, antwortete Weingart: «Bischofszell mit neuem Schwung!» Jetzt steht fest: Es war ein realistischer Wunsch.

Auf dem Weg zur Fusion?

Für Aufsehen sorgten auch Sulgen und Kradolf-Schönenberg. Die Gemeindepräsidenten Andreas Opprecht und Walter Schönholzer gaben im März bekannt, dass die Ortsplanungsrevision gemeinsam an die Hand genommen werden solle. Was bedeutet, dass ein koordiniertes Vorgehen zum Nutzen beider Partner geplant ist. Statt missgünstig über den Zaun zu blicken und zu beobachten, was der Nachbar macht, spannen die beiden eng verflochtenen AachThurLand-Gemeinden bei der Zukunftsplanung zusammen.

Im August liessen Sulgen und Kradolf-Schönenberg erneut aufhorchen. Diesmal mit der Ankündigung, prüfen zu wollen, ob ein gemeinsamer Werkhof sinnvoll wäre. Ein Beratungsbüro wurde beauftragt, den Status quo zu analysieren und ein Konzept für die Kooperation in diesem Bereich zu erstellen. Die Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden. Das F-Wort kommt den Gemeindepräsidenten noch nicht über die Lippen. Es deutet jedoch einiges darauf hin, dass der Weg in Richtung Fusion gerade geebnet wird.

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