Eine Oma als Hilfslehrerin

KREUZLINGEN. In Kreuzlingen dürfen Senioren noch einmal in den Kindergarten. Das Projekt «Brücken bauen zwischen Generationen» befindet sich in der Pilotphase, soll aber bald auf andere Stufen ausgedehnt werden.

Martina Eggenberger Lenz
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Im Kindergarten: Maria Bua schätzt den Kontakt mit den aufgeschlossenen Kindern, die Lehrkraft ist froh um die Hilfe. (Bild: zVg)

Im Kindergarten: Maria Bua schätzt den Kontakt mit den aufgeschlossenen Kindern, die Lehrkraft ist froh um die Hilfe. (Bild: zVg)

Kindergärtnerin Ines Fehr spaziert jeden Mittwoch bei Wind und Wetter vom Kindergarten Bernegg aus mit ihren Mädchen und Buben in den Wald. Dass sie den Unterricht im Freien gestaltet, ist nicht das einzig Besondere an den Mittwochmorgen.

Wenn immer möglich mit dabei ist nämlich auch Maria Bua, die Grossmutter eines der Kinder. Dass sie die Kindergärtner mit in den Wald begleitet, hat nichts mit der familiären Situation zu tun. Maria Bua nimmt am Projekt «Brücken bauen zwischen Generationen» teil.

Dieses wurde von der Behörde genehmigt und im Februar im Schulzentrum Bernegg lanciert. Im Pilotjahr nehmen zwei Kindergärtnerinnen, zwei Seniorinnen und ein älteres Ehepaar daran teil. «Die Idee ist, dass die Kinder von den Erfahrungen der Senioren profitieren», erklärt Ines Fehr. Jüngst hätten sie beispielsweise gelernt, wie man mit einem Grashalm «flötet». Andererseits kommen die älteren Menschen in Kontakt mit den Kindern und haben ein Gegenüber.

Schliesslich profitiere auch noch die Lehrkraft, die schlicht zwei Augen und zwei Hände mehr zur Verfügung habe.

Lebenserfahrung

Maria Bua hat keine pädagogische Ausbildung. Dafür bringt sie viel Lebenserfahrung und Geduld mit. Und die braucht man, wenn man Kinder begleiten will. «Mir gefällt diese Aufgabe. Und dazu komme ich noch an die frische Luft», begründet die Italienerin ihre Motivation.

Im Wald ist sie behilflich, wenn die Kinder mit ihren Becherlupen Insekten untersuchen oder einen Bach stauen. Vorallem aber ist Maria Bua Zuhörerin. Die Rollen sind klar verteilt. Die Kindergärtnerin ist die Hauptverantwortliche.

Fähigkeiten einbringen

Die Schule wertet das erste Halbjahr als Erfolg. Das Projekt soll darum ab Winter auf die Unterstufe ausgeweitet werden.

Die Senioren würden die Lehrpersonen entlasten, die Kinder profitierten von einem höheren Betreuungsgrad und lernen nebenbei ältere Menschen kennen, nennt Schulleiter Ralph Huber einige Vorteile. Ein möglicher Einsatz der Senioren könne durchaus auch im Schulzimmer stattfinden.

Unterschiedliches beibringen

Prädestiniert seien handelnde Unterrichtsphasen. Aber nicht nur: «Es kommt eben ganz auf den Senior oder die Seniorin an.

Abhängig davon, welche Fähigkeiten und Geschichten diese mitbringen, können sie den Kindern Unterschiedliches beibringen.»

Senioren gesucht: Wer am Projekt interessiert ist, meldet sich bei Ralph Huber unter 071 670 04 06