Eine gnadenlose Abrechnung

Vor den bissigen Versen der Weinfelder Schnitzelbänkler ist keiner sicher. Das zeigte sich einmal mehr an der traditionellen «Truube»-Fasnacht vom Samstagabend. Die 90 Besucher hielten sich vor Lachen die Bäuche. Das Motto hiess «Mir isch Vögeli-wohl».

Rudolf Steiner
Drucken
Ursula und Roger Häfner traten als Ehepaar Mägi und Dölf auf. (Bild: Rudolf Steiner)

Ursula und Roger Häfner traten als Ehepaar Mägi und Dölf auf. (Bild: Rudolf Steiner)

WEINFELDEN. Gastgeberin war wie immer die gutgelaunte «Trauben»-Wirtin Olivia Langer. Und wie immer machte Robert Gideon den Auftakt zur Narren-Kakophonie. Clowneske eheliche Eintracht und Synchronität demonstrierte das Ehepaar Meinrad und Cécile Widmer als Giesse-Hüpfer; sie nahmen das von der Obrigkeit verordnete Blöterliwasserverbot in der Gemeindeverwaltung und Doris Leuthards Windenergiepolitik («sie isch en Furz…») auf die Schippe. Langsam aber stetig stieg sowohl die Stimmung als auch die Temperatur mit dem immer so netten tierischen Ehepaar Schwänli und Bärli alias Bernhard und Annegret Scherrer mitsamt der Mithilfe von Heidi und Geissenpeter. Gemäss dem Motto «Es sind alli so nätt», bekam vor allem die Weinfelder Politik («Es wär en Hit, dä Citybus») und Polit-Schickeria ihr Fett ab.

Trotz maximalen Einsatzes liess dann die erste Gugge, die Amriswiler Marktplatzpfuuser, dank der überaus robusten Bausubstanz zwar nicht die massiven Balken, aber immerhin die Wände erzittern, so dass sich einige Fasnächtler wie der mit dem Vogel (auf dem Hut) sogar ihre sensiblen Öhrchen zuhalten mussten.

«Fisionäres» von fis.

«Fisionäres» philosophierte und rezitierte dann Hans Ruedi Fischer alias fis. im Edelweisshemd zwar «nöd als Cäsar, nöd als Zeus, drum hüll i mini Traumfigur is Alltagshemp vom Schwiizer Puur, es isch Symbol fürs Monopol, a jedem Egge vo dä Erde, als Spezialfall gfiiret zwerde.».

«Eseleie, Chalbereie, Dä ewig Narreringelreihe, loht üsi Welt nöd eifach gheie. Me hogget uuf und fahrt z'ringsum zur Freud vom Narrepublikum.» Auch die Thurgauer Zeitung bekamt ihr Fett weg. An die Adresse aller Leserinnen und Leser frotzelte fis.: «Ein Text von Estha, ein Text von Testa, die Frage sei erlaubt, Wer lest da.»

Der stolzeste Präsident

Weiter durch den unerbittlichen Wortwolf gedreht wurden auch die amtierende Apfelkönigin aus Rothenhausen samt dem darum stolzesten Thurgauer Gemeindepräsidenten Ruedi Zbinden. «Sie heb den schönsten von allen Grinden, tuet auch der Ruedi Zbinden finden.» Gar zum Mitsingen animierten dann Dölf und Mägi alias Roger und Ursi Häfner mit dem Refrain «Hudria – Chäs in Afrika und Wyfelde – mer sind uf und devo, Wyfelde, mir sind wieder cho, oh, oh, Wyfelde do sind mir dehei, Wyfelde, do sind mir niä elei». Damit persiflierten sie umwerfend komisch die SRF-Sehnsucht-Doku «Auf und davon» aus der Perspektive von Fondue essenden Afrikanern und zurückgekehrten und abgebrannten Heimweh-Weinfeldern.

Standpauke des Professors

Eine professorale Standpauke in politischer Psychologie hielt TZ-Redaktionsleiter David Angst als Professor Dr. Dr. hc. AndRes T. Zuckerberg; er dozierte in Anwesenheit des «hartnäckigen Gemeindepräsidenten Max Vögeli-wohl» ausführlich über die Stadtentwicklung des pulsierenden Weinfelden, bei der allerdings in den vergangenen 40 Jahren, wie es scheine, nichts, aber auch gar nichts passiert sei.

Der Professor sezierte erbarmungslos die Zusammensetzung der Expertengruppe Netzwerk Altstadt von Martin Belz und die ihr vorsorglich zur Seite gestellte einheimische Begleitgruppe «mit dem weitsichtigen Stadtpräsidenten, dem grossen Vogel, der vom Sachverstand des Gemeindeparlaments anscheinend gar nicht viel halte».

Obwohl es schon bei den Vorrednern und Vorsängern und -sängerinnen teilweise sauglatt war, brachten dann die beiden Aliglattohren, die Flawiler Tobias Fischer und Christoph Ackermann – gitarrenspielend, singend und trötend die Stimmung kurz vor Mitternacht mit einer Schweizer Polit- und Promi-Tour-d'Horizon auf den absoluten Höhe- und Siedepunkt. «De Blocher seit zum Toni Brunner, mer zwei trätet zrogg, doch tröscht di, d'Magdalena isch jo jetzt i dä SVP die Gröschti, Sie macht, wenn mer ehr nöd will folge, Zürigschnetzlets us em Röschti.» Die beiden Spassvögel versprachen: «Mer chömed nöchscht Johr au, mer schwöret, au wenn mer de Chinese ghöret.» Den noch sesshaften «Truube»-Fasnächtlern bliesen dann die Kakophoniker aus Bürglen nach Mitternacht noch fulminant den Marsch um die Ohren.

Aktuelle Nachrichten