Eine Frau auf Solofahrt

BISCHOFSZELL. In Langenthal findet heute die Vorausscheidung für die Schweizer Meisterschaft der Automechaniker statt. Dass die Männer dabei nicht unter sich sind, dafür sorgt die 20jährige Bischofszellerin Priska Dörig.

Georg Stelzner
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Priska Dörig behauptet sich erfolgreich in der Männerwelt und möchte später einmal selber eine Autowerkstatt leiten. (Bild: Ralph Ribi)

Priska Dörig behauptet sich erfolgreich in der Männerwelt und möchte später einmal selber eine Autowerkstatt leiten. (Bild: Ralph Ribi)

Krankenschwester, Sekretärin, Coiffeuse oder Kindergärtnerin – die Palette an Tätigkeiten, die gemeinhin als «weiblich» gelten, ist breit. Dennoch hat sich Priska Dörig für einen typisch «männlichen» Beruf, in dem man überdies noch schmutzig wird, entschieden: In der Dorfgarage von Mentlen in Waldkirch wird die junge Frau, die in ihrer Freizeit gerne singt und skatet, zur Automechanikerin ausgebildet – und dies mit erfolgversprechenden Perspektiven, wie Firmenchef Herbert von Mentlen überzeugt ist.

Weichen früh gestellt?

In ihrem Bekannten- und Freundeskreis sorgte Priska Dörig mit dem Wunsch, Automechanikerin zu werden, zunächst für nur ungläubiges Staunen und Kopfschütteln. «Manche sagten sogar, ich sei völlig verrückt geworden», erinnert sich die Bischofszellerin, die nach wie vor nicht von allen ernst genommen wird, wenn sie von ihrer Ausbildung spricht. Dabei gab es schon früh Anzeichen für die spätere Berufswahl. «Meine Mutter hat beobachtet, wie ich mich bereits als Kind mit Werkzeug in der Hand für unser Auto interessierte», erzählt Priska Dörig. Bei ihren Eltern hielt sich die Überraschung daher in Grenzen, wenngleich auch sie die Absicht der Tochter vorerst für eine vorübergehende Phase hielten.

Neues Berufsbild

Garagist Herbert von Mentlen hat es bis heute nicht bereut, der Bischofszellerin die Chance gegeben zu haben, sich in einem von Männern dominierten Beruf zu behaupten. Er hat kein Problem damit, in seinem Betrieb erstmals eine Frau auszubilden, zumal sich auch das Berufsbild wesentlich verändert habe. So müsse man als Automechaniker heute kein Muskelprotz mehr sein, da ungleich mehr Geräte und Hilfsmittel zur Verfügung stünden als früher, betont von Mentlen. Zur Frage des Geschlechts stellt er daher unmissverständlich fest: «Mir ist eine initiative, engagierte Lehrtochter mit guten Schulnoten allemal lieber als ein mittelmässiger, unmotivierter Lehrling.» Von Priska Dörig, die nach der im Sommer 2009 endenden Lehre eine Weiterbildung als Diagnostikerin machen will, hält von Mentlen viel. Schon jetzt könne er ihr Auftragseröffnungen und Garantiefälle anvertrauen, was ungewöhnlich sei.

Mit Kreativität ans Werk

So überrascht es nicht, dass von Mentlen seiner Lehrtochter zutraut, auch am Casting in Langenthal gute Figur zu machen. Priska Dörig selber dämpft die Erwartungen, um den Druck nicht zu gross werden zu lassen. «Prüfungsangst habe ich zwar nicht, doch etwas nervös bin ich schon», gesteht die angehende Automechanikerin, der es am liebsten ist, wenn für eine Problemlösung Kreativität und Kopfarbeit gefragt sind. «Solche Herausforderungen interessieren mich am meisten.»

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