Eine filmische Rundumsicht

In Romanshorn entsteht eines der ersten festinstallierten 360-Grad-Kinos der Schweiz. Das perfekte Gebäude dafür ist der Polygon auf dem Gelände der Autobau AG. Im Mai 2013 soll der erste Film über die Leinwand flimmern.

Michèle Vaterlaus
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Fredy Lienhard und Raffael Soppelsa zeigen ein Model des Polygon. (Bild: Reto Martin)

Fredy Lienhard und Raffael Soppelsa zeigen ein Model des Polygon. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Es ist wie in echt. Rund um den Zuschauer bewegt sich alles, Autos umkreisen ihn, als ob er mitten auf einer Rennbahn stehen würde, er geht mit in den Kurven, muss sich am Geländer festhalten, damit er das Gleichgewicht nicht verliert.

Der Zuschauer steht mitten in einem 360-Grad-Kino, dieses versetzt ihn in eine Art Trancezustand. «Das ist ein einmaliges Erlebnis», sagt Fredy Lienhard. Der Ex-Rennfahrer und Autobau-Gründer hatte das Gefühl zum erstenmal als 20-Jähriger in den USA erlebt. «Das war eine gewaltige Wirkung, man kann das fast nicht aufnehmen», sagt er. Der Eindruck ist bis heute geblieben, so dass der Inhaber der Autobau Romanshorn ein 360-Grad-Kino gleich selber haben will. Und zwar im Polygon der Autobau. Es wird eines der ersten festinstallierten 360-Grad-Kinos in der Schweiz.

Das perfekte Gebäude

Das Polygon sei das perfekte Gebäude für ein solches Kino: Es ist gross und zwölfeckig. Mittendrin steht ein riesiger Tank mit über 20 Metern Durchmesser, einer Höhe von 10 Metern und einem Fassungsvermögen von 2,4 Millionen Litern, sagt Raffael Soppelsa, Geschäftsleiter der Autobau. Fredy Lienhart fragt: «Warum sollten wir das schönste Gebäude nur zur Lagerung von Öl brauchen?»

Öl deshalb, weil der Tank bis vor kurzem an einen Rapsölproduzenten vermietet war. Der ursprüngliche Zweck des Tanks im Polygon war das Aufbewahren der Löschwasserreserve – damals, als die Eidgenössische Alkoholverwaltung noch auf dem Gelände zu Hause war.

Und innen eine Leinwand

Künftig soll in diesem Tank rundherum eine Leinwand aufgezogen sein. Unter der Leinwand werden sich die Eingänge ins Kino befinden. Im Polygon selbst gibt es dann auf einer Tribüne die Möglichkeit für die Zuschauer, den Film stehend oder sitzend zu verfolgen. Damit ein Streifen auch in 360 Grad gezeigt werden kann, ist die Installation von acht Projektoren notwendig.

Autos und Romantik

Diese Projektoren können einmalige Erlebnisse auf die Leinwand zaubern. Gezeigt werden im Polygon voraussichtlich Filme unter dem Motto Auto. «Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass ein Autorennen gezeigt wird oder dass ein Autohersteller hier seine neuesten Entwicklungen präsentiert», sagt Soppelsa.

Das Polygon soll aber auch als Event-Raum vermietet werden – mit dem besonderen Extra des 360-Grad-Kinos. Der Geschäftsführer hat bereits romantische Ideen. Er ist überzeugt, dass sich in diesem grossen kühlen Tank Emotionen optimal erzeugen lassen. «Bei einer Hochzeit zum Beispiel könnten wir ringsum etwa eintausend leuchtende Kerzen projizieren. Da ist fast alles möglich», schwärmt der Geschäftsleiter.

Denkmalschutz beachten

Bis das 360-Grad-Kino realisiert ist, steht den Initianten aber noch einiges bevor. «Zum einen ist das Polygon denkmalgeschützt», sagt Soppelsa. Das heisst, bei der Planung des Kinos arbeitet der Geschäftsleiter der Autobau sehr eng mit dem Denkmalschutz zusammen.

«So eine Umnutzung ist natürlich ein laufender Prozess. Wir haben noch keine definitive Zusage. Aber bis jetzt haben wir uns immer gefunden», sagt er. Die Zusammenarbeit habe auch bei der Erstellung der Ausstellung im alten Tanklager gut funktioniert. «Alle diese Gebäude, die früher der Alkoholverwaltung gehörten, stehen unter Denkmalschutz.»

Neben dem Denkmalschutz müsse man aber auch die Vorschriften der Feuerpolizei beachten. «Wir müssen zum Beispiel Notausgänge erstellen.»

Bis kommenden Mai

Trotz der vielen Bedingungen ist Fredy Lienhard zuversichtlich, dass sein 360-Grad-Kino rasch Realität wird. «Bis im Mai 2013 ist das machbar», meint er. Wie viel das ganze Projekt genau kostet, wollen weder Fredy Lienhard noch Raffael Soppelsa verraten. «Aber ein paar Millionen werden es schon sein», sagt Lienhard.

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