Eine einzige Liebeserklärung an das Dorf

So was von Patrioten sind die Weinfelder. Stramm singen sie an jeder Bundesfeier gleich drei Loblieder auf ihre Heimat, den Schweizer Psalm, das Thurgauer Lied – und das Weinfelder Lied. Der Text, den Johann Ulrich Bornhauser vor 173 Jahren schrieb, berührt offensichtlich die Menschen noch immer.

Esther Simon
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Notenblatt des Weinfelder Liedes mit der Melodie und dem Satz des Weinfelder Musikers Erich Büsser. (Bild: pd)

Notenblatt des Weinfelder Liedes mit der Melodie und dem Satz des Weinfelder Musikers Erich Büsser. (Bild: pd)

WEINFELDEN. «Ruhe sanft, du stiller Flecken in des schönen Tales Arm, ruh umlaubt von Rosenhecken, bleibe für die Freiheit warm.» Einen solchen Text, wie er in der vierten Strophe des Weinfelder Liedes steht, würde wohl heute kein Mensch mehr zu Papier bringen. Und doch ist es dem Weinfelder Lehrer und Dichter Johann Ulrich Bornhauser gelungen, dass die Weinfelder heute noch den Text seines Gedichtes an der Bundesfeier singen, wenn auch erst seit etwa zwölf Jahren. Denn der Text ist, wenn für unsere modernen Begriffe auch etwas schwülstig, eine unvergleichliche Liebeserklärung an das Dorf.

Der Komponist heisst Büsser

Keiner käme deshalb auf die Idee, das Weinfelder Lied durch etwas Anderes zu ersetzen. Immerhin stammt der Text von jenem Dichter, der dem Thurgau auch das Thurgauer Lied geschenkt hat. Bornhauser schrieb den Text als 17jähriger Seminarist. Sechs Jahre später – 1848 – raffte ihn die Tuberkulose dahin.

Dass die Weinfelder dieses Lied aber überhaupt singen können, haben sie dem weit über 80jährigen Weinfelder Musiker und Komponisten Erich Büsser zu verdanken.

Refrain im Weinfelder Marsch

Erich Büsser bettete die Worte Bornhausers 1983 in eine heitere und liebliche Melodie, die auch heute noch gerne von Chören gesungen wird. Erich Büsser war das Gedicht Bornhausers Anfang der 1980er-Jahre vom Weinfelder Lokalhistoriker Hermann Lei (1910 bis 2006) beziehungsweise vom ehemaligen Schul- und Wega-Präsidenten Markus Vogt zugetragen worden. Büsser hatte bei früherer Gelegenheit gesagt, er habe die Komposition in zehn Minuten geschrieben, und er habe eigentlich nicht gewollt, dass sie je aufgeführt werde. Aber das sagt Erich Büsser von allen seinen Kompositionen, und es kam dann zum Glück auch anders.

Der Männerchor Weinfelden gab das Lied schon bald einmal zum besten, und es kam sogar im Schweizer Fernsehen. An der Bundesfeier am Samstag singen die Weinfelder das Lied wieder als Refrain im «Weinfelder Marsch», den der Musikverein jeweils sauber intoniert. Diesen Marsch hat der Solothurner Rudolf Wyss komponiert – unter Verwendung des Liedes von Erich Büsser. Markus Vogt hatte den Marsch zum 50-Jahr-Jubiläum der Thurgauer Herbstmesse vor 14 Jahren in Auftrag gegeben.

Erich Büsser Komponist des Weinfelder Liedes (Archivbild: Esther Simon)

Erich Büsser Komponist des Weinfelder Liedes (Archivbild: Esther Simon)