«Eine absolute Frechheit»

Die Bürgerlichen in Kreuzlingen sind empört über die deutschen Einsprachen gegen das Wigoltinger Outlet-Center. Die Linken finden sie in Ordnung.

Urs Brüschweiler
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kreuzlingen. Fabian Neuweiler, Ortspräsident der SVP Kreuzlingen, findet die deutsche Einmischung dermassen daneben, dass er sogar einen Leserbrief verfasst hat.

Es mute schon komisch an, dass sich Konstanz berechtigt fühle, Einsprache gegen ein Center einzureichen, dass doch 20 Kilometer weit weg sei, schreibt Neuweiler darin. Und weiter: «Es soll den Konstanzer Detaillisten schaden! Was ist mit dem Lago? Hatten die Kreuzlinger Detailhändler wohl Freude daran? Sicherlich nicht. Liebe Konstanzer, in der Schweiz haben wir Gewerbefreiheit.»

Auch das Argument, das Outlet-Center verursache zusätzlichen Verkehr in der Region, kann Neuweiler nicht nachvollziehen. «Hat Kreuzlingen gegen ein Bauvorhaben in Konstanz Einsprache erhoben, weil unsere Parkplätze in Grenznähe täglich mit Besuchern der Konstanzer Innenstadt verstopft sind?», fragt er. Und gibt die Antwort gleich selber. «Auch nicht.» So wachse nichts zusammen, wendet er sich schliesslich an den Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank.

Fadenscheinige Begründung

Ins selbe Horn stösst auf Anfrage Christian Brändli, der Fraktionschef der FDP im Gemeinderat. «Es ist eine absolute Frechheit, was die Deutschen sich hier erlauben, es geht sie schlicht nichts an.» Er hofft, dass die Einsprachen gegen das geplante Fashion Outlet «Edelreich» in Wigoltingen rechtlich gar nicht zulässig sind. Die Gründe, welche von Konstanz und Radolfzell angeführt werden, seien fadenscheinig, so Brändli.

Konstanz müsse sich sicher keine Sorgen machen um die Verkehrsströme und das Einkaufsverhalten in der Schweiz. «Diese Probleme lösen wir selber.» Gegen das «Seemaxx Factory Outlet Center» in Radolfzell oder das Einkaufzentrum Lago in Konstanz habe man schliesslich auch nichts gesagt.

Einsprache allen gestattet

Ganz anders tönt die Sache hingegen, wenn Jost Rüegg von der Freien Liste argumentiert. Er sei nur schon aus prinzipiellen Gründen gegen das Wigoltinger Outlet.

Es müsse jedem gestattet sein, Einsprache zu erheben, sagt Rüegg. Das Center schade den Schweizer Städten Frauenfeld, Weinfelden und Kreuzlingen sicher mehr als Konstanz. Aber die dürften nichts sagen, wegen des Grundsatzes des freien Handels. Und dass sich ausgerechnet der Gewerbeverband empöre, weil sich Konstanz wehrt, findet Rüegg unklug. Die seien ja mitbetroffen und hätten das besser stillschweigend zur Kenntnis genommen. Rüegg geht davon aus, dass vieles mit den Ressentiments gegen die Deutschen zu tun hat.

Auch SP-Gemeinderat Markus Brüllmann hat grundsätzlich Mühe mit einer solch grossen Baustelle auf der grünen Wiese. Deshalb habe er Verständnis für die Einsprachen aus dem Raum Konstanz. In einer globalisierten Welt, wie sie die Wirtschaft sehe, dürfe sich doch auch das Ausland wehren. Die Empörungen aus den Gewerbekreisen seien die Retourkutsche für die Verkehrsströme, welche das Lago gebracht habe.

Jeder muss sich selber helfen

Auch zwei Ladenbesitzer an der Kreuzlinger Hauptstrasse äussern sich auf Anfrage zum Thema. Yves Anklin vom Jeans-Laden «American Drugstore» fände es fatal, wenn das Outlet Center in Wigoltingen käme. «Es würde unsere Geschäfte schwächen.» Dass ausgerechnet Konstanz sich wehre, sei «interessant». «Die dort draussen könnten ohne unsere Kunden gar nicht überleben.» Er findet es aber vor allem tragisch, dass sich niemand für die Schweizer Detaillisten wehre.

Maria Jonasch vom Modehaus Rudolf sieht im Outlet keine Konkurrenz. Trotzdem sei es unerwünscht. Über die Konstanzer wundert auch sie sich. Denn gegen das Lago könne man ja auch nichts machen. Schliesslich müsse sich jeder selber helfen.

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