Einblick zu nächtlicher Stunde

BISCHOFSZELL. Führungen im Museum, eine Setzmaschinen-Symphonie, unheimliche Geschichten im Bogenturm oder in der Buchhandlung – unter dem Motto «Kunterbunt» präsentierte sich die neunte Bischofszeller Museums- und Kulturnacht.

Claudia Gerrits
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Die Besucherinnen haben viel Spass dabei, die verschiedenen Hüte aufzusetzen. (Bild: Claudia Gerrits)

Die Besucherinnen haben viel Spass dabei, die verschiedenen Hüte aufzusetzen. (Bild: Claudia Gerrits)

Nachtwächter Pius Hofstetter stellt gerade eine Reihe Laternen vor dem Eingang zum Nachtwächterlokal im Bogenturm bereit. Gleich werden die ersten Besucher in den Turm entführt, und die Türen von sechs weiteren Schau- und Hörplätzen öffnen sich zur neunten Bischofszeller Museums- und Kulturnacht.

Ridicule und Geldkatzen

Fackeln laden vor dem Historischen Museum zum Eintreten. Kuratorin Alexandra M. Rückert nimmt Besucher und vor allem Besucherinnen mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Geschichte der Handtasche und des Hutes vom 15. Jahrhundert bis in die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts.

In der gegenwärtigen Sonderausstellung «Accessoire de dame» gibt es dazu manche Kostbarkeiten zu bewundern. Die Anekdoten um Ridicules, Geldkatzen, Hauben, Cloches, Hutnadeln und Frisuren lassen staunen und schmunzeln. «Es war sehr interessant, ich habe manches erfahren, was ich vorher nicht wusste», meint eine Besucherin nach der Kurzführung.

Hutvielfalt zum Ausprobieren

Wer Lust hat, kann selber einen Lederbeutel herstellen. In historischen Gewändern gekleidet, geben Louise Baumgartner und Margrit Gabban kundige Unterstützung. Lachen oder zustimmende Bewunderung ist zu hören, wenn Besucherinnen aus Rita Schmids vielfältiger Hutkollektion Hüte ausprobieren. Staunend verfolgen die Besucher, wie Angela Meier Glasperlen herstellt. Draussen vor dem Museum warten Apollo und Nando, die beiden Haflingerpferde, und Kutscher Hansueli Eggenberger darauf, Museumsnachtschwärmer zum Typorama und zur PM 1 zu fahren. Aus dem Bistro zuTisch sind fremdländische Klänge zu hören. Belco Stanev trainiert mit der Volkstanzgruppe St. Gallen bulgarische Volkstänze.

Schattenspiele

Bei der PM 1, der historischen Papiermaschine, ist zur letzten Führung noch eine kleine Gruppe Besucher gekommen. Speziell plazierte Scheinwerfer und Spots setzen diesmal die riesige Maschine auf besondere Art in Szene. Auch dieses Jahr bot sich den Besuchern Gelegenheit, selber Papier zu schöpfen. «Ich habe alle Hände voll zu tun gehabt», erklärt Christiane Frei, die grosse und kleine Papiermacher angeleitet hat.

Im Typorama ist es auch ruhiger geworden. Paul Wirth bittet die Besucher, nicht zu laut zu sein, wenn die Symphonie für 13 Setzmaschinen erklingt: «Das Stimmengewirr ist lauter als die Maschinen.» Eine Maschine nach der andern setzt ein. Feines Klimpern, schleifende Geräusche von Keilriemen, Sirren und Summen, rhythmisches Stampfen mischen sich zu einem einzigartigen Klangteppich.

Unheimliche Affenpfote

In der Buchhandlung zum Turm lesen und spielen Charlotte Kehl, Cornelia Buder und Jazzpianist Urs Eigenmann das letzte Mal die Erzählung «Die Affenpfote». Das noch kleine Publikum sitzt still, verfolgt gebannt die unheimliche Geschichte um eine Affenpfote, die als Talisman dem Besitzer drei Wünsche erfüllt, aber Unheil bringt.