Ein Zeichen gegen den Beton

KREUZLINGEN. Der Volksinitiative «Gegen die Zerstörung der Schlosslandschaft Girsberg und Brunegg» wird deutlich zugestimmt. Ein Ergebnis, mit dem in Kreuzlingen kaum jemand rechnete.

Urs Brüschweiler
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Überraschung und Freude bei den Bewohnern von Schloss Girsberg. Sogar die Glocken wurden geläutet. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Überraschung und Freude bei den Bewohnern von Schloss Girsberg. Sogar die Glocken wurden geläutet. (Bild: Stefan Schaufelberger)

«Unglaublich», «Faszinierend», «Ich bin total gerührt». Die Freude kannte gestern auf Schloss Girsberg keine Grenzen. Besitzer Kurt Schmid-Andrist fiel seinen Angehörigen in die Arme, als er das Ergebnis der Volksinitiative vernommen hatte. Und auch Inge Berger vom Schloss Brunegg konnte erst beim zweiten Blick glauben, wie das Kreuzlinger Stimmvolk entschieden hatte.

«Wir sind begeistert»

Beide hatten damit gerechnet, dass die Vorlage bachab geschickt wird. Doch satte 59,3 Prozent der Kreuzlinger Stimmberechtigten haben mit Ja gestimmt und ihrem Willen Ausdruck getan, dass das Land zwischen Girsberg und Brunnegg nicht bebaut werden soll. «Wir sind begeistert, dass so viele Leute für den Erhalt der Schlösser gestimmt haben, trotz der angedrohten hohen Kostenfolge», so Schmid-Andrist. Die Stimmbeteiligung betrug 37,7 Prozent.

Forderung nach Gutachten

Nun wolle man sich erst recht einsetzen für die Freihaltung des Landes. Inge Berger kündigte sogleich an, dass sie sich generell gegen die «Zubetonierung und Zerstörung» der Stadt stark machen wolle. Wulf Vogel, Sprecher der Initianten vom Schlossweg, konnte es ebenfalls kaum glauben. «Das freut uns unheimlich.» Der Bürger wolle diese Bauerei nicht. Jetzt müssten die Verantwortlichen nachdenken, und er hoffe, dass sie das richtig machen.

Ebenso wie Schmid fordert auch Vogel, dass nun das Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (NHG) realisiert wird.

Deutliches Signal

Genau dasselbe fordert auch Gemeinderat Jost Rüegg von der Freien Liste. Er war freudig überrascht vom Resultat. «Das ist ein deutliches politisches Signal gegen die Zubetonierung.» Wohingegen die Befürworter einer Bebauung stets nur juristisch argumentierten. Der Stadtrat müsse nun aktiv werden und auch überprüfen, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Eine Illusion

Stadtammann Andreas Netzle sagte, man werde nun entsprechend dem Volkswillen eine Umsetzung des Auftrages vorbereiten. Natürlich mit dem Ziel einer möglichst kostengünstigen Lösung, denn eine Ausgabe in Millionenhöhe sei in der Finanzplanung nicht vorgesehen. Dass sich in dem Resultat eine generelle Skepsis gegen den aktuellen Bauboom artikuliert, räumt Netzle ein, doch sei dieser die Folge von politisch legitimierten Einzonungen vor zehn Jahren.

Dass man die Abstimmung nun quasi als Baustop für die ganze Stadt interpretiere, sei aufgrund der rechtlichen Situation eine Illusion.

Rüllen AG kontaktiert Stadt

Andreas Binswanger, Sprecher der Landeigentümerin Rüllen AG, sagte auf Anfrage, man werde nun mit der Stadt in bezug auf die nächste Vorlage in Kontakt treten. An den bereits massiv reduzierten Plänen ändere man im Moment nichts.

Ob Bebauung oder Nichtbebauung, beides berge eine Problematik in sich. Der Stimmbürger müsse das entscheiden, so Binswanger. «Wir müssen mit beiden Varianten leben.»