Ein Wintersturm im Wasserglas

Kein einziger Besucher der Weihnachtsausstellung, dafür sechs Aussteller haben am Sonntag beim Schwimmbad eine Parkbusse eingefangen, relativiert man bei der Stadt. Stunk gab's alleweil. Seit einem Jahr besteht dort Gebührenpflicht.

Max Eichenberger
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Beim Schwimmbad besteht seit 2010 ganzjährig Gebührenpflicht, in Kleinschrift bei den Parkingmetern eingraviert. Eine Hinweistafel wie bei der Wunderbar fehlt bei der Hauptzufahrt. (Bilder: Max Eichenberger)

Beim Schwimmbad besteht seit 2010 ganzjährig Gebührenpflicht, in Kleinschrift bei den Parkingmetern eingraviert. Eine Hinweistafel wie bei der Wunderbar fehlt bei der Hauptzufahrt. (Bilder: Max Eichenberger)

ARBON. Der Parkwächter versah im städtischen Auftrag am Wochenende wie gewohnt seinen regulären Dienst. Dass er Fahrzeughalter gebüsst hat, die ihr Auto auf dem Schwimmbad-Parkplatz abgestellt haben und die Parkuhr nicht gefüttert haben, hat im Umfeld der Arwa für Aufregung gesorgt. Das sei nicht eben gastfreundlich an einer Weihnachtsausstellung mit ihren vielen Besuchern. Vor allem auch, weil in der Jahreszeit ausserhalb der Badesaison die Parkplätze wenig beansprucht würden, hiess es.

Beschluss rechtskräftig

«Das Schwimmbad-Areal gehört, wie auch der Adolph-Saurer-Quai mit Hafendamm, zur erweiterten Zone, in der seit Oktober 2010 ganzjährig die Gebührenpflicht besteht», sagt Peter Wenk, zuständig bei der Stadt für die Parkierung. Weil es damals vehemente Opposition gegeben hatte, lockerte der Stadtrat die Regelung insoweit, als die Gebührenpflicht für die Nachtstunden zwischen 19 Uhr und 7 Uhr zurückgenommen wurde. Der Beschluss des Stadtrates über die Änderung der Parkplatzbewirtschaftung sei öffentlich kommuniziert worden, erinnert Wenk, und er gelte seither.

Hinweistafel nur auf einer Seite

Eine Hinweistafel, wonach für das Parkieren beim Schwimmbad von Montag bis Sonntag bezahlt werden muss, steht bei der Zufahrt Weitegasse, auf der Höhe des Hotel Wunderbar. Der überwiegende Teil aber fährt via Grabenstrasse und Wassergasse Richtung Seepark und Schwimmbad. Dort gibt es aber keine solche Hinweistafel. Bei den Parkingmetern hingegen steht, wenn auch unauffällig, eingraviert: «Tarif täglich 07.00 – 19.00». Die neue Rechtslage ist also klar – und bricht das alte Gewohnheitsrecht. Das wissen mittlerweile Spaziergänger, die vor ihrem Lauf dort das Auto abstellen.

Kein Präjudiz schaffen

«Der stadträtliche Beschluss gilt grundsätzlich ungeachtet von Veranstaltungen im Seeparksaal», so Wenk. Das OK der Weihnachtsausstellung hätte zumindest eine Anfrage an die Stadt richten und darum ersuchen können, die Gebührenpflicht während der Arwa auszusetzen. Das ist unterblieben. Dann hätte er, so Wenk, mit dem zuständigen Stadtrat Konrad Brühwiler Rücksprache nehmen und das Gesuch beraten können.

Allerdings wäre eine befristete Ausserkraftsetzung heikel, gibt Wenk zu bedenken: «Da müsste man aufpassen, kein Präjudiz zu schaffen. Mit gleicher Begründung könnten sonst nämlich auch andere Veranstalter einen solchen Anspruch geltend machen.»

Hintertüre: Zurückhaltung üben

Eine unbürokratische Lösung hätte es immerhin geben können, wäre das Gespräch gesucht worden, meint Wenk: «Wir hätten veranlassen können, bei der Kontrolle Zurückhaltung zu üben.» So hat der Parkwächter – bei einem einzigen Kontrollgang – nur seine Pflicht getan.

Und Besucher habe es übrigens keinen einzigen getroffen – alle sechs Gebüssten waren laut Wenk Aussteller. Sie hätten vom Verkehrsdienst der Feuerwehr problemlos andere Parkplätze zugewiesen bekommen, meint Wenk. Einer habe den Parkwächter «verbal massiv attackiert».

Tafel und Stadtbild

Unbesehen der Wellen vom Wochenende werde mit der Abteilung Bau und der Polizei das Aufstellen einer zweiten Tafel geprüft, sagt Wenk – «auch wenn jede Tafel mehr das städtische Bild nicht eben verschönert».

Arwa-Präsident Kaspar Hug seinerseits wird Wenks Wink beherzigen und wird vorgängig der nächsten Weihnachtsausstellung im Stadthaus aufkreuzen.