«Ein Umdenken ist nötig»

Die Stadt Kreuzlingen und der Kanton wollen den Verkehr auf der Romanshornerstrasse beruhigen und auf der Seetalstrasse eine dritte Fahrspur für die Busse anlegen. Für eines der beiden Bauvorhaben ist eine Zustimmung der Stimmbürger nötig. Aber beides sind Pilotprojekte.

Urs Brüschweiler
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Die Busse stecken auf der Seetalstrasse Richtung Ziilkreisel oft im Verkehr fest. Für sie soll es nun eine eigene Fahrspur geben. (Bild: Donato Caspari)

Die Busse stecken auf der Seetalstrasse Richtung Ziilkreisel oft im Verkehr fest. Für sie soll es nun eine eigene Fahrspur geben. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. Dass sie mit ihren Vorschlägen nicht auf einhellige Begeisterung stossen werden, war den Männern im vornherein klar. Stadtrat Ernst Zülle und Benedikt Eberle, stellvertretender Kantonsingenieur, präsentierten am Donnerstagabend im Mehrzwecksaal des Schulhauses Seetal zwei bedeutende Verkehrsprojekte in Kurzrickenbach. Etwa 80 Interessierte waren erschienen und einige von ihnen gaben danach deutlich ihrer Skepsis Ausdruck. Die beiden Bauvorhaben auf Kantonsstrassen sind schon lange angedacht und Teil des Agglomerationsprogramms Kreuzlingen/Konstanz. «Beide Projekte haben einen prägenden Einfluss auf den Verkehrsfluss in Kreuzlingen», sagte Eberle.

Bus fährt am Stau vorbei

Auf der Seetalstrasse, zwischen dem Ziilkreisel und der Einmündung der Reutistrasse, soll über rund 200 Meter eine zusätzliche dritte Fahrspur angelegt werden. Sie führt in Richtung Bottighofen und soll ausschliesslich dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung stehen. «Der Bus soll so am Rückstau vom Ziilkreisel vorbeifahren können», erklärte Projektleiter Jürg Schär vom kantonalen Tiefbauamt. «Für die Autofahrer wird die Situation nicht verbessert, das geben wir zu. Aber wir müssen gewährleisten, dass der Bus nicht im Stau steht, sonst wird der öffentliche Verkehr nicht akzeptiert», ergänzte Stadtrat Zülle.

Im selben Zug wollen die Bauherren die seeseitige Reutistrasse baulich aufwerten. Sie wird stärker genutzt werden, weil links abbiegen aus der Zelgstrasse in die Seetalstrasse künftig untersagt sein wird. Ebenfalls werden vor die Wohnblöcke in diesem Bereich Lärmschutzwände zwischen 3,5 und 5 Metern Höhe gebaut. Es ist die vierte und letzte Etappe der Lärmsanierung auf Hafenstrasse und Seetalstrasse. Stadtrat Ernst Zülle erwähnte auch den neuen Fussgängerübergang etwa auf Höhe des Lidls. Dafür hätten sich viele Anwohner mit einer Petition eingesetzt. Um diese Massnahmen umzusetzen, benötigt man 850 Quadratmeter zusätzliches Land von Privaten.

Keine Fahrbahnmarkierungen

Nach Umsetzung dieses Projekts soll dann die Umgestaltung der Romanshornerstrasse beginnen. «Wir wollen mehr Sicherheit schaffen, das Ortsbild aufwerten und eine Verkehrsverlagerung auf die Seetalstrasse erreichen», erklärte Benedikt Eberle. Mit breitabgestützten Workshops habe man alle Anspruchsgruppen ins Boot geholt und gemeinsam nach der besten Lösung gesucht. Patrick Haltner vom kantonalen Tiefbauamt erklärte das Vorhaben: Insgesamt 1,4 Kilometer Strasse zwischen Ziilkreisel und Blaues Haus-Kreisel werden verkehrsberuhigt. Der östliche Abschnitt wird noch weitgehend «verkehrsorientiert» bleiben. Die Radstreifen werden auf 1,25 Meter verbreitert. In der S-Kurve im Zentrum von Kurzrickenbach gilt dann künftig Tempo 30. Ein Mehrzweckstreifen kommt in die Mitte der Fahrbahn zu liegen. Und ab hier bis zum Kreisel beim Blauen Haus wird die Fahrbahn verschmälert und kommt ohne weitere Markierungen aus. Bäume trennen die Strasse vom breiten Trottoir. Inseln, Abbiegestreifen und Bushaltestellen auf der Fahrbahn sorgen für eine Verlangsamung des Verkehrs. «Die Autofahrer müssen sich mehr konzentrieren», sagte Zülle.

Viel Skepsis im Publikum

In der anschliessenden Diskussion wurde vielfach bemängelt, dass die Velofahrer auf der verengten Strasse bleiben müssen. Und auch die generelle Behinderung des Autoverkehrs würde zu mehr Staus führen. Zülle verneinte diese Argumente und forderte ein Umdenken. Es gehe darum, den Verkehr zu reduzieren, indem Fahrten unattraktiver gemacht werden. Es werde so weniger Verkehr geben. Die Umgestaltung der Romanshornerstrasse ist ein Pilotprojekt. Sie wäre die erste Kantonsstrasse mit einer 30er-Zone.

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