Ein Trio in der Favoritenrolle

Sieben wollen, nur drei dürfen – die Ausgangslage vor dem zweiten Wahlgang in die Einbürgerungskommission ist spannend. Die Haltungen der Kandidierenden im Überblick.

Daniel Walt
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Mario Scherrer

Mario Scherrer

Alfred Pirotta († SVP), Markus Fischer (FDP) und Brigitte Eichmann (parteilos/Freie Gruppe) sind in der 15köpfigen Einbürgerungskommission zu ersetzen. Im ersten Wahlgang Ende November erreichte keiner von damals noch neun Bewerbern das absolute Mehr. Nun kommt es am übernächsten Wochenende zur Endausmarchung mit sieben Kandidierenden. Ein absolutes Mehr gibt es nicht, gewählt sind jene drei mit den meisten Stimmen.

Am besten abgeschnitten

In der Favoritenrolle für den zweiten Wahlgang befinden sich jene drei Bewerber, die im ersten Wahlgang klar am meisten Stimmen holten: Garagist Mario Scherrer (SVP), Krankenschwester Karin Fink (FDP) und der parteilose Fischereiaufseher Markus Zellweger. Mario Scherrer (Jahrgang 1947) überzeugte im November 989 Romanshorner und verpasste das absolute Mehr nur um 52 Stimmen. Er ist überzeugt: Es braucht Leute in der Kommission, die schon länger in Romanshorn sind. Scherrer findet, dass jene Anspruch auf eine Einbürgerung haben sollen, die sich ans Gesetz halten. Er habe auch kein Problem mit fremden Kulturen. Klar habe er mit Ausländern auch schon seine negativen Erfahrungen gemacht, auch mit eingebürgerten Personen. «Aber es gibt auch Schweizer, die sich negativ verhalten.»

Zwei mit gleich vielen Stimmen

Karin Fink (1975) erhielt im ersten Wahlgang 764 Stimmen. Sie ist stolz auf ihr Land und möchte das auch bei anderen voraussetzen. «Ich bin offen bezüglich Einbürgerungen und finde es eine gute Sache», sagt sie. Fink ist aber der Ansicht, dass die Kriterien klar erfüllt sein müssen – vor allem der Spracherwerb sei wichtig. Die Leute müssten sich zudem hier zu Hause fühlen und aktiv am Dorfleben teilnehmen. Sie setze auch eine gewisse Eigeninitiative zur Integration voraus. Markus Zellweger (1965) holte exakt gleich viele Stimmen wie Fink. Er betont den Stolz noch stärker: Der Schweizer Pass sei ein Gut, das man nicht freigebig verteilen solle, denn er könne nachher nicht mehr entzogen werden. «Auf Biegen und Brechen muss niemand eingebürgert werden», sagt Zellweger, laut dem die Jungen dereinst sagen sollen: «Vater und Mutter, Ihr habt es gut gemacht und darauf geachtet, dass unsere Schweiz noch die Schweiz ist.»

Den ersten drei auf den Fersen

Mit 713 Stimmen den vierten Platz im ersten Wahlgang belegte Elisabeth Bilgeri (1953) vom Grünen Forum. «Wer hier arbeitet und Steuern bezahlt, soll auch ein Mitspracherecht haben», so die Fachlehrerin Textiles Werken. Jenen sei eine Chance zu geben, die sich integrierten und sich einbringen wollten. Wer sich an unsere Gesetze halte, Interesse an der Kultur zeige, die Sprache beherrsche und unsere Grundrechte anerkenne, solle eingebürgert werden. «Ein Kulturmix ist bereichernd und sehr interessant», sagt sie.

Duo ins Rennen geschickt

Auf den Plätzen fünf und sechs im ersten Wahlgang lag ein Duo, das von der CVP ins Rennen geschickt worden war: Parteimitglied Sibylle Lieberherr machte 654 Stimmen, das ebenfalls von ihrer Partei portierte Nichtmitglied Thomas Walliser Keel 509. Lieberherr (1964) ist es wichtig, dass sich Menschen aus Freude und mit Stolz um das Bürgerrecht bewerben und nicht etwa kalkuliert und den Vorteil berechnend. Identifikation, auch mit den Sitten und Bräuchen, sei wichtig, angeeignetes Sachwissen sollte ihrer Meinung nach nicht ausschlaggebend sein. Viel wichtiger ist der Hausfrau und Mutter, dass alle Familienmitglieder unsere Sprache sprechen und sich am kulturellen und sozialen Leben in Romanshorn beteiligen. Für Journalist Thomas Walliser Keel (1971) sollen jene die Möglichkeit zum Mitgestalten, vor allem auf Gemeindeebene, haben, die schon lange in der Schweiz leben und sich dafür interessieren. Das entscheidende Kriterium für Walliser Keel: Die Sprache, die zeige, ob eine Integrationsbereitschaft da sei. Es gehe darum, sich an Gesetze und Vorgaben zu halten und diese korrekt umzusetzen. In der Kommission sei sachlich und nüchtern zu entscheiden.

Aussenseiterrolle

Am zweitwenigsten Stimmen (385) im ersten Wahlgang erhielt der parteilose Heinz Rutishauser (1952). Gegen eine Einbürgerung sei er, wenn man merke, dass der Gesuchsteller nicht sauber sei oder wenn er nur wegen des Passes eingebürgert werden wolle. Nichts gegen eine Einbürgerung hat der technische Kaufmann, wenn ein Bemühen zur Integration erkennbar ist, wenn alle Bedingungen erfüllt sind und wenn jemand hier aufgewachsen ist, Schule und Lehre absolviert hat und arbeitet wie Schweizer auch.

Zwei zogen sich zurück

Mit Silvia Kradolfer und Jörg Höchner (beide parteilos) haben sich zwei der neun Kandidierenden nach dem ersten Wahlgang zurückgezogen. Kradolfer lag mit 487 Stimmen auf Rang sieben, Höchner erhielt mit 372 Stimmen am wenigsten Zuspruch.

Karin Fink

Karin Fink

Markus Zellweger

Markus Zellweger

Elisabeth Bilgeri

Elisabeth Bilgeri

Sibylle Lieberherr

Sibylle Lieberherr

Thomas Walliser Keel

Thomas Walliser Keel

Heinz Rutishauser

Heinz Rutishauser

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