Ein Traditionsgeschäft schliesst

ARBON. Im Dezember beendet Blumen Klaus seinen Verkauf an der Rebhaldenstrasse. Es sind aber weder wirtschaftliche noch gesundheitliche Gründe, welche die Inhaber zu diesem Schritt veranlassen.

Martina Luterbacher
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Schon bald Vergangenheit: Bruno und Roswitha Klaus in ihrem Blumenladen. (Bild: Martina Luterbacher)

Schon bald Vergangenheit: Bruno und Roswitha Klaus in ihrem Blumenladen. (Bild: Martina Luterbacher)

ARBON. «Man soll dann aufhören, wenn's am schönsten ist.» Ein oft gehörter Satz, und trotzdem wagt es kaum jemand, ihn zu verwirklichen. Nicht so allerdings Roswitha und Bruno Klaus. Die Inhaber des Blumengeschäfts an der Rebhaldenstrasse haben beschlossen, ihren Laden im Dezember zu schliessen.

«Der richtige Zeitpunkt ist da»

«Dahinter stecken keinerlei wirtschaftliche oder gesundheitliche Gründe», versichert Bruno Klaus. Vielmehr will das Ehepaar das Geschäftsleben «bewusst entschleunigen» und selber den Zeitpunkt wählen, wann eine Veränderung stattfinden soll. «Wir haben viele unserer Ziele erreicht, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den zeitraubenden Verkauf zu schliessen», sagen sie.

Den Berufsalltag geben Roswitha und Bruno Klaus nicht gänzlich auf. Die bestehenden Dienstleistungen im Bereich der Terrassen- und Innenbegrünung, den Hydrokultur- und Überwinterungsservice in der Gärtnerei in Amriswil führen sie weiter.

Ein wohlüberlegter Schritt

Blumen Klaus besteht seit dem Jahr 1960, vor 25 Jahren übernahm Bruno Klaus den Betrieb von seinem Vater. Einen Laden mit so viel Tradition schliesst man nicht einfach ohne weiteres. «Es hat viel Überlegungen, Organisation und einiges an Mut benötigt, diesen Schritt zu realisieren», sagt der 51-Jährige.

Vor eineinhalb Jahren konkretisierten sich die Pläne. Die Klaus' stellten keine neuen Lehrlinge ein, um ihnen dann nicht mitten in der Ausbildung kündigen zu müssen. Auch für die letzte Mitarbeiterin suchten und fanden sie eine gute Lösung.

«Wir haben uns schon bei der Übernahme des Geschäfts als Ziel gesetzt, früh wieder neuen Kräften Platz zu machen», sagt Bruno Klaus. Für ihren Sohn Marco, bald Student an der Universität St. Gallen, war es jedoch keine Option, das elterliche Geschäft weiterzuführen. Und für einen Verkauf, wäre der Betrieb zu gross und zu teuer gewesen.

Grossverteiler keine Konkurrenz

Innerhalb der letzten Jahre, schlossen in Arbon drei Blumengeschäfte ihren Verkauf. Hat es am Standort Arbon zu viele Anbieter? Bruno Klaus verneint. «Zu Spitzenzeiten war der Markt sicherlich gesättigt, aber zu viel Konkurrenz hatte es nie», sagt er. Mittlerweile hätte es auch durchaus wieder Platz für einen weiteren Blumenladen in Arbon, fügt seine Frau an. Auch in den Blumenabteilungen der Grossverteiler sieht Roswitha Klaus keine Konkurrenz für Blumenläden. «Migros und Coop sind seit jeher starke Mitbewerber, wir haben gelernt miteinander zu leben», sagt sie.

Ausserdem sehe sie deren Angebot eher als eine Art Ergänzung, das anderen Bedürfnissen nachkomme. «Die Produkte und Dienstleistung sind nicht zu vergleichen mit einem spezialisierten Blumengeschäft», sagt Roswitha Klaus.

Der erste stressfreie Advent

Die neugewonnene Zeit möchte das Ehepaar vorerst einfach geniessen. Pläne für die Zukunft haben sie viele – auf etwas freuen sich die beiden aber besonders: Die ersten Weihnachten ohne Geschäftsstress stehen vor der Tür. «Wir können zum ersten Mal der hektischen Adventszeit von aussen zuschauen und uns am Schönen erfreuen», freut sich Bruno Klaus.