«Ein tiefes Gefühl echter Freude»

AMRISWIL. Die Stadt Amriswil verlieh dem Spieleerfinder Ueli Frei den Kulturpreis 2012. Der Anerkennungspreis ging an den Kutschensammler Robert Sallmann. Die beiden Geehrten zeigten sich berührt.

Rita Kohn
Merken
Drucken
Teilen
Die beiden Preisträger Ueli Frei und Robert Sallmann freuen sich über die Anerkennung. (Bild: Reto Martin)

Die beiden Preisträger Ueli Frei und Robert Sallmann freuen sich über die Anerkennung. (Bild: Reto Martin)

AMRISWIL. Es war ein bewegender Moment für den 81jährigen Robert Sallmann, als er am Dienstagabend den Anerkennungspreis der Stadt Amriswil erhielt. Mit zunehmendem Alter empfinde man Freude nicht mehr ganz so intensiv, sagte der Geehrte. Das sei an diesem Abend aber anders: «Durch diese Anerkennung empfinde ich ein tiefes Gefühl echter Freude.» Dafür sei er dankbar.

Andreas Müller, Kulturbeauftragter der Stadt, schilderte den Moment, in dem er Robert Sallmann mitteilte, dass er den Anerkennungspreis erhalten werde. Er habe erst gestutzt und dann, nach einigem Nachdenken gesagt: «Momol, es isch eigentli a de Ziit.» Zudem habe er gemeint, er hoffe, dass er die Preisverleihung noch erleben dürfe.

Tatsächlich hat es lange gedauert, bis dem einstigen Unternehmer und Kutschensammler diese Wertschätzung zuteil wurde. An der Preisverleihung bewies Robert Sallmann, dass er nichts von seinem feinen Humor verloren hat. Mehrfach brachte er das Publikum mit seiner humorvollen Gemeinsamkeit mit Stadtammann Martin Salvisberg zum Lachen.

Sammelmann Sallmann

Für die Laudation hatte Hans Ruedi Fischer alias fis in seinen Erinnerungen gekramt. Der gebürtige Amriswiler fand warme und anerkennende Worte für den Preisträger.

Er sei ein überlegter, weitsichtiger Patron gewesen, sagte fis, ein feinsinniger, freisinniger Politiker und mit 13 Enkelkindern ein verehrter Nonno, dessen Güte und Freundlichkeit weit über den Familienkreis hinaus spürbar sei. «Nach dem Willen der Amriswiler Kulturkommission wird indessen hier und heute der Sammelmann Sallmann in den Sattel gehoben und auf eine verdiente Ehrenrunde geschickt.»

Der Anerkennungspreis ist lediglich mit einer Ehrung, nicht aber mit einer Geldleistung verbunden. So machte sich der passionierte Kutschensammler am Dienstag selber ein Geschenk: Er kaufte sich eine weitere Kutsche. Bewundert werden konnte das neueste Stück der Sallmanschen Sammlung gleich vor Ort. Denn nebst einem Exponat aus der Sammlung stand auch die Neuerwerbung zum Bestaunen im Kulturforum ausgestellt.

Ungewohntes Rampenlicht

Anders als Bestseller-Autoren würden die Erfinder von Spielen kaum je im Rampenlicht stehen, führte Andreas Müller zum zweiten Preisträger über: Kulturpreisträger 2012 ist der Spieleerfinder Ueli Frei. Zusammen mit seinen zwei Brüdern hat der Räuchlisberger den Icon-Poet entwickelt, der in den letzten Monaten den deutschsprachigen Raum erobert hat. Um den Charme des Spieles sichtbar zu machen, wurden denn auch gleich vier Kulturbegeisterte auf die Bühne gebeten, wo sie dem Publikum in drei Durchgängen witzige Kurzgeschichten zu den jeweils zufällig gewürfelten Icons präsentierten. Kolumnenschreiber Rolf Hess, Buchhändlerin Martina Küng, Regisseur Florian Rexer und Urs Poltéra stellten sich der Herausforderung und brachten mit ihren witzigen Einfällen das Publikum zum Lachen. Immerhin hatten sie sich einer nicht ganz einfachen Aufgabe gestellt: In drei Minuten galt es beispielsweise, eine politische Rede zu schreiben, in der die Icons «Leiter», «Befruchtung», «Schlittschuh», «Sessel» und «Glocke» enthalten waren. Es erwies sich, dass die Runde geschickt zusammengestellt war, hatte doch das Publikum einiges zu lachen.

Nachdem sein Spiel auf diese spielerische Weise vorgestellt worden war, ehrte Gabi Niederer den Preisträger mit einer sehr persönlichen Laudatio. Spielen sei für sie, als Erwachsene wieder Kind sein zu dürfen. Es heisse auch, sich Zeit zu nehmen und sich aus der Alltagshektik verabschieden. Doch nicht nur das: Sie trage stets ein Würfelset in der Tasche bei sich, sagte sie. Zum Einsatz kämen diese Würfel aber nicht nur beim Spiel, sondern auch in ihrer täglichen Arbeit mit den Menschen. Oft würden die Würfel eine Situation in ein neues Licht stellen und Ressourcen aufzeigen.

Verblüffender Moment

Der Preisträger selber zeigte sich bescheiden. «Ich stehe hier als einer von dreien, die das Spiel entwickelt haben», sagte Ueli Frei. Er sei verblüfft gewesen, als er gehört habe, dass er den Kulturpreis zugesprochen bekommen habe. Wenn er sehe, mit wie viel Spass die Leute den Icon-Poet spielten, sei dies auch ein Lohn für die Arbeit. Eine Arbeit, die er ohne die vielen Menschen im Hintergrund nicht bewältigen könnte, wie er gestand. So dankte er all jenen, die dazu beigetragen hätten, dass der Icon-Poet überhaupt auf den Markt kommen konnte.

Das gemütliche Beisammensein nach der Feier - die von der Stadtharmonie musikalisch umrahmt wurde - bot dem Publikum schliesslich Gelegenheit, mit den Preisträgern ins Gespräch zu kommen oder sich vertieft mit dem Spiel Icon-Poet auseinander zu setzen.