Ein Stück Industrietradition geht unter

BISCHOFSZELL. Über die Schliessung der Tubi.ch ist der ehemalige Geschäftsführer Klaus Stürm enttäuscht. Er und Stadtammann Josef Mattle setzen sich für die industrielle Zukunft des Tubi-Gebäudes ein.

Cyrill Rüegger
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Seit Mittwoch ist klar: Die H. Obrist & Co. AG steht vor dem Aus und schliesst nebst dem Werk in Reinach auch die Tubi.ch in Bischofszell. «Diese Nachricht war für mich ein grosser Schock», sagt Klaus Stürm, ehemaliger Geschäftsführer der Tubi. «40 Jahre lang habe ich mich dafür eingesetzt, die soziale Verantwortung wahrzunehmen. Dass man die Reorganisationsbemühungen nach so kurzer Zeit abbricht, bedaure ich.» Erst vor zwei Jahren hatte die Firma H. Obrist & Co. AG die Tubi.ch übernommen.

Gründe sind nachvollziehbar

Als Grund für die Schliessung nennt Richard Jauslin, CEO der Obrist AG, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der hohen Herstellungskosten und des starken Schweizer Frankens. Diese Erklärung könne er nachvollziehen, sagt Klaus Stürm. «Ob die Aufzählung vollständig ist, bin ich allerdings nicht sicher.»

Von der Schliessung betroffen zeigt sich auch der Bischofszeller Stadtammann Josef Mattle. «Mit der Tubi.ch geht eine lange Industrietradition unter.» Mattle war nach der Ankündigung über die mögliche Schliessung Mitte August noch optimistisch gewesen, dass die Obrist AG den Betrieb in Bischofszell nicht total schliessen wird. «CEO Richard Jauslin hat mir damals gesagt, dass die Auftragsbücher gefüllt seien und die Firma mit anderen Betrieben in Verhandlungen bezüglich Übernahme stehe», sagt Mattle.

Während des zweiwöchigen Konsultationsverfahrens hat sich allerdings keine Lösung ergeben. Ende November wird die Tubi.ch deshalb geschlossen. 64 Arbeitsplätze gehen verloren.

Mattle bleibt optimistisch

Josef Mattle hat sich in den letzten Wochen bereits auf eigene Faust nach Interessenten umgehört. Wegen des laufenden Konsultationsverfahrens seien ihm aber teilweise die Hände gebunden gewesen.

«Ich weiss nicht, wie es nun weitergeht», sagt Mattle. Er werde sicherlich noch einmal seine Kontakte spielen lassen. «Ich bin optimistisch, dass das Gebäude der Tubi.ch auch in Zukunft mit industriellem Leben gefüllt sein wird.» In welcher Form dies sein wird und ob einzelne Arbeiter der Tubi.ch dort Unterschlupf finden, sei momentan aber noch nicht absehbar.

Das Gebäude der Tubi.ch gehört nach wie vor der Helwa AG aus Bischofszell, in der Klaus Stürm als Delegierter des Verwaltungsrats tätig ist. «Sobald feststeht, dass die Tubi.ch AG die Räumlichkeiten per 30. September 2014 verlässt, werden wir uns darauf konzentrieren, neue Mieter zu finden», sagt er.