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Ein Selbstmord betrifft mehrere Leben

30 Personen haben am Donnerstag dem Vortrag «Suizid. Wie begegnen Eltern und Bezugspersonen diesem Thema?» beigewohnt. Die Elternbildung der Sekundarschule hatte den Anlass organisiert.
Rudolf Steiner
Bianca Indino und Roswitha Keller-Hilzinger folgen den Ausführungen von Markus Tedesco. (Bild: Rudolf Steiner)

Bianca Indino und Roswitha Keller-Hilzinger folgen den Ausführungen von Markus Tedesco. (Bild: Rudolf Steiner)

Man spricht in der Öffentlichkeit nicht gerne über dieses Tabuthema, obwohl die Schweiz mit jährlich bis zu 1400 Suiziden eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate hat. Jeden Tag nehmen sich im Schnitt vier Personen das Leben. Dazu kommen noch eine hohe Dunkelziffer und Suizidversuche, deren Zahl auf bis zu 20 000 geschätzt wird. «Suizidalität ist keine Krankheit, denn Suizide kommen auch bei gesunden Menschen vor», betonte Markus Tedesco, Oberarzt beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst Thurgau (KJPD) am Donnerstagabend im Thomas-Bornhauser-Schulhaus.

«Es bestehen grosse regionale als auch zeitliche, alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede.» So steige die Quote bei Jugendlichen nach dem zwölften Lebensjahr stark an und sie sei bei Knaben etwa doppelt so hoch wie bei Mädchen. Die frühzeitige Erkennung der Suizidalität und die Vorbeugung von Selbstmorden bei Jugendlichen war der Schwerpunkt der Veranstaltung am Donnerstagabend, die vom ehemaligen Schulinspektor Hans Krüsi moderiert wurde.

Romantische Vorstellung von Wiedergeburt

Tedesco erwähnte Ursachen und Gründe für Suizide und Suizidversuche: Die Genetik, persönliche Krisen und als neue Erscheinungen auch Cybermobbing gehören dazu. Auch der Nachahmungseffekt spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Tedesco erwähnte den Fall des ehemaligen deutschen Nationaltorhüters Robert Enke, nach dessen Freitod ein markanter Anstieg von Schienensuiziden feststellt wurde. Nach einem misslungenen Suizidversuch blieben die Risikofaktoren während Jahrzehnten erhöht. Bei Jugendlichen habe man zudem folgende Besonderheiten festgestellt: Die Romantisierung des Todes, Vorstellung von Wiedergeburt und Start in ein besseres Leben, Pubertät als kritisches Lebensalter, Beziehungsprobleme. Warnzeichen, die man im Kontakt mit Jugendlichen ernsthaft beachten müsse, seien sozialer Rückzug, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Handlungsdruck und Verabschiedung von Menschen.

Beim Umgang mit Jugendlichen mit Suizidabsichten besteht im Kanton Thurgau ein gut eingespieltes, professionelles Hilfs- und Auffangnetz. Es wurde am Vortragsabend von Roswitha Keller-Hilzinger von der Perspektive Thurgau und Bianca Indino, Schulsozialarbeiterin in Märstetten, vorgestellt. Man müsse für Warnsignale aufmerksam sein und dementsprechende Äusserungen und Vorbereitungshandlungen immer ernst nehmen, waren die Ratschläge an die rund 30 Anwesenden. Dazu gehörten beispielsweise Unterstützung holen, zuhören und nicht allein lassen sowie das Unzugänglichmachen von Suizidwegen wie beispielsweise Waffen oder Medikamente.

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