Ein Schloss war es nie

Die Offiziersgesellschaft Bodensee hatte das Privileg, das Schlössli Ottoberg zu besichtigen. Die Mitglieder erfuhren viel über dessen Retter Robert Holzach.

Margrith Pfister-Kübler
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Referent Franz Norbert Bommer. (Bild: kü)

Referent Franz Norbert Bommer. (Bild: kü)

OTTOBERG. Selbst in der Offiziersgesellschaft Bodensee gibt es solche, die noch nie im Schlössli Ottoberg waren, gestand deren Präsident Thomas Hugentobler aus Wil. An militärischem Hintergrund habe das Schlössli auch nichts zu bieten, der «militärische Touch» sei erst später hinzugekommen, sagte Franz Norbert Bommer, der Referent.

Den Onkel überredet

Bommer ist ehemaliger Weinfelder Gerichtspräsident und seit 1999 Präsident der Kulturstiftung Ottoberg. Das Erdgeschoss des historischen Gebäudes mit Keller, Regimentsstube, Esszimmer und Bibliothek steht der Stiftung zur Verfügung; die vier Wohnungen und das Atelier des ehemaligen Backhauses, die ebenfalls zur Liegenschaft gehören, sind vermietet. Die Kulturstiftung hat inzwischen mit weit über einer Million Franken Projekte oder Personen unterstützt; 50 000 Franken pro Jahr. Jetzt werde es aber weniger, weil die Zinsen zurückgehen, sagte Bommer. «Franz Norbert Bommer ist mein Onkel, so konnte ich ihn überreden, dass wir ins Schlössli überhaupt rein dürfen», klärte Valentin Hasler, Gemeinderat in Weinfelden, das Besuchsprivileg auf.

Als Veranstaltung zur Militärgeschichte des Kantons Thurgau wurde der Abend bei der Offiziersgesellschaft Bodensee angesagt. Es wurde viel mehr. Der Referent liess das ganze Spektrum ums Schlössli Ottoberg, das nie ein Schloss war, und dessen Retter Robert Holzach, gestorben 2009, aufleuchten. Mit Standarten, Fahnen und einem wassergekühlten Maschinengewehr, für welches jedes Jahr eine Bewilligung fürs Aufstellen in einem Privathaus eingeholt werden muss, und dem Porträt von Robert Holzach war die Kulisse im Keller perfekt.

Der Stiftung geschenkt

Das Schlössli wurde 1794 von Heinrich Boltshauser erbaut, damals Pächter der Mühle Altenklingen. Nach wechselvoller Geschichte erwarb es Robert Holzach 1970 in desolatem Zustand, restaurierte und schenkte es inklusive zweier Nachbarliegenschaften an seinem 70. Geburtstag der Thurgauischen Kulturstiftung Ottoberg. «Vom Sozius des Motorrades aus, als Kompaniekommandant, hat er das Schlössli einst entdeckt, sich diesen Wunsch erfüllt und sich auf ein Spiel mit Lotteriecharakter eingelassen», erzählt Bommer, der zweimal Adjutant bei Holzach war. Nach dem Referat durften die Gäste alle Räume besichtigen.