Ein Schloss für 150 Pferde

Am Amriswiler Museumssonntag erfuhren die zahlreichen Besucher von Alfons Angehrn, wie die Familie vor 200 Jahren zum Wasserschloss Hagenwil kam und wie die Schlossherren im 19. Jahrhundert lebten.

Hugo Berger
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Die Familie Angehrn und ihr Schloss: Anne-Marie mit Enkelkind Mila, Alfons, Daniela und Andi. (Bild: Hugo Berger)

Die Familie Angehrn und ihr Schloss: Anne-Marie mit Enkelkind Mila, Alfons, Daniela und Andi. (Bild: Hugo Berger)

AMRISWIL. Die Geschichte eines alten Schlosses und dessen Bewohner vermag die Menschen nach wie vor zu faszinieren, wie sich am Sonntag im Ortsmuseum zeigte. Und wann hat man schon Gelegenheit, vom Schlossherrn selbst zu erfahren, wie seine Vorfahren zum Schloss kamen und wie sie dort hausten. Alfons Angehrns Familie führt das rund 800 Jahre alte Wasserschloss Hagenwil und seinen Restaurationsbetrieb in sechster Generation.

Es begann mit einem Turm

Alfons Angehrn, der sich in den letzten Jahren intensiv mit der Geschichte des Schlosses befasste, stiess bereits bei der Entstehung im 13. Jahrhundert auf eine Überraschung: Wo sich heute das Schloss als kompakter Bau präsentiert, stand lediglich ein Turm. Erst im Verlaufe vieler Jahre wurden die weiteren Gebäude hinzu gebaut.

Lange Zeit war das Schloss im Besitze des Klosters St. Gallen, bis Benedikt Angehrn es 1806 bei einer Versteigerung erwarb. Die 13 650 Gulden, die er bezahlte, seien ein stolzer Preis gewesen, bemerkte Alfons Angehrn und verglich: «Ein Pferd, das damals sehr wertvoll war, kostete 90 Gulden. Das Schloss hatte also einen Gegenwert von 150 Pferden.»

Von einem feudalen Leben waren die Schlossherren und deren Familien weit entfernt. Wie aus Angehrns Schilderungen hervorgeht, war vor allem Arbeit angesagt. Über seine Grosseltern erzählte der jetzige Schlossherr: «Grossmutter kochte auf einem kleinen Holzherd die Mahlzeiten für zwanzig Personen, und Grossvater hatte mit seinen zahlreichen Ämtern viele Termine».

Im Weiher ertrunken

Auch von Unglück blieben die Schlossleute nicht verschont. 1936 brannte die grosse Scheune bis auf die Grundmauer nieder. Ein tragischer Unfall ereignete sich 1890. Zwei Buben, die sich auf dem mit Algen verwachsenen Weiher mit Flössen vergnügten, stürzten ins Wasser. Der Vater, der sie retten wollte, ertrank mit ihnen.

Angehrn verschwieg nicht, dass der Erhalt des Schlosses teuer ist. Um das einzige noch bestehende Wasserschloss in der Ostschweiz zu erhalten, wurde daher der Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» ins Leben gerufen.