Ein Prozess wäre noch kostspieliger

ARBON. Wegen eines Planungsfehlers wölbte sich beim Bau der Sporthalle der Betonboden. Um einen Prozess mit hohem Kostenrisiko und jahrelanger Bauverzögerung zu vermeiden, schliessen die Beteiligten einen Vergleich. Es geht um die Deckung eines Schadens von 1,33 Millionen Franken.

Max Eichenberger
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Teure Sanierung: Der gewölbte Boden beim Neubau der Sporthalle wird ausgebaut und neu betoniert. (Bild: Max Eichenberger)

Teure Sanierung: Der gewölbte Boden beim Neubau der Sporthalle wird ausgebaut und neu betoniert. (Bild: Max Eichenberger)

Es ist der verhängnisvolle 4. Juni, als das Debakel sichtbar wird: Die betonierte Bodenplatte hat dem Druck des Grundwassers nicht standgehalten – und sich um 26 Zentimeter gewölbt. Dass sie mit einer Dicke von 35 Zentimetern zu schwach dimensioniert gewesen ist, sei nicht primär ursächlich für die Deformierung, hat der beigezogene Gutachter festgestellt.

Verbindung funktionierte nicht

Mikropfähle, die 8 bis 14 Meter in die Tiefe gebohrt worden waren, hätten die Betonplatte so verankern sollen, dass diese den auf die Wanne wirkenden Auftriebskräften standhält. Fatalerweise wurden dafür offensichtlich zu wenige Pfähle gebohrt. Vor allem aber habe deren Verbindung zur Platte laut dem neutralen Experten nicht funktioniert. Nachdem zunächst der Wasserspiegel künstlich abgesenkt worden war, um den Betonboden zu entlasten, ruhte die Baustelle während Monaten. Der Schaden musste erst einmal genau eruiert und beziffert, das Sanierungskonzept ausgearbeitet und die delikate Haftungsfrage, zumindest annähernd, geklärt werden.

«Zum Vergleich verdammt»

Die Beteiligten haben sich nun auf eine pragmatische Vergleichslösung einigen können, die Sekundarschulpräsident Hanspeter Keller und Versicherungsexperte Andreas Rüegg an einer Veranstaltung der Interpartei skizzierten. Damit könne ein langer Prozessweg umgangen werden mit dem Szenario, dass die Halle jahrelang als ein unfertiger Torso dastünde.

Die Sekundarschulgemeinde (SSG) ist rechtlich Bauherrin und stehe «als alleinige Körperschaft auch im Risiko», sagt deren Präsident Hanspeter Keller. Dies, obwohl die Stadt Arbon («Einkauf» für Vereine) und der Kanton (das Bildungszentrum beansprucht eineinhalb Hallen für den Turnunterricht) Baubeiträge von 9,2 Millionen Franken leisten.

Das Kostenrisiko wäre letztlich auch für die SSG höher gewesen, wenn der Fall an die Gerichte delegiert worden wäre, betont Rüegg – abgesehen von der enormen Bauverzögerung mit einem Rattenschwanz von Betroffenen. Bluten müssten bei einer gerichtlichen Anrufung alle mehr. «Darum war man zum Vergleich verdammt.»

Schaden von 1,33 Millionen

Der ganze Bauschaden mit Folgekosten beläuft sich auf satte 1,33 Millionen Franken. Davon entfällt eine Million auf die Sanierung. Durch die Bauverzögerung entstehen Kosten von 160 000 Franken. Da musste beispielsweise ein Lieferant die vorgefertigte Dachkonstruktion einlagern. Dies zieht sich weiter bis zur längeren Stehzeit der Gerüste. Bei der Schule laufen monatliche Kosten von 30 000 Franken auf. Darunter fallen etwa Schulbuskosten und die Miete für die Halle in Roggwil, wohin die Schüler zum Turnen gefahren werden. Hinzu kommen – zu- lasten der SSG – die sogenannten «Ohnehin-Kosten» von 120 000 Franken. Soviel macht, ausgedeutscht, der Mehraufwand aus, wenn die Bodenverankerung von Anfang an richtig dimensioniert gewesen wäre.

Ein politisches und unternehmerisches Desaster und ein Ausufern der Kosten könne durch den Vergleich minimiert werden. Dazu bieten alle Hand – und leisten ihren Obolus. Die Schuldfrage indessen wird rechtlich nicht aufgearbeitet. Abklärungen des neutralen Experten grenzen immerhin die Haftungsquote «zwischen 70 und 100 Prozent» beim planenden Ingenieur ein. «Und wenn seine Schuld zu 200 Prozent erwiesen wäre: der Schaden überstiege die Versicherungssumme von 0,95 Millionen Franken», machte Rüegg deutlich. Diese sei im übrigen marktüblich bei einem mittelgrossen Büro. Würden die Gerichte das mutmasslich fehlbare Büro zu einer Leistung verpflichten, wäre die SSG schlechter bedient. «Zugute haben und letztlich bekommen: das ist ein Unterschied», weiss der Versicherungsjurist.

SSG «mit hellblauem Auge»

So sind jetzt die ungedeckten Kosten in einem Deal auf verschiedene Beteiligte aufgeteilt worden. 1,132 Millionen – mehr als die Versicherungssumme ausmacht – hat der Versicherer letzte Woche überwiesen. Rüegg: «Die Gelder fliessen so in den richtigen Kanal, nämlich in die Behebung des Schadens.» Der Planer streicht seine Honorare von 46 000 Franken ans Bein; zu seinen Lasten geht auch – in Raten – der Selbstbehalt von 50 000 Franken.

Mit einem Anteil von 152 000 kommt die SSG laut Rüegg «mit einem hellblauen Auge davon», obschon auch sie habe Zugeständnisse habe machen müssen. Diese Kosten deckt die SSG über die Laufende Rechnung ab. Präsident Hanspeter Keller zufolge ist dieser Betrag ins Budget 2013 aufgenommen worden. Bei den weiteren Mehrkosten von 120 000 Franken hofft er, mit der Stadt und dem Kanton einen Kostenteiler zu finden. Die im Kredit eingeplanten Reserven von 350 000 Franken würden bereits beansprucht für Einrichtungen. «Der Schadenfall wird unsererseits nicht zu einem Nachtragskredit führen.»

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