Ein Platz zum Spielen und Sein

Das Kinderprojekt Arche Kreuzlingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen einen Ort zu bieten, wo sie ihre Freizeit verbringen können. Das Angebot kommt gut an. Der Mittagstisch hingegen hat noch freie Plätze.

Nicole D'orazio
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Basteln macht allen Spass: Die sozialpädagogische Mitarbeiterin der Arche, Domenica Stark (2. v. r.), arbeitet mit drei Mädchen an Bildern. (Bild: pd)

Basteln macht allen Spass: Die sozialpädagogische Mitarbeiterin der Arche, Domenica Stark (2. v. r.), arbeitet mit drei Mädchen an Bildern. (Bild: pd)

KREUZLINGEN. Vor dem Mittag ist es ruhig in den Räumen des Kinderprojektes Arche an der Romanshornerstrasse 29. Zwei kleine Mädchen kommen herein und fragen, ob sie spielen dürfen. Einrichtungsleiter Mathias Wegmüller begrüsst die beiden und fragt, ob die Eltern wissen, dass sie hier seien. Die beiden nicken, und er lässt sie ins Spielzimmer. «Wenn die Eltern nicht informiert sind, schicken wir die Kinder wieder nach Hause.»

In der Arche sind alle Kinder und Jugendliche ab dem Kindergarten bis zur Oberstufe willkommen. «Wenn Jüngere kommen, schicken wir diese natürlich nicht weg.» Geöffnet hat sie von 11.45 bis 17.30 Uhr. «Wir bieten den Kindern einen Platz zum Sein, wo man sich für sie Zeit nimmt und wo man sie mag», erklärt Wegmüller. Dazu gehörten auch Hilfe bei den Hausaufgaben, dem Zusammenstellen einer Bewerbungsmappe oder beim Suchen einer Lehrstelle.

Keine Konkurrenz

Man sei jedoch kein typischer Kinderhort, da man gegenüber den Eltern kein offizielles Betreuungsverhältnis eingehe, betont Wegmüller. «Die Kinder können kommen und gehen, wann sie wollen. Die Arche ist gratis.» Man sehe sich darum nicht als Konkurrenz zu anderen Horten.

Die Idee zur Arche sei entstanden, weil man gesehen hatte, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Freizeit auf der Strasse verbringen, erklärt Wegmüller. «Nach dem Vorbild der Arche in Deutschland haben wir 2010 einen gemeinnützigen Verein gegründet, der den Hort betreibt.» Dieser finanziere sich zu hundert Prozent aus Spenden. «Wir schreiben Firmen und Stiftungen an, erhalten aber auch von Privatpersonen immer wieder einen Zustupf.» Angefangen habe man mit einem Nachmittag in der Woche, mittlerweile habe man von Montag bis Freitag offen. Vier Personen seien festangestellt, viele würden ehrenamtlich mithelfen.

«Es läuft sehr gut. Pro Nachmittag sind zwischen 30 und 50 Kinder hier. Dann geht die Post ab», erzählt der Leiter und lacht. 25 bis 30 Kinder kämen täglich. Diese schätzen, dass sie willkommen seien und jemand ein offenes Ohr für sie habe. «Wir arbeiten aus Beziehungen raus und haben Regeln.» Die Älteren würden etwas mithelfen und seien ein Vorbild. «Das funktioniert gut.»

Mittagstisch hat noch Potenzial

Seit bald einem Jahr bietet die Arche einen Mittagstisch für sieben Franken pro Mahlzeit an. «Es kommen zwischen 5 und 15 Kinder, das ist unterschiedlich», bilanziert Wegmüller. «Das Angebot ist gut gestartet, hat aber noch Potenzial.» Man sei eben etwas von den Schulen entfernt, die meisten Kinder kämen aus dem Schulhaus Seetal. Sollte ein Elternteil einmal mitessen wollen, sei das überhaupt kein Problem, sagt der Leiter. «Doch das wird bisher nur selten genutzt.»

Mathias Wegmüller, Leiter. (Bild: Manuel Garzi)

Mathias Wegmüller, Leiter. (Bild: Manuel Garzi)