Ein Paukenschlag

Die Betreiberin des Betreuungs- und Pflegezentrums zieht sich schrittweise aus dem Schloss zurück. Im Sommer 2017 soll Schluss sein, die Zukunft des Gebäudes ist ungewiss.

Georg Stelzner
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Schloss Hauptwil: Im 17. Jahrhundert auf einer Terrasse am Südhang des Bischofsbergs errichtet. (Bild: Georg Stelzner)

Schloss Hauptwil: Im 17. Jahrhundert auf einer Terrasse am Südhang des Bischofsbergs errichtet. (Bild: Georg Stelzner)

Gegenüber den Heimbewohnern bringt Peter di Gallo, Verwaltungsratspräsident der Schloss Hauptwil AG, sein Bedauern über die geplante Aufgabe des Heimbetriebs zum Ausdruck. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens mache diesen Schritt unausweichlich, argumentiert er. Das Schloss bietet 57 Wohnplätze, 34 davon sind von Erwachsenen mit einer psychischen, psychosozialen, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung oder einer Suchterkrankung belegt. Die übrigen Plätze stehen Betagten, die einer intensiven Pflege bedürfen, zur Verfügung.

Der unternehmerische Entscheid der Schloss Hauptwil AG kam auch für den Gemeindepräsidenten von Hauptwil-Gottshaus unerwartet. Matthias Gehring spricht von einer «Überraschung». Die Nachricht sei ihm von Peter di Gallo Ende Oktober persönlich mitgeteilt worden.

Ein profitabler Betrieb ist nicht möglich

Die Bewilligung zur Führung des Betreuungs- und Pflegezentrums läuft Ende 2016 aus. Für eine dauerhafte Verlängerung müssten ausser den denkmalpflegerischen Anforderungen weitere gesetzliche Auflagen erfüllt werden. Laut Peter di Gallo verlange das kantonale Amt für Gesundheit umfangreiche Sanierungen sowie eine Renovation der Zimmer, der sanitären Anlagen und der Haustechnik. Die Denkmalpflege wiederum dränge auf eine vollständige und fachgerechte Fassadensanierung. Für Peter di Gallo steht somit fest: «Das alte, baufällige Gebäude eignet sich für einen zeitgemässen Heimbetrieb nicht mehr.» Die Di-Gallo- Gruppe hatte das Schloss 2009 von der Thurgauischen Gemeinnützigen Gesellschaft erworben.

Der Verwaltungspräsident gibt zu bedenken, dass für eine authentische Restaurierung des historischen Gebäudes sowohl im Innen- wie im Aussenbereich mit Kosten von rund 15 Millionen Franken gerechnet werden müsste. Investitionen dieser Grössenordnung seien vom Unternehmen nicht zu stemmen.

Den Jahresumsatz der Schloss Hauptwil AG beziffert Peter di Gallo mit 4,4 Millionen Franken. Der Betrieb sei defizitär. Subventionen erhalte man keine, und seit der Gründung sei auch noch nie eine Dividende ausgeschüttet worden. «Demgegenüber wurden – trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation – Investitionen von mehr als 1,5 Millionen Franken in die Gebäude und in den Betrieb getätigt», erklärt Peter di Gallo.

Arbeitnehmer erhalten Kündigung auf Ende März

Für den Gemeindepräsidenten ist der Entscheid der Heimbetreiberin vom wirtschaftlichen Standpunkt aus nachvollziehbar. Andererseits bedauert er die Massnahme. «Etwas zu verlieren, ist nie schön», sagt Gehring. Das Heim und seine Bewohner hätten sich in letzter Zeit gut ins Leben der Gemeinde integriert. «Zudem kommt uns mit dem Ende des Heimbetriebs im nächsten Jahr einer der grössten Arbeitgeber in der Gemeinde abhanden», ergänzt Gehring.

Um eine sozialverträgliche Lösung zu erreichen, hat die Schloss Hauptwil AG eine Verlängerung der befristeten Betriebsbewilligung bis Juni 2017 erbeten. Der Kanton hat diesem Gesuch inzwischen stattgegeben. Die Einstellung des Betriebs wird zur Beendigung praktisch aller 58 Arbeitsverhältnisse bis Ende März 2017 führen.

Wie es mit dem Schloss selber weitergehen soll, steht in den Sternen. Die Di-Gallo-Gruppe möchte die historisch bedeutsame Liegenschaft gern verkaufen – entweder an den Kanton oder an die Standortgemeinde.

Informationsveranstaltung, Thema: «Zukunft des Schlosses Hauptwil»: Mittwoch, 7. Dezember, 20 Uhr, Mehrzweckhalle.

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