Ein neuer tiergerechter Kuhstall

Tag der offenen Tür: Für 50 Kühe gibt es im neuen Stall von Heinz Haffa in Andwil Platz. Zum Neubau veranlasst hat ihn die neue Tierschutzverordnung, deren Übergangsfrist Mitte Jahr ausläuft.

Daniela Ebinger
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Ein neuer, offener Stall: Die Kühe können sich frei bewegen. Michael Würth füttert sie mit Heu aus dem grossen Lager hinter der Holzwand. (Bilder: Daniela Ebinger)

Ein neuer, offener Stall: Die Kühe können sich frei bewegen. Michael Würth füttert sie mit Heu aus dem grossen Lager hinter der Holzwand. (Bilder: Daniela Ebinger)

ANDWIL. Zuvorderst im Stall steht mit genügend Platz Fredi der Stier. Seine Kühe hat er durch das Gatter im Blickfeld. Für 50 Kühe baute Heinz Haffa einen tierfreundlichen Stall mit einer Offenfront. «Diese Haltung ist für die Tiere ideal», sagt der Landwirt. Im Melkstand nebenan können acht Kühe gleichzeitig gemolken werden. «In rund einer Stunde ist die Arbeit jeweils getan», sagt Haffa. Die zwei Heustöcke mit je 600 Kubikmetern Fassungsvermögen bedient Haffa mit einem Kran, der auf Schienen unter dem Dach hin und her fährt.

Der Kran faszinierte die Besucher am Tag der offenen Tür besonders. Mit dem grossen Greifer kann das Heu vom Heustock direkt vor die Fressstände der Kühe gehievt werden. Ebenso erleichtert der Kran auch die Fütterung mit Kartoffeln oder Karotten.

Bau verlangte viel Geduld

Vor rund eineinhalb Jahren hat Haffa mit der Planung begonnen. Er blickt auf eine turbulente Zeit zurück. «Bis alle Richtlinien befolgt und alle Bewilligungen eingeholt sind, braucht es Geduld und starke Nerven», sagt Heinz Haffa. Im November 2011 konnte er mit dem Bau beginnen und bereits letzten Mai bezogen die Tiere ihr neues Zuhause. Insgesamt investierte er 900 000 Franken. «Das war ein recht grosser Lupf für uns, aber jetzt freuen wir uns am Ergebnis», sagt Haffa.

Er übernahm den elterlichen Hof mit 14 Kühen vor 24 Jahren. Zuvor machte er als Velomechaniker eine Ausbildung. Seit 92 Jahren repariert und verkauft die Familie Haffa-Velos. Diese Tradition pflegen sie nebst der Landwirtschaftstätigkeit auch heute noch. Vier Jahre später pachtete Heinz Haffa im Dorf einen Stall zu. Als die neue Tierschutzverordnung 2008 für Anbinde- und Laufställe bekannt wurden, traf es auch Heinz Haffa. «Die Masse des Stalls stimmten mit den neuen Vorschriften nicht mehr», sagt er. Den Schritt für einen Neubau erleichterten ihm die Söhne mit ihrem grossen Interesse an der Landwirtschaft. Der älteste ist bereits im zweiten landwirtschaftlichen Lehrjahr, und der jüngste hat seine Lehrstelle schon in Sichtweite.

Übergangsfrist läuft ab

Am 30. August läuft die Übergangsfrist für die neue Tierschutzverordnung ab. Bis dahin sollten auch die letzten Landwirte ihre Ställe angepasst haben. «Wir appellieren an die Eigenverantwortung der Bauern», sagt der Kantonstierarzt Paul Witzig. Das Veterinäramt werde kontrollieren und die Vorschriften durchsetzen. Er ist aber überzeugt: «Der grösste Teil der Bauern handelt oder hat bereits gehandelt.» Das stelle er unter anderem anhand der vielen Baugesuche fest.

«Viele Landwirte haben schon gehandelt, gerade angesichts des immer noch instabilen Milchmarktes», stellt auch Markus Hausammann, Präsident vom Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL), fest. Jeder betroffene Betrieb müsse individuell eine Lösung für sich suchen. Die einen Landwirte schliessen Stall- oder Tierhaltergemeinschaften ab. Andere beenden ihre Tätigkeit früher oder führen den Betrieb ohne Tiere weiter. Ebenso stellen einige auf kleinere Kuhrassen um.

«Für den Entscheid spielen verschiedene Faktoren mit», sagt Markus Hausammann. Für Heinz Haffa war die Lösung mit dem Neubau des offenen Freilaufstalls dank der interessierten Söhne optimal. «Langfristig werden sich die Investitionen sicher lohnen.»

Bauherr Heinz Haffa.

Bauherr Heinz Haffa.

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