Ein Müllberg mit Potenzial

Leuchtturm

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Gelegentlich schleichen einige mit Abfallsäcken herum. Sie sind auf der Suche nach Unterflurcontainern. Ist einer voll, darf der Müll nämlich nicht daneben deponiert werden. Man muss den Sack wieder buckeln und weiter zur nächsten Sammelstelle tragen. Das sind die Spielregeln für eine saubere Stadt am Wasser.

Die einen finden das mühsam. Sie machen ihrem Frust auf Facebook Luft. Prekär wird die Lage aber erst im Hochsommer, wenn die Einwohner bei 30 Grad auf der Suche nach einem freien Container unter der Last ihres Müllsacks auf offener Strasse kollabieren.

Trotz aller Anstrengungen türmt sich bei der Anlage vor dem Coop gelegentlich ein Abfallberg. Früher hätte man deswegen ja nicht so ein Tamtam gemacht. Abfälle jeglicher Art wurden kurzerhand im See entsorgt. Unter der Uferpromenade – dort, wo heute die schönsten Osterglocken blühen – liegt tonnenweise Bauschutt begraben. Deshalb ist auch die Bunkerwiese rechtlich gesehen gar keine Wiese, sondern Wasserfläche. Unsere Vorväter hatten damals einfach so lange Müll aufgeschüttet, bis der See das Land frei gab.

Fast könnte man meinen, dass es sich beim aktuellen Abfall-Debakel vor dem Coop um denselben alten Trick handelt. Vielleicht hofft die Stadt, dass aus dem Müllberg in 50 Jahren eine schöne Berglandschaft entsteht. Nebst einem Abenteuerspielplatz und einer Hotelanlage im Hafen könnte man dann nämlich auch mit Skitouren oder Bergwanderungen auftrumpfen.

Annina Flaig