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Ein Mann schreibt sich frei

ROMANSHORN. Pascal Beer reiste ohne Geld ein Jahr lang mit seiner Gitarre in der Welt herum. Seit 2011 ist er zurück in der Schweiz. Der 35-Jährige wohnt jetzt in Romanshorn und hat einen Verlag gegründet. Und sein erstes Buch geschrieben.
Markus Schoch
Er schwimmt mit seinem ersten Buch und seinem neuen Verlag gegen den Strom: Der Romanshorner Pascal Beer. (Bild: Reto Martin)

Er schwimmt mit seinem ersten Buch und seinem neuen Verlag gegen den Strom: Der Romanshorner Pascal Beer. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Pascal Beer ist anders als die meisten Menschen. Er tut Dinge, die er gut findet, ohne hundertmal zu fragen, was sie ihm bringen. Er tut sie einfach. Vor zwei Jahren beispielsweise reiste Beer während der Adventszeit jeden Tag in einen anderen Kanton und sammelte als Strassenmusiker Geld für ein Kinderspital in Bethlehem. Beer ist aber nicht die Heilsarmee. Er sei kein Gutmensch, sagt er von sich selber. Auf die Tour de Suisse machte sich Beer, weil er die Weihnachtszeit mit ihrem «Gschenkli-Terrorismus» nur schwer erträgt.

Vom Leben überraschen lassen

Zu verlieren hat Beer jeweils nicht viel, da er nur noch wenig hat. Im Juli 2010 machte er sich von seinem Elternhaus in Zihlschlacht aus auf eine Weltreise. Mit nahm er nur seine Gitarre – aber kein Geld. Fast sein ganzes Hab und Gut verschenkte Beer zuvor, weil er das Gefühl hatte, was er besitze, beginne ihn zu besitzen. Zurück kam der damals 33-Jährige nach einem Jahr auch ohne Geld, aber reich an Erfahrungen und der Bereitschaft, sich vom Leben überraschen zu lassen.

Von Existenzängsten lässt sich Beer nicht mehr bremsen. Er fühlt sich frei wie nie zuvor. Das Leben ist für ihn zu einem Abenteuer geworden, dessen Ausgang er nie genau kennt. Er weiss immer nur, von wo aus er die Reise antritt. Wohin sie ihn führt und was ihm unterwegs passieren könnte – darüber macht er sich keine grossen Gedanken.

Verlag für Bücher und Musik

So ist das auch mit seinem Verlag Muskat Media, den er kürzlich gründete. Es war ein Steinwurf ins Dunkle, wie er sagt. Die Firma hat ihre Adresse in Romanshorn, wo Beer in einem 32 Quadratmeter grossen Mansardenzimmer mit einem Balkon wohnt. Der Balkon ist wichtig. Denn Beer schläft dort, wenn es nur irgendwie geht. Auch jetzt im Winter. Vielleicht, sagt er, sei das ein Überbleibsel von der Weltreise, als er oft unter freiem Himmel die Nacht verbrachte – mit Blick auf die Sterne.

Stände dort tatsächlich die Zukunft geschrieben, wäre Beer möglicherweise nicht ins Verlagsgeschäft eingestiegen. Denn sein erster Autor ist ein schwieriger: Er ist es selber. Beer wollte einen Roman über seine Weltreise schreiben. Doch es war mühsam. Beer ist mittlerweile an der zehnten Version, zusammengekommen sind bereits 1800 Seiten. Jetzt endlich, sagt er, habe es Hand und Fuss.

Premiere mit Gedichtband

Beer hat derweil einen ersten Band mit 37 Gedichten herausgebracht, die er selber meist im Zug schrieb, wo er mit ihnen am besten vorwärtskommt. Es heisst «Messer in einer Blumenvase, auf die Rückkehr der Geliebten wartend» und ist im September erschienen. Beer hätte erwartet, dass er auf den allermeisten Exemplaren sitzen bleibt und sie Füllmaterial für sein Grab werden. Tatsächlich hat er bereits einen Viertel abgesetzt.

Die Gedichte sind keine leichte Kost. «Phantastische Wachträume, Ansagen eines Aussenseiters, Hymnen auf die Anziehungskraft des weiblichen Geschlechts», wie sein Freund Christian Rechsteiner im Nachwort schreibt. An die Schreibmaschine setzt sich Beer nur in düsteren Momenten. Geht es ihm gut, muss er nichts zu Papier bringen.

Die Geschichten sind Programm. Mit seinem Verlag wolle er eckiger und sperriger Kunst eine Plattform geben, sagt Beer. Als Nächstes bringt er einen Tonträger der Ithaka Chronicles aus Arbon heraus. Sie machen Musik, die er auch gerne machen würde.

Vertrag per Handschlag

Den Vertrag mit der Band hat er per Handschlag besiegelt. Schriftliches gibt es nicht. Ein Mann, ein Wort, sagt Beer. Geld sei kein Thema. Fürs Geld geht Beer im Moment noch einem Brotberuf nach. Der ausgebildete Oberstufenlehrer arbeitet Teilzeit im Bereich der Heilpädagogik an der Sekundarschule Arbon. Beer ist froh um den Job. So entkommt er zwischendurch den Wörtern, denen er mit den SBB kreuz und quer durch die Schweiz nachjagen muss.

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