Ein Mann, der anpacken kann

Fabio Telatin will in den Arboner Stadtrat. Er möchte Bodenständigkeit und Bürgernähe in den Stadtrat bringen. Die Behörde hat in seinen Augen Verbesserungspotenzial – vor allem in der Kommunikation.

Michèle Vaterlaus
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Fabio Telatin kommt durch seinen Malerberuf häufig in Kontakt mit Arbonerinnen und Arbonern. (Bild: Max Eichenberger)

Fabio Telatin kommt durch seinen Malerberuf häufig in Kontakt mit Arbonerinnen und Arbonern. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Fabio Telatin redet nicht lange um den heissen Brei herum. «Es macht mich hässig, wenn ich in der Zeitung lese, dass die Bevölkerung überfordert sei mit dem Tempo, das der Arboner Stadtrat vorlege.» Das Problem sieht er nämlich nicht in der Bevölkerung, sondern in der Kommunikation des Stadtrates. «Dort hat die Behörde Verbesserungspotenzial.» Der 42-Jährige selber will das besser machen und kandidiert deshalb als Stadtrat. Er sei als Handwerker bodenständig, habe durch seinen Malerberuf viel Kontakt zur Bevölkerung und als Vater von zwei Kindern im Alter von 18 und 20 Jahren habe er einen guten Draht zu der jüngeren Generation. «Der Stadtrat braucht jemanden, der anpacken kann. So einer bin ich.»

20 Jahre in der Gewerkschaft

Zur Politik kam Telatin über seinen Beruf. Bereits nach der Lehre als Maler engagierte er sich in der Gewerkschaft, der ehemaligen GBH und heutigen Unia. Seit über 20 Jahren ist er aktiv dabei. Ab 1992 war er Gruppenvorsteher, dann Vorsteher der Region. Heute ist er Aktuar und Präsident der Schweizer Berufskonferenz Maler/Gipser. «Die Gewerkschaft hat natürlich mein Sensorium für soziale Anliegen geschärft», sagt er. 2003 liess sich der gebürtige Italiener einbürgern. «Ich wollte wählen und abstimmen können.»

Seit 2009 sitzt er für die Fraktion SP-Gewerkschaften-Juso im Stadtparlament. Dort ist er Mitglied der Sozialhilfebehörde. «Das ist eine sehr spannende Arbeit, die mir manchmal aber auch sehr nahe geht, weil man sich mit menschlichen Schicksalen auseinandersetzt.» Mitglied war er auch in den vorübergehenden Kommissionen für die NLK, das Kappeli oder als es um die Erarbeitung des Reglementes für Sicherheit und Ordnung ging. Zudem hatte er das Präsidium der Kommission für die Dreifachturnhalle inne. 2012 war er Parlamentspräsident. Nun will er den Sprung von der Legislative in die Exekutive schaffen. «Die SP muss wieder vertreten sein», sagt Telatin. Vor vier Jahren hat die Partei auch noch den letzten Sitz verloren. Sie hat den Verlust zwar bei den Parlamentswahlen wettgemacht. «Doch wir mussten im Parlament oft Oppositionspolitik betreiben.»

Fokus auf das Positive richten

Im Stadtrat würde er sich aber vor allem der Sach- und nicht der Parteipolitik widmen. «Es geht darum, Arbon vorwärts zu bringen.» So gebe es zwar interessante Überbauungen auf dem Saurer-WerkZwei, doch müsse die Stadt auch Sorge tragen, dass Arbeitsplätze entstehen. «Nicht nur kurzfristig bei der Realisierung der Projekte, sondern langfristig.» Und diese nicht nur im Dienstleistungssektor, sondern auch in der Industrie. «Die Rechnung ist eigentlich einfach: Menschen, die hier leben und arbeiten, zahlen auch Steuern. Das kommt dem angeschlagenen Finanzhaushalt zugute.»

Sowieso will er den Fokus auf das Positive lenken. «Wir sollten Werbung machen mit dem, was wir haben.» Und Arbon habe viel zu bieten. Neben dem See beispielsweise auch den Weiher, den Adolf Saurer einst anlegen liess, damit sich seine Arbeiter dort erholen können. Ihm ist es ein Anliegen, dass die Altstadt im Sommer jeweils besser mit dem See verbunden ist. «Beispielsweise mit einer vorübergehenden Gelateria.» Abends ab 19 Uhr könnte man die Altstadt für Autos sperren. So wie es in italienischen Ferienorten gehandhabt wird, erzählt er. «Mir ist bewusst, dass das viel Toleranz braucht.»

Praktische Lösungen finden

Als Stadtrat würde er vor allem alltagsnahe Probleme lösen wollen. Beispielsweise gehöre beim neuen Stahelkreisel, bei der Einfahrt in die Romanshornerstrasse, ein Spiegel hin. Das Linksabbiegeverbot bei der Rebhaldenstrasse soll aufgehoben werden. «Da kann man lange sagen, alles sei rechtskonform. Wenn Lösungen nicht praktisch sind, nützen sie wenig.»