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Ein listiges Angebot

Kaum einer weiss heute noch, dass es einen Kantonsrat Johannes Keller gab. Aber er erreichte durch einen geschickten Schachzug, dass Weinfelden 1832 der zweite Hauptort im Kanton wurde.
Esther Simon
Seit 1832 finden Sitzungen des Grossen Rates im Weinfelder Rathaus statt. (Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 18. November 2015))

Seit 1832 finden Sitzungen des Grossen Rates im Weinfelder Rathaus statt. (Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 18. November 2015))

Der Weinfelder Johannes Keller war ein Feuerkopf. Das darf man heute ruhig so schreiben; denn seine Linie ist längst ausgestorben. 1802 als Sohn des Bäckers Hans Heinrich Keller und der Katharina Häberlin von Mauren «Unter der Linden» geboren, gehörte Keller bereits als 28-Jähriger dem Grossen Rat des Kantons Thurgau an. Dort griff er rücksichtslos Personen und Sachen an, weshalb der Weinfelder Demokrat bald gefürchtet war.

Eine gereizte Debatte entzündete sich zum Beispiel 1831 an seinem Begehren, der Grosse Rat solle Sitzungen nicht nur in Frauenfeld, sondern künftig auch in Weinfelden abhalten. Trotz des Einwandes eines Mitglieds, der Grosse Rat dürfe keine wandernde Musikgesellschaft werden, gewann Keller die Mehrheit für sich: Mit einem listigen Angebot. Er bot den Kantonsräten an, die Weinfelder würden auf eigene Kosten ein Rathaus bauen, wenn der Grosse Rat die Hälfte seiner Sitzungen in Weinfelden abhalte.

Eine schier unglaubliche Geschichte

Der Weinfelder Lokalhistoriker Hermann Lei (1910 bis 2006) hat in seinem Buch «Weinfelder, die Geschichte machten» ein schönes und lesenswertes Porträt über Keller verfasst. In dem Buch beschreibt er auch die schier unglaubliche Geschichte, wie Keller sein Versprechen einlöste. Am 24. März 1831 hatte der Grosse Rat beschlossen, künftig auch in Weinfelden zu tagen. Am 2. April informierte Keller den Gemeinderat. Drei Tage darauf beschloss die Gemeindeversammlung, eine Kommission zu bilden. Sie hatte den Auftrag, Pläne und Kostenberechnungen für den Umbau des alten oder aber für ein neues Rathaus zu beschaffen. Am 9. April lag eine ungefähre Kostenberechnung vor, und gleich am folgenden Tag fand wieder eine Gemeindeversammlung statt. Diese verlangte genaue Vorschläge für einen Neubau. Am 8. Mai – immer noch 1831 – entschloss sich der Gemeinderat für einen Neubau nach den Plänen des Baumeisters Hofmann von Islikon. Ein Jahr später – am 12. Mai 1832 – gab es in Weinfelden ein grosses Volksfest zur Einweihung des Rathauses – mit Gratisverpflegung der Bürgerschaft, «die durch ihre Frondienste vorzüglich an der schnellen Verwirklichung des Baus beteiligt gewesen war», wie Hermann Lei schreibt.

Keller hatte eine unglaubliche Karriere absolviert. Als 21-Jähriger hatte er in Würzburg das Arztdiplom erworben. Ein halbes Jahr später eröffnete er in Weinfelden seine Praxis, die ihn bald bekannt und beliebt machte. 1825 wurde er als Bataillonsarzt vereidigt. Im Jahr darauf verheiratete er sich mit Anna Barbara Keller von Neukirch, die ihm in den folgenden neun Jahren sieben Kinder schenkte.

Er war wohl zu sehr «verfrauenfeldert»

1828 wählten ihn die Weinfelder in den Gemeinderat. Der Regenerations-Bewegung seines Freundes Thomas Bornhauser schloss sich Keller mit jugendlichem Eifer an, worauf er in die thurgauische Verfassungskommission gewählt wurde. Um 1832 war er gleichzeitig Mitglied einer Revisionskommission zu den Feuerlöschverordnungen des Dorfes, in der Brunnenkommission, Gemeindeammann, Bezirksrichter, Kantonsrat, Präsident des Sanitätsrates und evangelischer Kirchenrat. Ab 1833 war er Regierungsrat, ab 1850 Ständerat. Johannes Keller war auch Mitglied der Redaktionskommission der damaligen Weinfelder Zeitung, des «Wächters» – einem Vorgänger des ehemaligen Thurgauer Tagblatts. Mit der Zeit bewiesen die Weinfelder aber keine grosse Zuneigung mehr zu ihrem einst gefeierten Mitbürger. Hermann Lei folgert: «Sie fanden, wohl bedingt durch Kellers Wohnsitznahme in Frauenfeld, die Hofluft in der Residenz habe ihn zu sehr verfrauenfeldert.» Doch das ist eine andere Geschichte. Johannes Keller starb 1877 nach schwerer Krankheit. Die Verfassungsrevision von 1869 hatte seine politische Laufbahn abgeschlossen.

Johannes Keller (1802–1877) (Bild: PD)

Johannes Keller (1802–1877) (Bild: PD)

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